wissenschaftliches schreiben und zeitmanagement

zeitpläne sind nicht jedermanns und jederfraus sache. letztendlich scheinen sie in vielen lebenszusammenhängen auch nicht notwendig. beim wissenschaftlichen schreiben hingegen können sie sehr viel sinn machen. denn selbst nicht-aufschiebende schreibtypen geraten häufig in zeitnot am ende einer längeren wissenschaftlichen arbeit (dies richtet sich nicht gegen menschen, die aufschieben – es gibt viele schreibtypen, die am besten schreiben, wenn sie unter zeitdruck stehen).

was ist geschehen? oft werden themen für wissenschaftliche arbeiten während der recherche immer spannender und größer. fängt man einmal an, sich in die vorhandene literatur zu vertiefen, findet man mehr und mehr artikel und bücher zum zu bearbeitenden thema. bei etlichen schreibenden kommt das gefühl auf, die ganzen veröffentlichungen noch lesen zu müssen, bevor man mit dem schreiben der arbeit beginnen kann.

zum einen wird man selten ein forschungsthema vollständig erfassen können. zum wissenschaftlichen schreiben gehört auch ein gewisser mut zur lücke und ein blick für die relevanz eines textes. zum anderen ist der eigene anspruch teils zu hoch. da können plötzlich bachelor- und masterarbeiten zu doktorarbeiten mutieren, da man doch jeden kleinsten hinweis berücksichtigen möchte. auch hier geht es darum, eine auswahl zu treffen. das fällt vielen nicht leicht, da das gefühl, etwas wichtiges zu vernachlässigen im hinterkopf rumort.

wenn recherche ausufert, dann verschiebt es alle anderen tätigkeiten im zeitplan. meist reicht die zeit noch zum schreiben der wissenschaftlichen arbeit, aber die zeit zum überarbeiten am schluss, die ist kaum mehr vorhanden. dabei sollte das überarbeiten in der planung beinahe ein drittel der gesamten zeit einnehmen. oft wird unterschätzt, wie aufwendig es ist, korrektur zu lesen, zitate zu belegen, literaturlisten zu erstellen, links zu überprüfen, ganze kapitel umzustrukturieren und nach schreibfehlern zu suchen. wenn man dann noch den schreibstil ansprechend gestalten möchte, dann benötigt man auch dafür ausreichend zeit.

darum macht ein zeitplan am anfang des wissenschaftlichen schreibens sinn. denn in diesem moment hat man eine richtschnur für das eigene arbeiten erstellt. man bemerkt, wenn die recherche anfängt zu viel raum einzunehmen. es fällt leichter, sich selbst zu reglementieren, sich zu ermahnen und konsequenzen zu ziehen, wenn man die überschreitung des zeitlimits schriftlich vor augen hat. dann kann man zum einen eventuell parallel zur recherche schon anfangen zu schreiben und man kann überlegen, welche weitere literatur nun doch nicht mehr gelesen, exzerpiert und eingearbeitet wird. denn die verlockung, bei der überarbeitung des textes an zeit zu sparen, ist groß, kann sich aber negativ auf das gesamtergebnis auswirken.

da sind die ideen toll, ist das thema spannend und sind auch die ergebnisse wichtig, aber der text ist nur schwer zu lesen. das ärgert einen meist selber. wenn die interessante und wichtige arbeit anderen nicht zu vermitteln ist, dann ist man am schluss mit seiner wissenschaftlichen arbeit oft unzufriedener, wie wenn manche seitenaspekte eben nicht mehr beleuchtet wurden, da das zeitlimit überschritten wurde.

beim wissenschaftlichen schreiben sollte also das zeitmanagement eine wichtige rolle spielen. so kann ich das schreiben dann eintakten, wenn ich wirklich zeit habe und nicht gestört oder unterbrochen werde. und ich habe neben dem roten faden des wissenschaftlichen textes auch einen zeitlichen leitfaden für meinen eigenen schreibprozess. dies erzeugt ein gefühl von sicherheit.

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Eine Antwort zu “wissenschaftliches schreiben und zeitmanagement

  1. Sehr guter Artikel. Während meiner Diplomarbeit habe ich mir ein Mindmap von dem Thema erstellt, um nicht den Überblick zu verlieren. Das hat auch ganz gut geholfen.
    Viele Gruß aus Hildesheim
    Christoph

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