Tagesarchiv: 5. Dezember 2011

schreibidee (328)

da ich gerade auf dem spieletripp bin, also die vielfalt des spielens in der freizeit, im beruf und natürlich beim schreiben wieder und wieder entdecke, soll es hier zum tragen kommen. gleichzeitig macht neben dem spielen das denken viel spaß, also beides miteinander kombinieren. und schon entsteht eine schreibanregung zu „gedankenspielen“, denn das schöne am kreativen schreiben ist: es gibt keine einschränkungen.

als einstieg formulieren die schreibgruppenteilnehmerInnen zehn sätze, die mit den worten „was wäre wenn …?“ beginnen. dabei sollen die schreibenden sätze zu denkspielen formulieren, die sie interessieren. welche eventualitäten würden sie gern gedanklich durchspielen? was wäre zum beispiel, wenn es keine kühe gäbe? was wäre, wenn man eine million gewinnt? (der klassiker der gedankenspiele) und was wäre wenn wir keine arbeit mehr hätten? die sätze werden in der gruppe nicht vorgelesen.

im anschluss wählen die teilnehmerInnen einen ihrer sätze aus und schreiben dazu. dabei sollten sie darauf achten, wann der innere zensor ihre gedanken einschränkt. „darf man so weit denken? ist das realistisch? wie klingt das für die anderen?“, das sind die klassischen sätze, die verhindern, ein gedankenspiel wirklich zu vollführen. neben dem aufschreiben des was-wäre-wenn-textes sollten sich die schreibenden notieren, wie ihnen der innere zensor in die quere kommt. ist der text abgeschlossen wird noch eine kurze selbstreflexion zu den angriffen des zensors formuliert. anschließend werden bei texte in der gruppe vorgetragen, es gibt keine feedbackrunde.

nun suchen alle teilnehmerInnen aus ihrem pool an sätzen abermals einen aus und notieren ihn auf einem zettel. die zettel werden eingesammelt und es wird ausgelost, wer welche fragestellung bekommt. dazu wird auch ein gedankenspiel-text verfasst. der text wird in der gruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt. zum abschluss formulieren dann alle teilnehmerInnen noch einmal zehn sätze, die mit den worten „was wäre wenn …?“ beginnen. diese zehn neuen formulierungen werden in der gruppe vorgetragen, damit alle mit einem bunten strauss an gedankenspiel-anregungen nach hause gehen.

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wissenschaftliches schreiben und spiel

die wissenschaft ist eine ernste angelegenheit, wenn man den wissenschaftlerInnen glauben möchte. doch das spannende am forschen und am experimentieren, ja am durchdenken von fragestellungen und thesen, besteht darin, dass im hintergrund immer eine spielerische komponente stattfinden. ähnlich dem kreativen schreiben oder andere kreativen techniken, besteht der fortschritt in wissenschaften immer wieder in der neukombination von wissen und gewohntem.

in vielen denkfabriken wird ein gehöriges quantum an zeit für spielerische momente verwendet. schaut man sich an unseren hochschulen und instituten um, ist davon leider nicht viel zu merken. es herrscht immer noch die auffassung, dass eine streng statistisch-naturwissenschaftliche herangehensweise (auch in sozialwissenschaftlichen fächern) den forschungsprozess begünstigt. schaut man sich zum beispiel die natur und das ökosystem an, dann gibt es diese form der eindeutigkeit und klarheit an kaum einem punkt.

so stellt sich die frage, ob auch beim wissenschaftlichen schreiben nicht mehr „spielraum“ genutzt werden kann. es geht nicht darum, das grundprinzip der wissenschaftlichen herangehensweise, die belegpflicht für behauptungen und schlussfolgerungen, abzuschaffen. es geht darum, dass allein die formen der formulierung, das einfließen eigener position und die verankerung von gedankenspielen, mehr platz finden könnte. abgesehen davon, dass die texte lesbarer würden, ist damit zu rechnen, dass sie auch zu mehr nachdenken und weiteren gedankenspielen anregen.

es wird oft unterschätzt, wie groß das interesse, auch von menschen, die nicht an hochschulen oder in instituten forschen, an wissenschaftlichen erkenntnissen ist. man schaue sich nur Weiterlesen