wissenschaftliches schreiben und spiel

die wissenschaft ist eine ernste angelegenheit, wenn man den wissenschaftlerInnen glauben möchte. doch das spannende am forschen und am experimentieren, ja am durchdenken von fragestellungen und thesen, besteht darin, dass im hintergrund immer eine spielerische komponente stattfinden. ähnlich dem kreativen schreiben oder andere kreativen techniken, besteht der fortschritt in wissenschaften immer wieder in der neukombination von wissen und gewohntem.

in vielen denkfabriken wird ein gehöriges quantum an zeit für spielerische momente verwendet. schaut man sich an unseren hochschulen und instituten um, ist davon leider nicht viel zu merken. es herrscht immer noch die auffassung, dass eine streng statistisch-naturwissenschaftliche herangehensweise (auch in sozialwissenschaftlichen fächern) den forschungsprozess begünstigt. schaut man sich zum beispiel die natur und das ökosystem an, dann gibt es diese form der eindeutigkeit und klarheit an kaum einem punkt.

so stellt sich die frage, ob auch beim wissenschaftlichen schreiben nicht mehr „spielraum“ genutzt werden kann. es geht nicht darum, das grundprinzip der wissenschaftlichen herangehensweise, die belegpflicht für behauptungen und schlussfolgerungen, abzuschaffen. es geht darum, dass allein die formen der formulierung, das einfließen eigener position und die verankerung von gedankenspielen, mehr platz finden könnte. abgesehen davon, dass die texte lesbarer würden, ist damit zu rechnen, dass sie auch zu mehr nachdenken und weiteren gedankenspielen anregen.

es wird oft unterschätzt, wie groß das interesse, auch von menschen, die nicht an hochschulen oder in instituten forschen, an wissenschaftlichen erkenntnissen ist. man schaue sich nur die auflagen von populärwissenschaftlichen büchern und zeitschriften an. auch das fernsehen vermittelt immer mehr wissen, sendet mehr dokumentationen. so kann man für das wissenschaftliche schreiben fordern, dass mehr kreative techniken beim verfassen von schriftichen arbeiten angewendet werden. wahrscheinlich sollte man schon früher ansetzen, schon bei der generierung von forschungsfragen kann das kreative schreiben eine große hilfe sein.

es geht in vielen forschungszusammenhängen ja nicht allein um messungen, es geht auch um namen, um worte finden für prozesse, um umschreibungen und metaphorische formulierungen, ja, es geht um die verständliche vermittlung der eigenen erkenntnisse. und dies nicht nur, wenn veröffentlicht wird, sondern auch, wenn im team gearbeitet und forschungsdesigns entworfen werden. abseits der formeln muss alles in worte gefasst werden. darum ist es zu wünschen, dass die vorbehalte gegenüber dem spiel, seinen regeln und seinem offenen ausgang abnehmen. wahrscheinlich macht dann forschen sogar noch mehr spaß als bisher.

Eine Antwort zu “wissenschaftliches schreiben und spiel

  1. Die Lesbarkeit der Texte ist oft ein Problem. Aber vielleicht will die Wissenschaft nicht öffentlich zugänglich sein? Ein Elitäres-Stelldichein? Aus meinem Umfeld kenne ich sogar den abwertenden Begriff: Managementbücher. Verwendung für Sachbücher die „flach“ wissenschaftliche Themen aufgreifen und vor dem schlafen gelesen werden. Beim Benutzen bitte nicht das abwertende Grinsen vergessen! 😉
    Schöner Artikel!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s