Tagesarchiv: 7. Dezember 2011

kreatives schreiben und wildnis

der vorteil des schreibens ist, man kann es beinahe überall machen. man braucht einen stift und ein blatt papier (als schreibblock oder schreibheft hat man gleichzeitig eine festere unterlage, bei einem einzelnen blatt kann die fläche unter dem blatt leicht schwierigkeiten machen). womit ich bei den schwierigkeiten wäre, in der wildnis kreativ zu schreiben.

pampa oder pure natur können sehr anregend und interessant sein. einmal weg von allem, vom alltag, vom stress, vom krach und vom sofa sein, sich in die wildnis stürzen (natürlich wohl geplant und durchdacht, um nicht böse überraschungen zu erleben). man lässt alles um sich herum auf sich wirken, man assoziiert und man möchte anfangen zu schreiben. wenn man in diesem moment nicht sowieso mit einem zelt und allem dazugehörigen unterwegs ist, dann kann das schwieriger werden.

das fängt mit dem sitzen an: wo kann man sich hinsetzen, damit man bequem sitzt, keinen nassen oder kalten hintern bekommt, nicht am baumharz kleben bleibt und einem nicht das krabbelnde getier in alle kleidungsöffnungen klettert. ältere, liegend baumstämme bieten sich schon an (wir sind in der wildnis, es gibt also keine bänke 😉 ). man sollte aber prüfen, ob sie nicht zu morsch und zu harzig sind. dazu kommt, wenn es kurz vorher geregnet hat, das holz die feuchtigkeit ganz gut aufnimmt. ist der stamm dann auch noch bemoost, dann wird es garantiert feucht von unten.

im stehen schreiben ist aber auch keine angenehmen lösung. also sollte man vielleicht eine regenjacke oder ein plastiktüte dabei haben, auf die man sich setzen kann. zu dem möge man darauf achten, wie frisch es in der wildnis oft ist. während man läuft oder wandert, fallen einem der wind und die kühle nicht so auf. doch kaum setzt man sich, bemerkt man die temperatur. versierte wanderer nehmen dafür sowieso noch einen pullover oder eine jacke mit. doch damit hat man noch nichts zum sitzen. aber ich gehe mal davon aus, man sitzt trocken und bequem, dann taucht das problem mit den schreibutensilien auf.

kugelschreiber können bei staub oder erdkrümel schnell den geist aufgeben. füller schreiben mit tinte und tinte verläuft, wenn das geschriebene feucht werden sollte. ähnliches gilt für wasserlösliche marker oder filzstifte. mit wachsmalkreide möchte niemand schreiben. also ist Weiterlesen

wortklauberei (90)

„selbstausfragung“

manchmal sind die suchbegriffe, durch die jemand auf dem blog landet ganz heitere, falsch geschriebene und umständliche. es macht immer wieder spaß in den statistiken zu schauen, durch welche suchbegriffe man gefunden wird. und dann gibt es wörter, die zu denken geben. hier gibt es die rubrik „selbstbefragung“, die wahrscheinlich der grund dafür war, dass jemand mit dem suchbegriff „selbstausfragung“ hierher verwiesen wurde.

es wird schwierig sich selbst auszufragen, wenn der andere geheimnisse hat. da kann man wahrscheinlich noch so viele tricks und finten einsetzen, man wird doch nie alles erfahren. und selbst wenn man über sich selbst durch sich selbst an informationen kommt, die man nie haben wollte: was macht man dann? man kann mit selbstvorwürfen oder selbstverleugnung reagieren. damit tut man sich jedoch keinen gefallen, da oft das selbstwertgefühl darunter leidet.

eigentlich ist man in diesem moment selbstbewusster, aber das muss man sich erst einmal selbst eingestehen. man sollte sich vielleicht mit einem misstrauen sich selbst gegenüber begegnen, denn man hat ja geheimnisse voreinander. warum muss das sein? eigentlich weiß man alles über sich selbst, und doch versteckt man etwas voreinander. gut, der selbstschutz ist ein hilfreiches mittel, um selbstverletzungen zu vermeiden. aber die vorstellung, durch eine „selbstausfragung“ diesen schutz zu umgehen ist ein trugschluss.

man wird sich nichts preisgeben, was man sich nicht preisgeben möchte. und man kann nichts erzwingen. oft schwirrt aber auch die vorstellung durch den raum, man habe sein wahres selbst noch nicht entdeckt, und animiert zu ständigen selbstbeobachtungen und selbstverdächtigungen. damit tut man sich keinen gefallen, denn das, was eine selbstbe- und -ausfragung zu tage fördert, das ist man selbst, so wie man leibt und lebt. mehr gibt es nicht, jedenfalls nicht in diesem moment.