kreatives schreiben und privat

kein text wird frei von persönlichem sein, denn das eigene denken, assoziieren und konstruieren schafft den text. selbst bei der herstellung von zufälligkeiten ist unser denken beteiligt. es ist wie in der naturwissenschaft, die bis heute versucht, den einfluss durch den menschen auf die ergebnisse einzuschränken. aber allein die versuchsanordnung ist ein menschliches konstrukt.

also ist die wahrscheinlichkeit, dass in selbstgeschriebenen texten auch privates auftaucht, recht hoch. nur über den anteil kann man sehr wohl regie führen. aber dabei taucht eine schwierigkeit auf: versuche ich während des kreativen prozesses den inneren zensor so klein wie möglich zu halten, nimmt das persönliche und private in den texten zu. ab diesem moment darf ich mir die frage stellen, für wen ich schreibe.

denn es macht sinn zu unterscheiden, ob ich den text nur für mich, für meine schreibgruppe oder für die weltöffentlichkeit schreibe. ich sollte mir zumindest bewusst sein, wie weit ich gehen möchte und was mir als privatheit schützenswert erscheint. dazu kommt, dass ich nicht nur meine eigene privatsphäre im blick haben sollte, sondern auch die anderer. denn fließen geschichten von freundInnen und partnerInnen mit in meine geschichten ein, dann kann dies die privatheit der anderen verletzen.

verletzt wird privatheit immer dann, wenn sehr intimes ausgeplaudert und veröffentlicht wird. in erster linie ist dies meine entscheidung, ich verfüge über die informationen. beim kreativen schreiben sollte ich aber auch bedenken, dass menschen auf meine geschichten reagieren werden, wenn ich an die öffentlichkeit gehe. und ich weiß nie genau, wie sie reagieren werden. auch dies ist erst einmal nicht dramatisch, wenn ich mir sicher bin, dass mich unangemessene reaktionen auf offengelegtes von mir mich nicht verletzen oder wenig berühren werden.

es macht also sinn, auch dem inneren zensor, je nachdem für wen ich schreibe, ein wenig raum zu geben. denn manches schreibt sich leichter hin, als sich die reaktionen darauf verkraften lassen. denn man schreibt eher über die dinge, die einen berühren, denn über dinge, die einen kalt lassen. zu viel distanz zu den eigenen texten merkt man ihnen meist an, lässt auch die geschichten kalt wirken.

kreatives schreiben und die veröffentlichung von privatem kann manchmal wirken, wie wenn man auf eine party geht, jemand fremden kennenlernt und den ganzen abend sehr persönlich miteinander spricht. erst im nachhinein kommt ein unklares gefühl auf, dass man jemandem wildfremden unglaublich viel von sich preis gegeben hat. bin ich mir im moment der handlung, des erzählens, dessen bewusst, komme ich mir hinterher nicht hilflos vor. so dienen reflexionen über den schreibprozess auch dem eigenen schutz, wenn man ihn für notwendig hält. es spricht viel dafür.

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