schreibpädagogik und privat

schreibgruppen sind halböffentliche veranstaltungen. je nach thema oder ausrichtung des angebots spielt privates eine größere oder kleinere rolle. doch selbst wenn privates eine kleine rolle spielt, sollten schreibgruppen immer einen gewissen schutzraum bieten. einen schutzraum zum schreiben und zum veröffentlichen in kleiner gruppe. auch wenn jemand sonst nicht mit seinen texten an die öffentlichkeit gehen möchte, in der schreibgruppe ist es ihm oder ihr vielleicht möglich.

dabei muss gewährleistet werden, dass das vorgetragene in der gruppe bleibt, also nicht von anderen teilnehmerInnen in die öffentlichkeit getragen wird. auch hier spielt es keine rolle, ob es sich um kreatives oder biografisches schreiben handelt. wie schon oft erwähnt, fließen auch in kreative texte und geschichten persönliche anteile ein. darum müssen zu beginn einer gruppe die regeln für den umgang mit privatem festgelegt werden. dem sollten alle teilnehmerInnen zustimmen. denn es geht hier nicht nur um so etwas, wie das copyright, es geht auch um das aufrecht erhalten einer privatsphäre.

das mag nun manchem zu weit gehen, zu vorsichtig im umgang miteinander sein, handelt es sich ja schließlich um keine therapeutische gruppe. aber um frei schreiben zu können, benötigt jeder mensch die sicherheit, dass er auch selbst bestimmen kann, wie weit das geschriebene veröffentlicht werden soll. es ist immer möglich seine geschichten und texte überhaupt nicht vorzutragen. aber gleichzeitig gibt es meist einen bedarf an rückmeldungen, um sich im schreiben überhaupt weiterentwickeln zu können. das feedback ist einer der großen vorteile von schreibgruppen. und wenn man eine gruppe leitet, kann man meist feststellen, dass sich die teilnehmerInnen immer stärker mit ihrem geschriebenen hervorwagen.

„so weit aber nicht weiter“, ist von vielen die grundeinstellung. oft bekommen noch nicht einmal die lebenspartnerInnen die texte zu gesicht, aber die schreibgruppe. darum erscheint es mir so wichtig, dass die privatsphäre geschützt bleibt. hundertprozentig kontrollieren kann man es natürlich nicht, das ist auch nicht die aufgabe einer schreibgruppenleitung. aber mann kann es immer wieder betonen, dass die bereitschaft texte preiszugeben eine individuelle entscheidung ist. eventuell sollte dann zweigleisig in der gruppe verfahren. die, die sich dafür entschieden haben, können gemeinsam ihre texte veröffentlichen (web, broschüre, buch) und zum beispiel lesungen gestalten. die anderen nehmen daran nicht teil.

die leitung der gruppe muss darauf achten, dass die nicht-veröffentlicherInnen nicht unter druck geraten, sich nicht als kompliziert oder problematisch vorkommen. es kann sein, dass man einen, in den augen anderer, schlichten text für sich behalten möchte und maximal in der gruppe vorstellt. man kann von außen nie wissen, was andere zu ihren texten bewegt hat und wie sehr die texte die verfasserInnen bewegen. wenn man dies im hinterkopf behält, dann bleibt die privatheit so weit wie gewünscht gewahrt.

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