schreibberatung und privat

die zurückhaltung ist manchmal etwas zu groß. der glaube, allein die passende schreibtechnik genügt und schon gerät man wieder in den schreibfluss, der so dringend notwendig ist, ist weit verbreitet. in vielen situationen ist dies auch eine sinnvolle annahme. wenn jemand aber an dem punkt ist, eine professionelle schreibberatung aufzusuchen und dafür geld zu bezahlen, dann hat die schreibkrise meist mehr gewicht und erscheint schwieriger.

in diesen momenten macht ein blick hinter die kulissen viel sinn. es geht eben nicht mehr nur ums schreiben, es geht um viele andere fragen, die mit dem schreiben einhergehen. es lässt sich im vorfeld nicht sagen, worum es geht. schreibberaterInnen können die schwierigkeiten nur durch fragen einkreisen, um handlungsmöglichkeiten mit den klientInnen zu erarbeiten. bei den fragen dreht es sich auch um fragen zum privaten umfeld, zu unterstützung oder behinderung im schreibprozess durch andere, zu be- und abwertungen durch nahestehende menschen.

darum scheint es mir so wichtig, dass auch in der schreibberatung die schweigepflicht und ein ruhiges setting gewahrt werden. es kann sein, dass gar nicht viel privates eine rolle beim schreibprozess spielt, ebenso kann aber auch das genaue gegenteil der fall sein. einzig, es ist sinnvoll mit privatem nicht hinter dem berg zu halten, auch wenn es schwer fällt. schreibberatung ist keine therapie und will auch keine sein. aber um zusammenhänge herstellen zu können, die vielleicht in eine therapie münden, ist eine ausführliche analyse der situation hilfreich.

damit das private auch benannt werden kann, sollte die schreibberatung wie eine professionelle arbeitsbeziehung angelegt sein. die wahrung einer professionellen distanz ist notwendig. hier unterscheidet sich die schreibberatung explizit von schreibgruppen. in schreibgruppen darf auch einmal privates eine rolle spielen (beim biografischen schreiben ist dies unumgänglich), da darf auch ein persönlicher kontakt zwischen teilnehmerInnen und leitung entstehen, bei der schreibberatung wäre dies während des beratungsprozesses zu vermeiden.

das dient nicht nur dem schutz der klientInnen, es dient auch dem schutz der beraterInnen. denn die not ist in schweren schreibkrisen manchmal groß. da kann es schnell geschehen, dass ratsuchende gern zu jeder tages- und nachtzeit zum telefon greifen, um unterstützung zu erhalten. die not ist nachvollziehbar, und dennoch benötigen beratungssettings auch eine gewisse abgrenzung der beratenden. ist dies nicht umsetzbar, besteht die gefahr, selber kein privatleben mehr zu haben. das sollte nicht ziel eines angebots sein und wird auch von den meisten ratsuchenden verstanden und akzeptiert.

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