schreibberatung und diskurs

ratsuchende erhoffen sich manchmal von einer beratung, dass die beratenden schnell eine lösung für ihre problematiken und schwierigkeiten parat haben. bei einzelnen fragestellungen ist dies gut möglich. doch meist ist es notwendig, die gründe für schwierigkeiten einzukreisen, aus der subjektiven sicht geschildert zu bekommen und gemeinsam nach lösungs- und handlungsmöglichkeiten zu suchen.

dazu bedarf es des nachfragens und der diskussion. während einer beratung wäre also ein ratsuchender mit einer klaren haltung zu den möglichkeiten ideal. davon sollte man aber nicht ausgehen. wäre die haltung zur problematik eindeutig, wäre mit großer wahrscheinlichkeit auch keine beratung notwendig. darum geht es ja: durch nachfragen, durch ein für und wider, durch analysen und bewertungen einen weg zur verbesserung der situation zu finden.

gerade bei der analyse der aktuellen situation und schwierigkeit kann eine beratung nur über die fragestellung, ob man das geschilderte richtig erfasst habe, und in der folge, ob die angesprochenen möglichkeiten vorstellbar sind, sinnvoll sein. denn die umsetzung der dargebotenen und gemeinsam erarbeiteten handlungen und lösungen liegen allein bei den klientInnen. dies sind dann die momente, in denen der diskurs not-wendig ist.

es ist also sinnvoll ratsuchende immer wieder zu ermuntern, möglichst offen und frei ihre position zu vertreten. es ist ebenso sinnvoll als beratende sich auf diesen diskurs einzulassen, auch wenn der einfach ratschlag leichter erscheint. denn, wie hier schon öfter erwähnt, schreitet ein einfacher ratschlag schnell über die interessen der ratsuchenden hinweg. und beratende können sich der gefühlslage der klientInnen immer nur annähern, sie nie vollständig in ihrer subjektiven dimension nachempfinden.

diese überlegungen mache es sowohl für beraterInnen als auch für ratsuchende nicht immer ganz einfach, die richtigen worte zu finden. um sich dem anzunähern kann es für manche hilfreich sein, zum stift zu greifen. auch dieser schritt liegt nicht allen, ist aber eine unterstützende möglichkeit, worte für die gefühlslage zu finden und die eigene position für den diskurs zu erkennen. die schreibberatung bietet viele ansatzpunkte nicht nur mündlich die positionen einzunehmen, sondern auch schriftlich. ob es nun ein fokussiertes freewriting, eine liste oder eine selbstbefragung ist, all dies kann einem auf dem weg zu vorstellbaren handlungsmöglichkeit hilfreich sein.

zudem hat man danach noch einmal schwarz auf weiß, welche position, welche vorstellung, welches gefühl grundlage der eigenen handlungen in diesem moment waren. mündlich verpufft manches schneller, schriftlich kann es öfter nachvollzogen werden. immer mit der einschränkung, dass das schreiben einem als annäherungshilfe zusagt.

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