Tagesarchiv: 25. Januar 2012

mein computer und ich – eine umgangslehre (08)

schreiben

in erster linie diente der computer einmal dem rechnen und dem schreiben, also den grundformen der lebensbewältigung in modernen zeiten. inzwischen leisten pc und konsorten noch ganz andere dinge. sie entziffern gesagtes, gleichen musik mit datenbanken ab, fotografieren, filmen, malen und dergleichen mehr, je nachdem, was die userInnen wünschen. das kann spaß machen, doch eigentlich soll er erst einmal nur schreiben. es ist auch egal, ob es sich dabei um post (mails), geschichten (textverarbeitung) oder programmierungen (texteditor) handelt. ich gebe etwas ein und das ding bildet es ab, um es dann zu drucken, zu versenden oder zu speichern.

aber so einfach ist das heute nicht mehr. gern ist von vornherein die autokorrektur bei manchen geräten eingeschaltet. dies bedeutet, dass das ding nervtötend alle satzanfänge „groß“ schreiben möchte, dass es die anführungszeichen nach seinen regeln oben oder unten platziert, dass es fehler unterstreicht, dass es aus zeichenkombinationen neue zeichen generiert und dass es eine schrift und ein format vorgibt. möchte ich das nicht, dann muss ich erst einmal in die tiefen der einstellungen klettern, um die vorgaben zu verändern.

bei manchen textverarbeitungsprogrammen sind die tiefen inzwischen so tief, dass man gut und gerne stunden damit verbringen kann, alles abzuschalten, das man nicht möchte. natürlich, man kann auch eine neue vorlage (für das layout und schriftbild) wählen und erhält dadurch ein ganzes bündel an veränderungen. einfach drauflosschreiben is nich! selbst wenn man sich so weit durch seinen rechner gekämpft hat, etwas geschrieben hat, dann kann man nicht davon aussehen, dass es bei anderen auf dem computer ebenso aussieht. haben sie nicht das identische betriebssystem und die selben einstellungen, dann kann mein text zu einem datenungeheuer anwachsen, das nicht mehr zu entziffern ist.

bis heute ist es nicht gelungen, dass sich die länder mit den gleichen schriftzeichen auf eine standardvorlage für Weiterlesen

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nabelschau (59)

handys sind dafür da, nicht benutzt zu werden, jedenfalls in berlin. sie haben streit in der beziehung und ihr partner glaubt ihnen nicht, dass sie noch gearbeitet haben. im zeitalter der dienstleistungen genügt ein anruf bei der berliner polizei und sie bekommen die auskunft, wann sie sich in der nähe welches sendemasten mit ihrem handy am letzten abend aufgehalten haben. dies könnte zumindest teilweise ihren partner beruhigen. obwohl sie sich natürlich mit ihrem neuen lover auch an der arbeitsstelle getroffen haben könnten.

so könnte die zukunft der handynutzung aussehen, wenn nicht bald jemand einschreitet oder alle nutzerInnen diese nervtötenden dinger abschalten. denn es wird gesammelt: verbindungen, telefonnummern, uhrzeiten, orte. und bringt man sie in kontakt miteinander ergeben sich bewegungsbilder. sie befinden sich fünf mal in der nähe eines tatorts, dann kann es sein, dass die polizei bei ihnen vor der tür steht und vermutet wird, sie hätten eine straftat begangen. nun sollten sie als handybesitzer immer wissen, wo ein tatort ist, damit ihnen dies nicht geschieht. sie haben dann zwei möglichkeiten: einen anderen sendemasten suchen oder das handy ausschalten.

besonders interessant erscheint mir der gedanke, dass davon ausgegangen wird, dass straftäterInnen so eng verwachsen sind mit ihrem handy, dass sie sie nicht zu hause lassen, wenn sie eine straftat begehen. gleichzeitig haben sich bei der millionenfachen datenerfassung in berlin keine straftaten aufklären lassen. hmmm, seltsame vorgehensweise und skurrile argumentation. logischerweise sollte man erwarten, dass jemand öffentlich zu dem schluss kommt, dette bringt wohl nüscht. aber nein, die argumentation geht in eine andere richtung: demos waren bei der erfassung nicht dabei (wie in sachsen), es handelte sich ausschließlich um schwere straftaten.

schwere straftaten sind nicht schön, ja auf alle fälle ahndungswürdig, aber mal auf gut glück (das bis jetzt niemandem hold war) einen generalverdacht gegenüber allen anwesenden und telefonierenden auszusprechen und dementsprechend zu handeln, das ist nur noch schräg. es handelt sich dabei um die aufgeblasene variante der rasterfahndung, bei der nur noch der ort eine rolle spielt. zwei konsequenzen ergeben sich daraus: die hoffnung, dass menschen ihre quasselboxen etwas öfter abschalten, und die handlung, sofort aufzulegen, wenn einen jemand vom handy aus anruft 😆