wissenschaftliches schreiben und lust

das ist eine kombination, die vielen unvorstellbar erscheint. heutzutage sind die funktionen des studiums ganz andere als früher. das studium dient nur zum teil der forschung und wissenschaft, es ist vor allen dingen berufsvorbereitung, also eine akademische berufsausbildung. auch wenn sich hochschulvertreterInnen immer noch dagegen wehren, so ist vor allen dingen auch durch die bachelor- und masterstudiengänge die schule in die hochschulen getragen worden.

der zeitliche spielraum für eigenständiges forschen wird immer stärker eingeschränkt. dabei ist das forschen, das finden des eigenen interesses und einer eigenen fachlichen position basierend auf wissenschaftlichen überlegungen, das spannende am studieren. hochschulen verlagern ihre tätigkeiten immer mehr in richtung wissensvermittlung, geben aber kaum anlass für lustvolles forschen, suchen und entdecken. genau dies würde aber das wissenschaftliche schreiben lustvoll werden lassen. haben sie schon einmal eigene gedanken und ideen schriftlich weitergesponnen? haben sie schon einmal einen position eingenommen, die sie mit diversen notierten thesen untermauerten?

das sind die momente, wo sich das schreiben mit dem denken verbindet und einem während des schreibens immer mehr ideen und belege und argumente in den sinn kommen. dazu gehört, keine scheu vor der eigenen meinung zu haben. gelernt zu haben, dass man auch daneben liegen darf mit eigenen gedankenkonstrukten und dass ein widerspruch zu eigenen position nicht ein angriff auf meine person bedeutet. beim wissenschaftlichen schreiben kann sich kreativität mit forschendem handeln verbinden. man denkt für sich dinge „neu“, auch wenn man später vielleicht feststellt, dass schon 10 andere forscher diesen gedanken hatten.

es hat etwas befriedigendes, schrankenlos dinge neu zu kombinieren, problemen auf den grund zu gehen und eventuell eine lösung zu finden. in diesen momenten des schreibens dürfen auch die konventionen der wissenschaftlichkeit kurz in den hintergrund treten, man kann sie später ja wieder hinzuziehen. wissenschaftliches schreiben kann in diesen momenten erst einmal etwas spielerisches bekommen. es ist, wie wenn man ein puzzle löst oder ein bild malt: vor dem inneren auge laufen verschiedene varianten und möglichkeiten ab, die dann als erfolgreich erlebt werden, wenn sie in neuer kombination plötzlich eine lösung anbieten.

letztendlich sollten so forschungsthesen entstehen, die dann weiter untersucht und belegt oder verworfen werden. leider kommt dies inzwischen viel zu selten vor, oft werden die forschungsthemen für studierende vorgegeben und sind schon in ein großes ganzes eingebettet. da erhalten hausarbeiten, referate und abschlussarbeiten den geschmack von hausaufgaben, der eigene anteil verschwindet. wenn sie dozentInnen haben, die ihnen die freiheit geben, eigene themen zu wählen, nutzen sie die chance, ihren gedanken freien lauf zu lassen. in einen diskurs über das geschriebene und gedachte können sie noch später treten. (auch hier bremst oft die benotung aller ergebnisse ihres schreibens und nachdenkens.)

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