kreatives schreiben und lust (2)

oft genug habe ich betont, wie lustvoll kreatives schreiben sein kann, darum kein wort darüber. nein, es soll um die darstellung von lust beim kreativen schreiben gehen. die gratwanderung zwischen literatur, erotischer literatur und pornografie wird gerade wieder diskutiert, nachdem das buch „haus der löcher“ von nicholson baker erschienen ist. wie also lust darstellen?

am besten lustvoll. es ist erstaunlich, dass es uns menschen leichter fällt, mord, massaker und folter schriftlich darzustellen als eine lustvolle und intime begegnung. man mag es scham nennen, was uns davon abhält, zu sehr ins detail zu gehen. aber eigentlich müssten wir diese form der scham auch gegenüber erniedrigungen und gewalttätigen situationen empfinden. tun wir aber nicht.

darum könnte eine rolle des kreativen schreibens sein, die waagschale wieder in die andere richtung zu verschieben. entweder in allen bereichen mehr scham walten zu lassen, doch dies würde nicht unseren gesellschaftlichen entwicklungen entsprechen. oder dann doch auch beim beschreiben und schreiben von lust, mehr zu wagen. wir haben die worte dafür und sie wurden zu manchen zeiten auch reichlich verwendet.

doch momentan überkommt einen das gefühl, die gesellschaft wolle, neben der verschämten nutzung von pornografie im internet, im öffentlichen leben nur noch gewalt und dramatik raum geben. in diesen momenten verschwinden die körper der einzelnen im hintergrund und spielen keine rolle mehr. sie spielen nur noch eine rolle, wenn sie für ein körperliches ideal zugerichtet werden.

vielleicht sollte man damit anfangen den eigenen körper oder den der partnerInnen detailiert zu beschreiben. nicht nach mankos suchen, sondern der natur ein wenig raum geben. dies kann man erweitern um die beschreibung der eigenen lüste. warum nicht worte für das schönste auf der welt suchen? damit kann man sich ein stück von der digitalisierung des körpers abwenden. so wie es in vielen anderen lebensbereichen versuche des „down-shifting“ oder des „low“-prinzips gibt.

der lust im kreativen schreiben raum zu geben, ist nicht ohne gesellschaftliche betrachtungen (auch in zusammenarbeit mit dem inneren zensor) denkbar. es geht nicht um eine beicht- und opferparade, die wird schon viel zu viel im rahmen der selbstoptimierung verlangt. es geht darum, die nuancen der eigenen körperlichkeit beim schreiben auszuloten. und wenn man herrn nicholson glaubt, dann verursacht allein das schreiben über die lust und den sex auch wieder lust (wie er in einem interview geäußert hat). das ist doch ein angenehmer effekt 😳

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