Tagesarchiv: 10. Februar 2012

nabelschau (60)

macht mich nicht nass! wasser wurde hier meist so lieblich dargestellt, wie wenn es kaum ein wässerchen trüben könnte. doch in erster linie macht es nass – von innen und von außen. und nass möchte man nur werden, wenn man es eingeplant hat. geht einem aber im rucksack mit unterlagen die wasserflasche auf oder gerät auf dem weg zum abendlichen date in einen regenschauer, dann hat es sich schnell mit der gutmütigkeit der menschen und des wetters.

doch noch einen schritt weiter: dieses schlichte, klare element kann häuser wegtragen, hänge zum rutschen bringen, deiche aufweichen und sich in jeder ecke stauen. da kommt es erst als kleines rinnsal aus der wand und in kurzer zeit verursacht es einen gehörigen wasserschaden. das wasser dürfte in vielen bereichen ruhig ein wenig dezenter auftreten. die schwierigkeit besteht darin, dass dies nicht nur in der hand des wassers liegt, sondern der mensch fleissig daran arbeitet, dass rinnsale zu reissenden fluten werden.

und so langsam kommen die menschen nicht mehr damit hinterher, die schäden des wassers zu reparieren, schon tauchen die nächsten auf. da klingt es zwar verlockend, wenn der meeresstrand der eigenen haustür näher rückt, aber gleichzeitig muss man beständig damit rechnen, nasse füsse zu bekommen oder gleich mit allem hab und gut weggeschwemmt zu werden. und es spielt keine rolle mehr, ob man am berg oder im tal lebt.

schon die römer versuchten das wasser für sich zu nutzen, für sich arbeiten zu lassen, aber sie machten es noch dezent. heute werden ganze landstriche überschwemmt, menschen vertrieben, es wird gestaut und versiegelt, kanalisiert und begradigt. anscheinend ist wasser so verführerisch für allmachtsfantasien, da es so klar, schlicht und tröpfelnd daherkommt. dabei können schon tropfen genügen, um den menschen zu foltern. manchmal scheint es, wie wenn in der wasserwelt das kind schon in den brunnen gefallen wäre.

die menschen finden in vielen regionen kein wasser mehr, das sie noch trinken können, in anderen ertrinken sie darin. das mittelmaß ist verloren gegangen. und was fällt den menschen ein: der vertrieb in plastflaschen, ein umkämpfter markt, um nicht krankheiten und gleichzeitig medikamentencocktails mit dem trinkwasser aufzunehmen. plötzlich erscheint einem ein sommerlicher platzregen als paradies in der wasserwelt. die natur darf mich nass machen, aber die gesellschaft sollte die finger davon lassen, da werd ich nur stinkig.

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schreibpädagogik und wasser

so wie der schreibfluss in schreibgruppen gefördert und unterstützt werden soll, so kann „wasser“ das thema von schreibgruppen in vielfältiger form werden. wie ich schon zum biografischen und kreativen schreiben aufgezeigt habe, lassen sich zum thema wasser viele schreibideen und schreibanregungen entwickeln. doch darüber hinaus kann wasser auch ganz praktisch schreibgruppen dienen.

man kann zum beispiel auf kreuzfahrten zur unterhaltung der passagiere schreibgruppen anbieten. wenn sich jemand mehrere tage oder wochen auf einem schiff aufhält, will er oft im laufe der zeit auch ein wenig abwechslung erleben. schaut man sich die kreuzfahrt-angebote an, dann ist inzwischen auf vielen schiffen für alles gesorgt. angefangen beim tanzkurz über fitness-übungen, kino, theater, bis zu vorträgen und lesungen. warum also an solch einem ort nicht auch gemeinsam schreiben. kreuzfahrten bieten viele eindrücke, die wiederum wunderbar schriftlich ausgedrückt werden können.

und wenn ich dann schon in der tourismus-branche bin, dann kann ich mir auch vorstellen, dass man zum beispiel als schreibgruppe dem flusslauf eines flusses folgt und dazu schreibt. man kann entweder auch mit einem schiff den fluss entlang fahren oder parallel zum fluss von hotel zu hotel, von sehenswürdigkeit zu sehenswürdigkeit. und bei jedem stopp werden kleine schreibübungen eingeflochten.

doch manchmal genügt auch auf anderem wege ein abstecher zum wasser. da fallen mir freibad-geschichten mit schreibgruppen ein, oder eine tour entlang der Weiterlesen