biografisches schreiben und nähe

nähe ist etwas sehr schönes und kann etwas sehr gruseliges werden. vor allen dingen emotionale und körperliche übergriffe haben etwas mit nähe zu tun. da wir inzwischen in einer gesellschaft leben, in der viele grenzen (der privatheit, der körperlichkeit, des berufs, der kommunikation …) überschritten werden, wird das erzeugen von nähe oder von distanz eher schwerer als leichter.

auch in unseren zwischenmenschlichen kontakten im laufe unseres lebens geht es immer wieder um nähe und distanz. angefangen bei den wünschen, einzelnen menschen näher kommen zu wollen bis zu der frage, wie nahe dürfen einem andere kommen. hier kann man zum beispiel auf einem großen blatt, sich selber in die mitte zeichnen und dann eintragen, welche menschen, die man kennt, in welcher distanz zu einem selber stehen. dies kann man für den aktuellen zeitpunkt machen, aber auch für vergangene zeiten.

wie sah es zum beispiel in der jugendzeit aus, oder beim berufseinstieg? zusätzlich kann man zum beispiel noch markieren, welche menschen man gern in seiner nähe hatte und welche weniger, welche hätten gern näherkommen dürfen und welche sollten noch weiter weg sein. dabei können erinnerungen an die schönsten nähe-erlebnisse mit einem anderen menschen auftauchen, ebenso wie übergriffige situationen, die man im laufe seines lebens erlebt hat. bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte geht es ja immer wieder um die frage, in welchem sozialen umfeld man sich wie bewegt hat. und vor allen dingen, wie angenehm dies für einen selber war.

und dann gibt es noch die möglichkeit, einen blick darauf zu werfen, wie man sich selber anderen menschen annäherte. jede/r kennt die hilflosen versuche, zu jemandem wirklich kontakt aufzubauen, aber ebenso kennt man die geglückten momente, in denen von anfang an klar war, dass man sich gegenseitig kennenlernen möchte. auch hier kann man einen genaueren blick darauf werfen. mit wem ließ sich die nähe aufrecht erhalten? welche menschen hat man aus den augen verloren? wo gab es brüche, die schlagartig zu einer distanzierung führten? oder, wahrscheinlich die faszinierendsten momente, wen kannte man schon lang und lernte sich erst jahre später richtig kennen und näherte sich an?

das biografische schreiben lebt vor allen dingen von den nähe-distanz-begebenheiten, da sie mit beinahe allem gekoppelt sind, was unser leben ausmacht. es sind häufig die emotionalsten momente unseres lebens. darum sollte man sich für deren betrachtung genug zeit lassen und nur das veröffentlichen, das einem nicht zu nahe geht. denn bei diesen themen sind wir menschen am verletzlichsten.

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