schreibberatung und nähe

wie in allen beratungssettings kann zwischen beraterInnen und ratsuchenden eine persönliche nähe entstehen. diese macht teilweise beratung erst möglich, also kombiniert das einfühlungsvermögen der beraterInnen mit dem vertrauensvorschuss durch die klientInnen und löst einen effekt, eine veränderung aus. auf der anderen seite verschwimmen manchmal vor allen dingen für ratsuchende, aber auch für beraterInnen die grenzen zwischen profession und privatem.

bei der schreibberatung kann dies zum beispiel durch die entstandenen oder mitgebrachten texte geschehen. oder es ist die große erleichterung, die sich bei ratsuchenden einstellt, wenn sie bemerken, dass ihre schreibprobleme und schreibkrisen überwunden werden können. in diesen momenten sind die beraterInnen gefragt, die distanz zu wahren. einer der besten schutzmechanismen ist die supervision, die selbstreflexion über beratungen mit hilfe eines anderen menschen. denn die verschränkung von preisgegebenen texten, unterstützung bei problemen und empathie kann manchmal in emotionale verstrickungen führen, die man selber gar nicht sieht.

so schmeichelt den beratenden die dankbarkeit der klientInnen und gleichzeitig entsteht manchmal eine form von bewunderung durch die ratsuchenden dem ratgebenden gegenüber. die klientInnen verlieren aus den augen, dass es sich um eine erlernte profession handelt, mit der sie konfrontiert sind, und nicht um einen menschen, der alle lebenslagen im griff hat. auch schreibberaterInnen können eigene probleme mit dem schreiben haben, können an persönlichen schwierigkeiten knappsen. und doch machen sie eine gute arbeit.

dies klappt immer dann gut, wenn bei beratungen auch eine distanz zur eigenen person eingenommen wird. man konzentriert sich auf die fragestellungen anderer und stellt die eigenen bedürfnisse für diesen zeitraum beiseite. natürlich kommt es so oder so zu zwischenmenschlichen interaktionen. und es wäre gelogen, wenn man nicht manche klientInnen sympathischer findet als andere. auch beraterInnen sind subjekte mit emotionen, die man nie vollständig abschalten kann (dessen sollte man sich auch bewusst sein). aber ich kann mich zu meinen gefühlen verhalten, kann sie während der schreibberatung ausmachen und in den hintergrund stellen.

ebenso kann ich zu nahe kommende reaktionen der klientInnen ansprechen und dadurch eine distanz schaffen. hier sollte direkt angesprochen werden, was man in diesen momenten wahrnimmt und darum bitten, eine gewisse distanz zu wahren. die gefahr das gegenüber zu verletzen ist geringer, wie wenn man annäherungen geschehen lässt und später tiefere emotionale verletzungen zufügen muss.

auf einem ganz anderen blatt stehen begegnungen von zwei menschen, wenn schreibberatungen abgeschlossen sind, wenn keine abhängigkeitsverhältnisse mehr bestehen und wenn es nicht darum geht, die vorherige bewunderung aufrecht zu halten. wie schon geschrieben, da begegnen sich einfach zwei subjekte mit ihren jeweiligen bedürfnissen.

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