wissenschaftliches schreiben und nähe

nun, man kann darüber nachdenken, wie zwischen wissenschaftlerInnen nähe entsteht oder wie wissenschaftlerInnen während des schreibens einer abschlussarbeit andere wissenschaftlerInnen zum beispiel in bibliotheken oder auf vorträgen kennenlernen. doch dies hat nicht viel mit dem wissenschaftlichen schreiben zu tun, sondern mit den zwischenmenschlichen interaktionen, die in allen sozialen zusammenhängen auftauchen können. mit scheint es wichtiger, einmal darauf zu schauen, welche bindungen bei wissenschaftlerInnen zu ihren forschungsfragen und in der folge zu ihren texten entstehen können.

sicherlich bauen sich in bezug auf hausarbeiten und referate nicht die gleichen bindungen auf wie bei größeren abschlussarbeiten. doch es geht immer wieder im zusammenhang mit wissenschaftlichen texten, um bewertungen von außen. beschäftigt sich zum beispiel jemand in seinem referat mit themen, die ihn selber berühren, die er sehr interessant findet und die ihm existentiell scheinen (das kommt teilweise auch auf das fachgebiet an), so wird kritik schnell als kritik an der person, am eigenen charakter verstanden. verstärkt wird dieses gefühl oft noch durch benotungen, die inzwischen bei fast allen studienleistungen vorgenommen werden, da diese prüfungsleistungen sind.

bei abschlussarbeiten wiegt für viele kritik noch schwerer. hier bekommt die note und bewertung teilweise eine noch existentiellere bedeutung. bei freier themenwahl bei master- oder doktorarbeiten wurde mit großer wahrscheinlichkeit ein forschungsthema ausgewählt, das man selber spannend und interessant findet. es besteht über einen längeren zeitraum eine emotionale nähe zum geschriebenen. zählt man noch die ganzen zweifel und anstrengungen hinzu, dann ist für viele die schriftliche arbeit ihr erstes wirklich großes geschriebenes werk. und das wird nun öffentlich gemacht, unterliegt einer bewertung und beurteilung durch andere. hier können gefühle von ohnmacht und hilflosigkeit aufkommen.

doch schon im vorfeld fällt es vielen schwer, ihre abschlussarbeit überhaupt loszulassen. so manche wissenschaftliche schreibende zögern die abgabe ihrer arbeit hinaus, da sie sich von ihr nicht trennen können. dafür gibt es sehr verschiedene gründe. es kann eine rolle spielen, dass man das werk immer noch für unvollständig hält. es kann sein, dass angst vor der bewertung herrscht. es kann aber auch ebenso sein, dass man die arbeit irgendwann vor fremden einflüssen schützen möchte und es für rundum gelungen hält.

so psychologisierend das jetzt klingen mag, aber manchmal ist die haltung „nach der abgabe die sintflut“ entspannender und befreiender. manchen wissenschaftlich schreibenden hilft es, eine „abschiedszeremonie“ nach oder vor abgabe des textes durchzuführen. man kann sich etwas schöne kaufen (schenken) oder mit andern menschen die abgabe feiern. man kann sich schlagartig anderer literatur oder genüssen hingeben, um die gedanken zum wissenschaftlichen forschen für eine gewisse zeit zu vergessen. oder man kann in urlaub fahren. denn plötzlich sind tagesabläufe, gedanken und emotionen nicht mehr auf ein großes thema konzentriert. manch einer hat in diesem moment das gefühl, in ein schwarzes loch zu fallen. es gibt plötzlich nichts mehr zu tun. waren die monate oder jahre vorher doch meist vom im hintergrund sitzenden gedanken, weiterschreiben zu müssen, bestimmt.

also ist die nähe zum forschungsstand plötzlich aufzulösen und die gefühle unterscheiden sich oft nicht groß von anderen trennungen, die man bis dahin erlebt hat. darum sollte man auch ähnlich damit umgehen.

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