Tagesarchiv: 25. Februar 2012

schreibidee (346)

sigmund freud hatte für die menschliche psyche so eine anschauliche zwiebelschalen-vorstellung. mittig befand sich ein kern und im laufe von therapien, selbstreflexion oder ähnlichem wurde zu diesem beständig vorgedrungen. oder schauen wir und die erde an, mit ihren gesteinsschichten. auch hier befindet sich mittig ein (heisser) kern. darum entweder zum kern der dinge vordringen oder drumherum aufschichten bei der schreibanregung zu „ge-schichten-schichten“.

die schreibgruppe wird zu beginn aufgefordert in drei sätzen eine geschichte zu erzählen. also eine verknappte story, eine kurze handlung und nicht mehr. nun werden am rand und zwischen die drei sätze, jeweils ein weiterer satz geschrieben – also vier sätze hinzugefügt (am besten lässt sich die übung am computer durchführen). dies wird wiederholt (nun ist man schon bei insgesamt 15 sätzen). man kann diese vorgehensweise so oft wie man möchte wiederholen. im laufe der zeit schichtet sich eine umfassende geschichte aus dazwischen-dazwischen-…-geschobenen sätzen. zum abschluss werden die geschichten vorgetragen.

im anschluss versucht man eine andere geschichten-schichtung. als erstes wird eine ungefähr halbseitige geschichte geschrieben, zu der kein inhalt vorgegeben wird. anschließend wird vor die geschichte wiederum eine halbe seite text gestellt, dies wird noch dreimal wiederholt. es sollte möglichst versucht werden, sich immer nur auf die jeweilige aufgabe zu konzentrieren, also nicht gleich die nächsten schritte mitzudenken. durchbrochen kann dies dadurch werden, dass zwei texte geschrieben werden und jeweils, ohne es vorher zu wissen, entweder eine halbseitige schicht am ende oder am anfang hinzugefügt wird. die vorgaben, welcher abschnitt geschrieben werden soll, werden spontan von der schreibgruppenleitung festgelegt.

dies ist eine recht zeitaufwendige schreibübung, doch sie bietet die möglichkeit, ganz unberechenbare geschichten entstehen zu lassen. man kann sogar so weit gehen, einen halbseitigen abschnitt zwischen zwei andere halbseitige texte einfügen zu lassen. dies kann zum beispiel mit hilfe von karteikarten im din-a-5-format geschehen, die dann zusammengefügt werden. wenn genug zeit vorhanden ist, dann können auch in einer runde halbseitige schicht von anderen schreibgruppenteilnehmerInnen eingefügt werden.

zum abschluss werden die entstandenen längeren geschichten vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt.

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nabelschau (62)

schutz, der kein schutz ist. oder – wer kennt sich überhaupt aus? je mehr meldungen es über die diskussionen um acta, um die datensammlungen bei sozialen netzwerken, um urteile des bundesverfassungsgerichts oder um das verhalten deutscher behörden im netz geht, um so stärker kommt das gefühl auf, dass ein großteil der politischen entscheidungsträger keinen blassen schimmer davon hat, um was es überhaupt geht.

da werden ausschusssitzungen in dokumentationen über facebook gezeigt, die schon bei den fragestellungen der ausschussmitglieder erahnen lassen, dass man sich nicht auskennt. das ist nicht weiter schlimm, es kommt bei anderen themen auch vor und es ist menschlich. man kann nicht zu allem alles wissen. wenn man dann wenigstens an den entscheidenden stellen kompetente menschen mit entsprechenden befugnissen sitzen hat.

aber offizielle datenschützerInnen sind orchideenposten wie die frauenbeauftragen oder die drogenbeauftragten. da wird eine gesellschaftliche problematik ausgegliedert, um ein feigenblatt vorweisen zu können, wenn es kritisch wird. es können jedoch keine entscheidungen getroffen werden. den rest lässt man irgendwie laufen. gut, irgendwann greift man teilweise die bedenken der expertInnen auf, entscheidet halbherzig etwas und lässt es dann weiterlaufen. die folge: nun rennen alle dem davongelaufenen hinterher.

die technik, die handhabung der technik und die missbräuchliche anwendung der technik sind so weit vorangeschritten, dass zwar immer mal jemand an der reissleine zieht, aber der fallschirm nicht aufgehen will. gerade hat das bundesverfassungsgericht wieder darauf hingewiesen, dass im netz, web, internet praktiken herrschen, die mit den grundrechten nicht vereinbar sind. ist das nicht mal jemandem vorher aufgefallen? man hat den eindruck – irgendwie schon, aber man hat es erst einmal laufen lassen.

da erwarten institutionen und entscheidungsträgerInnen von der bevölkerung angemessenes verhalten in der digitalen welt und überschreiten selber eine grenze nach der anderen. es ist auf allen ebenen kein (daten)schutz und keine privatheit mehr gewährleistet. wen wundert es dann, dass von allen alle möglichkeiten Weiterlesen