Tagesarchiv: 27. Februar 2012

schreibidee (350)

die deutschen haben einen seltsamen begriff, der schwer zu erklären ist und stark politisch besetzt ist: die „heimat“. heimat kann überall sein, wird aber meist sehr eng gedacht, also auf den eigenen ort, den eigenen kiez, das eine haus, die eine wohnung bezogen. ist die heimat einmal benannt, dann beginnt das spiel „meine heimat – deine heimat“. ganz selbstverständlich ist die eigene heimat die beste und die fremde nur bedrohlich. es wird zeit, diese vorstellungen zu untergraben, mit der schreibanregung zu „heimat-jedichten“.

dafür sind erst einmal heimatbegriffe zu suchen: die schreibgruppenteilnehmerInnen notieren sehenswürdigkeiten, wichtige gebäude oder institutionen aus ihrer heimat (was sie dafür halten, bleibt ihnen überlassen). nun suchen sie nach worten, die sich auf ihre sehenswürdigkeiten reimen, also zum beispiel „eiffelturm“ und „zweifelwurm“. im anschluss werden zwei vierzeiler in der form „abab aabb“ geschrieben.

doch nicht genug damit: am besten klingen die gedichte in der heimatsprache (also in der landessprache oder im ortsüblichen dialekt). dazu werden die gedichte noch einmal überarbeitet. im anschluss werden die hochdeutsche und die sprachlich veränderte version vorgetragen. es findet keine feedbackrunde statt.

im vorfeld des treffens wurde die schreibgruppe aufgefordert, texte über ihre heimat mtizubringen. dies sollten möglichst touristenführer oder ähnliches sein. man kann auch den lexikoneintrag zum wohnort, oder die fremdenverkehrsbotschaft aus dem internet ausgedruckt mitbringen. einen dieser texte (nicht länger als eine seite) wählen die teilnehmerInnen nun aus. dieser text soll stück für stück verdichtet werden. als erstes wird er auf einen zehnzeiligen abschnitt verdichtet, dann auf maximal zwölf verse (dies sich nicht reimen müssen) und zum schluss auf vier zeilen.

zum abschluss wird der heimattext weitergegeben an andere schreibgruppenteilnehmerInnen. diese verdichten die fremde heimat ebenso, wie oben beschrieben. und auch dieses „heimatjedicht“ sollte noch einmal in die ortsübliche sprache, in den ortsüblichen dialekt übertragen werden. dann werden der heimattext, die erste verdichtung, die zweite verdichtung und die dialektversion vorgetragen. anschließend findet eine feedbackrunde statt. darin kann auch die vorstellung von heimat diskutiert und der wettbewerb, welches der schönere dialekt, die schönere sprache gestartet werden.

sollte noch ein wenig zeit übrig sein, könnten die teilnehmerInnen im vorfeld mitgebrachte heimatgedichte von anderen schriftstellerInnen vortragen und damit den heimatabend beenden 😉

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schreibidee (349)

die gesellschaft splittet sich in ihren lebenskonzepten immer weiter auf. doch bricht man die ganzen nischen und communities runter auf ihre grundeinstellung, landet man meist bei zwei varianten: die häusliche und die karrieristische. oder, um es in andere worte zu fassen, dies ist eine schreibanregung zum thema „nerd vs. herd“.

es geht darum, charaktere zu entwickeln und aus ihnen eine geschichte entstehen zu lassen. also sind alle schreibgruppenteilnehmerInnen dazu aufgefordert, vier charaktere zu entwerfen. einen weiblichen und einen männlichen nerd, einen weiblichen und einen männlichen häuslichen typ. dazu wird eine art steckbrief mit einer etwas ausführlicheren charakterbeschreibung erstellt. dieses jeweils vier typen von allen teilnehmerInnen werden an eine (stell)wand gepinnt. dann schaut sich die ganze schreibgruppe in ruhe die beschreibungen an.

alle teilnehmerInnen wählen sich insgesamt drei personen aus dem pool der nerd- und herd-charaktere aus. sollten einzelne doppelt ausgewählt werden, wird der steckbrief schnell kopiert. anschließend schreiben alle einen trialog. vorgabe ist, die drei treffen sich auf einer party und kommen ins gespräch. über was unterhalten sie sich? wie reden sie miteinander? was haben sie sich zu sagen. die trialoge werden nicht vorgelesen, sie dienen nur dazu, sich mit den charakteren selber etwas vertraut zu machen. nun können bei bedarf die beschreibungen und steckbriefe noch ein wenig erweitert und verfeinert werden.

danach wird eine längere geschichte geschrieben, in der die drei personen eine wichtige rolle spielen. und es soll die lebenseinstellung der drei in der geschichte durchschimmern. dazu dürfen auch die handelsüblichen klischees verwendet werden. es geht darum, einen abklatsch der aktuellen zwei lager in die geschichte einzubinden. im anschluss werden die geschichten vorgelesen und es findet eine feedbackrunde statt. beim feedback kann unter anderem der wiedererkennungswert der protagonistInnen diskutiert werden. kennt man solche menschen? passen sie in die heutige zeit?

zum abschluss wird noch ein charakter entworfen: die zwischenform zwischen „nerd“ und „herd“. dieser charakter wird mit seinem steckbrief in der schreibgruppe vorgestellt.

alle angebote der „schreibboutique christof zirkel“ im märz 2012

Schreibberatung für AkademikerInnen oder andere Menschen in Schreibkrisen: siehe unter http://schreibboutique.de/schreibberatung/ oder per Mail beratung@schreibboutique.de

Termine nach Vereinbarung
Telefonsprechzeiten: Dienstag 11.00 Uhr bis 13.00 Uhr; Donnerstag 16.30 Uhr bis 17.30 Uhr. Weitere Informationen siehe unter http://schreibboutique.de/informationen/

Schreibgruppe: „Ich bin schwul und noch viel mehr …“ – Biografisches Schreiben für schwule Männer ab 40
Ab 15.03.2012. Weitere Informationen siehe unter http://schreibboutique.de/biografisches-schreiben/ oder per Mail biografie@schreibboutique.de

Schreibgruppe: Kreatives Schreiben und Uncreative Writing – Ein Hoch auf den Remix
Ab 17.03.2012. Weitere Informationen siehe unter http://schreibboutique.de/kreatives-schreiben/ oder per Mail kreativ@schreibboutique.de

Seminar: Ein Einstieg in das Wissenschaftliche Schreiben
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