wortklauberei (98)

„einschaltquote“

die einschaltquote meiner kaffeemaschine liegt relativ hoch bei mindestens zwei mal am tag. bei manchen menschen wird die kaffeemaschine nie ausgeschaltet im laufe eines tages. statistisch betrachtet zählt das öftere an- und ausschalten eventuell mehr als das einmalige anschalten. aber es könnte sein, dass die zeitdauer der stromversorgung erfasst wird und somit in die statistik die nutzungsdauer mit eingeht. nun habe ich damit aber immer noch nicht erfasst, wer mehr kaffee trinkt.

ungefähr genauso unausgegoren scheinen einem die einschaltquoten des fernsehens. gut, der perfekte statistiker, versucht möglichst viele informationen vom zuschauer zu erhalten (so zum beispiel die minütliche erfassung des ein- und ausschaltverhaltens). dann gibt es noch befragungen, previews und testgruppen, nur um sehen, funktioniert ein programm, eine sendung oder nicht. denn danach können dann rankings der beliebtheit und der kaufkraft ermittelt werden.

der begriff „einschaltquote“ soll das zuschauerverhalten in prozenten abbilden. aber wie das mit quoten so ist (siehe „die frauenquote“) kann mit der zahl keine qualitative aussage getroffen werden. der beginn des irakkriegs hatte weltweit eine hohe einschaltquote, ebenso der tsunami in japan, aber gleichzeitig hatten beide eine tragische komponente. das wort einschaltquote erscheint plötzlich ebenso bedeutungslos oder aussage-un-kräftig wie anwesenheitslisten in lehrveranstaltungen.

was auch der beste sozialpsychologe experimentell nicht erfassen kann, ist die tagesform der zuschauerInnen. nehmen sie überhaupt wahr, was da über den bildschirm flimmert. da wird zum beispiel immer die bedeutung der jungen kaufkräftigen generation für die werbeeinnahmen ins feld geführt. zynisch formuliert, leidet diese generation vor allen dingen unter aufmerksamkeitsdefiziten. ob die die werbung noch wahrnehmen? vielleicht brüllen einen deswegen die werbetrailer so an, um das defizit zu kompensieren 😉 .

auch nicht erfasst wird die qualität des alternativprogramms. heutzutage werden wir zur entspannungszeit des abends gequält mit miesem programm und wählen wahrscheinlich zwischen den kleineren übeln. doch das fragt niemand ab, wenn zwischen den casting-shows geswitcht wird. die tollen filme und dokumentationen, die wahrscheinlich mehr menschen interessieren würden, werden in die nacht verbannt. der kaufunlustige intellektuelle nachtmensch ist dann unterwegs. aber selbst dem fallen bei nicht vorherrschendem aufmerksamkeitsdefizit irgendwann in der nacht die augen zu. die einschaltquote wird höher sein, als die vielen sofaschläfer vermuten ließen.

ich will ab sofort die ausschalt- oder einschlafquote mitgeteilt bekommen!

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