biografisches schreiben und bewusstes

wir menschen haben zum selbstschutz einen wunderbaren mechanismus: das verdrängen. in vielen lebensbereichen ist dies für uns sehr hilfreich. doch manchmal verdrängen wir lang etwas und es will doch immer wieder an die oberfläche, in unser bewusstsein rücken. die anstrengung, es weiter zu verdrängen wächst stetig an und kann irgendwann eventuell nicht mehr geleistet werden. dann kommt bei uns etwas hoch, das wir eigentlich nicht sehen oder fühlen wollten.

solche situationen kennt jeder mensch. mal sind es größere packen, die wir verdrängt haben, mal kleinere begebenheiten oder emotionen. wenn wir versuchen selbst-bewusster zu werden, dann machen wir uns an die arbeitet, verschüttete erinnerungen und verdrängtes ans tageslicht zu bringen. gerade das biografische schreiben ist eine gute technik, um sich seine eigene lebenssituation aber auch verdrängtes bewusst zu machen.

um verdrängtes aufgreifen zu können, muss der richtige zeitpunkt kommen. man kann sich etwas nicht unter zwang bewusst machen. der richtige zeitpunkt hängt, wie schon oben ein wenig beschrieben, mit entwicklungen in unserem leben und mit unserer person zusammen. ich möchte noch einmal betonen – auch beim biografischen schreiben kann verdrängung ein nützliches mittel sein. es geht nie um die radikale selbstentblössung bis auf die knochen, auch nicht vor sich selber.

doch man kann natürlich durch assoziationstechniken, dem automatischen schreiben und der verbindung von meditation und schreiben sich auf die spur kommen. dies muss nicht immer negativ sein. man kann positve ereignisse ebenso verdrängen, wenn die persönliche umwelt dem erlebten feindlich gegenüber steht. dann werden impulse für ein anderes handeln oder anderes leben unterdrückt. das biografische schreiben kann in solchen zusammenhängen einem kleinen befreiungsschlag gleichkommen. man traut sich seit langem das erste mal, wenn auch nur schriftlich, seine sehnsucht oder seine wünsche zu kommunizieren.

ob danach weitere schritte folgen, die den befreiungsschlag fortführen, ist jedem überlassen. hier sollte man sich die zeit nehmen, um in ruhe eine entscheidung zu treffen. denn nicht jeder spontane wunsch, dem man folgt, entpuppt sich später als paradiesische entwicklung.

sich beim biografischen schreiben zu erinnern, fördert den bewussten umgang mit sich selber. manches unbewusste offenbart sich plötzlich und macht einige erlebnisse verständlicher, klarer. warum nicht genauer hinschauen? und wenn das bewusstmachen weiterhin zu bedrohlich erscheint, kann man sich zumindest schriftlich unterstützung geben, den selbstschutz aufrecht zu erhalten. und fängt man einmal an, das vergangene vor sich auszubreiten, geht man anschließend oft bewusster durch die welt. man achtet auf mehr. na dann, ran an die tiefen und schichten.

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