kreatives schreiben und bewusstes

es passt wunderbar, dass ich mir dieses thema für heute vorgenommen hatte. da befand ich mich die letzten tage unter schreibenden mit viel kreativem potential und wir entwickelten schreibideen, probierten sie selber aus. irgendwann im laufe der zeit entspann sich eine diskussion darüber, wie weit die teilnehmenden der arbeitsgruppe persönliches in ihre texte einfließen ließen. oder anders formuliert: inwieweit unsere unbewussten ängste in texten widergespiegelt werden.

teil wurde psychologisierend diskutiert und sich andererseits dagegen gewehrt. darum vorab ein bemerkung: ich kann mich bewusst zum kreativen schreiben verhalten. dies bedeutet, ich treffe selbst die entscheidung, wie weit ich gehen möchte, was ich veröffentlichen möchte und wem ich was veröffentlichen möchte. ich kann mich darum auch strategisch verhalten: eventuell schreibe ich nur über die dinge, von denen ich glaube, dass sie die anderen interessieren. oder ich lasse sehr persönliche aus, stelle es den anderen nicht zur verfügung, da es mich zu sehr beschäftigt. vielleicht versuche ich auch nur einen lustigen text entstehen zu lassen.

natürlich fließt bei jedem schreibprozess persönliches ein. texte entstehen aus meinen erfahrungen heraus. ich kann nicht abgekoppelt von mir schreiben. allein meine wortwahl, meine ideen-generierung oder auch meine vorlieben beim schreiben haben mit mir zu tun. selbst wenn ich dem zufall viel raum gebe, so ist allein die entscheidung für den zufall eine persönliche.

ebenso kann es bei jedem schreibprozess sein, dass unbewusstes einfließt. ich wäre ein übermensch, wenn ich bei jedem schritt, bei jeder handlung, genau wüsste, worauf diese basieren. mein kopf ist ein heiterer gesell, der nicht in der eindeutigkeit agiert, wie es mir manchmal forscherInnen weiß machen wollen. unsere träume zeigen uns sehr klar, dass wir vieles abgespeichert haben, an das wir uns bewusst gar nicht mehr erinnern.

schwierig wird es ab dem moment, ab dem jemand von außen die bedeutung des unbewussten erklären möchte. die traumdeutungen von freud oder auch anderen psychologInnen (und ähnlichen) nehmen meiner ansicht nach verallgemeinerungen vor, die nicht berechtigt sind. natürlich kann ich jemandem die erlaubnis geben, sich meinem unbewussten anzunähern, doch dies sollte ausschließlich durch nachfragen geschehen. nach dem motto: „kann es sein, dass …?“ lässt mir die freiheit, bewusstes und eventuelle unbewusstes aufzuschlüsseln, miteinander zu verbinden und zu neuen erkenntnissen zu kommen.

so bleibt es immer problematisch, wenn ich literaturkritiken sehr bestimmt erklärt wird, was die autorInnen uns mit ihren texten sagen wollten. vor allen dingen dann, wenn die schriftstellerInnen nicht mehr gefragt werden können, da sie längst verstorben sind. sicherlich kann man anhaltspunkte aufgrund anderer persönlicher zeugnisse zusammentragen. doch in erster linie sollte man sich auf den präsentierten text beziehen, der bewusst veröffentlicht wurde. und dann scheint es mir interessanter, was der text mit mir macht und nicht, was ich glaube, was der text mit mir aus der sicht des autoren machen sollte. hier begebe ich mich auf eine höchst spekulative ebene, die eigentlich immer 50 zu 50 prozent richtig sein kann.

darum liegt für mich beim kreativen schreiben der schwerpunkt in dem text, mit dem jemand nach außen tritt. und wie geschrieben, es kann auch nur strategisch sein. das tut dem text keinen abbruch, wenn er mir gefällt.

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