schreibidee (352)

werbung und digitalfetischisten wollen uns glauben lassen, dass die digitale kommunikation und arbeit die lösung all unserer schwierigkeiten und probleme darstellen. ja, dass gar wie von zauberhand unser leben, unsere gesellschaft besser und bereichert werden. sie suggerieren uns mehr kontrolle und authentizität. es klingt wie im märchen. darum dieses mal eine schreibanregung zu „digitalen märchen“.

welche digitalen märchen kennen sie? dies ist die einstiegsfrage, die in der schreibgruppe gestellt werden kann. alle teilnehmerInnen erstellen eine liste, in der sie auflisten, welche dinge zum digitalen leben vermittelt wurden, jedoch der erwartete effekt stellte sich nicht ein. ein klassiker ist zum beispiel die aussage, dass die digitalisierung zeit spare. viele menschen haben das gegenteilige gefühl. und die entlarvung der märchen, dadurch, dass sie geschrieben werden, wird eventuell einen bewussteren umgang mit den digitalen werkzeugen ermöglichen.

zu dieser liste notieren sich die teilnehmerInnen ein paar stichworte, weshalb die propagierten aussagen für sie märchen sind. hier können persönliche erfahrungen oder erfahrungen von anderen einfließen. anschließend werden die märchen am flipchart gesammelt, es wird sich kurz darüber ausgetauscht und alle schreibgruppenteilnehmerInnen wählen einen aspekt für sich aus.

um ein märchen zu einem märchen werden zu lassen, sollten bestimmte kriterien auftauche. neben dem „es war einmal …“ braucht es ein paar fabelhafte wesen oder ereignisse (feen, zauberei, …) und es bedarf einer moral der geschicht, die sie glücklich bis an ihr lebensende leben lässt. darum wird als erstes ein klassisches märchen herangezogen, dass umgeschrieben wird. was nicht passt, wird passend gemacht, alle orientieren sich an einer geschichte. „schneewittchen“, „rumpelstilzchen“ oder „tischchen, deck dich“ passen da ganz hervorragend.

die märchen werden in der schreibgruppe vorgelesen und als kopie verteilt, um sie umzuschreiben. dann wird das märchen von allen „digitalisiert“, natürlich können dabei neue protagonistInnen erfunden werden und die moral der geschicht auch abweichen. die märchen werden in der schreibgruppe vorgestellt, es findet keine feedbackrunde statt. im anschluss wählen die teilnehmerInnen entweder ein neues märchen der digitalen welt aus oder sie bleiben bei ihrer vorherigen grundidee.

zum abschluss wird ein ausführliches, längeres märchen geschrieben, dass an keine vorgaben gebunden ist. es können auch mehrere digitale versprechungen in dem märchen eine rolle spielen. da ist zum beispiel die firewall, hinter der dornröschen schläft (als trojanerin), um zu warten bis ihr prinz (ein kleines aktivierungsprogramm) die hecke durchdringt und es wachküsst. die moral von der geschicht, traue prinzessinnen nicht. es findet nach dem vortrag der märchen eine ausführliche feedbackrunde statt. in ihr wird vor allen dingen betrachtet, wie märchenhaft die geschichten wirken.

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