biografisches schreiben und bürokratie

es gibt und gab regelungen in unserer gesellschaft, die menschen handlungsunfähig machten und machen. ein lied davon können asylbewerberInnen (allein das wort ist eine zumutung) singen. hier war die bürokratie die beste möglichkeit, zuwanderung zu verhindern. ein klassiker dabei war zum beispiel, dass für mitbürger aus anderen ländern eine aufenthaltsberechtigung ausgestellt wurde, wenn sie arbeit nachweisen konnten. sie bekamen aber meist arbeit nur, wenn sie eine aufenthaltsberechtigung nachweisen konnten. wo anfangen. vielleicht kennen sie ähnliche situationen.

in der eigenen lebensgeschichte kann die bürokratie eine große rolle spielen. es kann einem widerfahren sein, dass der eigene lebensweg durch gesellschaftliche regeln und ausführungen verstellt wurde. es beginnt eigentlich mit der einschulung. das bildungssystem hat nur wenig mit wirklichen kompetenzen zu tun, es hat mit wissensverwaltung zu tun. was haben sie in diesem zusammenhang erlebt? wie ging es weiter in lehre, studium und dann beruf? wie weit konnten sie wirklich das machen, das sie interessierte?

es ist ganz logisch, dass sich große soziale netze regeln geben müssen, um miteinander auszukommen und möglichst viele zu berücksichtigen. doch diese regeln müssten regelmäßig überprüft werden, um sie langfristig menschlicher zu gestalten. wie sind sie mit den regeln klar gekommen? welche regeln erlebten sie in ihrem leben überflüssig, nervend und inhuman? in welchen situationen war ihre ohnmacht am größten. oder für den perspektivwechsel die frage: wann fühlten sie sich frei? beim biografischen schreiben sollte die verwaltung unseres eigenen lebens ruhig auch einmal betrachtet werden, denn meist wird der einfluss auf unsere entwicklung unterschätzt.

der widerstreit zwischen subjektiven bedürfnissen und den bedürfnissen der gesellschaft an einen wird selten offen ausgetragen, er findet nur noch mit stellvertreterInnen statt. und die stellvertreterInnen verwalten die finanzielle absicherung im auftrag der gesellschaft. doch wie gut können wir unsere vorstellungen von ausgleich, gerechtigkeit und fairness in die „gesellschaftlichen interessen“ einbringen? beim biografischen schreiben lohnt ein blick auf die eigene interessensvertretung. wo hat man sich mit anderen zusammengeschlossen oder für sich mit widrigkeiten auseinandergesetzt? wie viel energie hat das gekostet? und auch hier wieder die frage: wie weit konnte man ein leben nach den eigenen bedürfnissen führen, wo geriet man an grenzen.

noch interessanter: wie hat man die grenzen erlebt? wo konnte man sie nachvollziehen und wo erschienen sie einem nur noch absurd? letztendlich stellt sich bei der eigenen biografie die frage: wie fremdbestimmt erlebte man sein eigenes leben? wie hat man diese bestimmung erlebt? gab es oder gibt es konsequenzen, die man daraus ziehen möchte? vielleicht ergeben sich durch das schreiben neue perspektiven, die man weiter verfolgen möchte. es kann aber auch sein, dass man sich aufgehoben und geschützt fühlt und keinen bedarf nach veränderung verspürt. die bewertung kann man nur selber formulieren. das biografische schreiben ist dabei ein sehr hilfreiches werkzeug.

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