kreatives schreiben und störung

kreatives schreiben ist ohne störungen nicht vorstellbar. im kreativen schreiben steckt die störung als fester bestandteil. denn man verlässt die vorgezeichneten, vernünftigen und strengen bahnen des denkens. man bringt den mut oder die verzweiflung auf, etwas neues zu kombinieren, verbindungen zwischen bestandteilen oder gedanken herzustellen, die ungewöhnlich sind, die gestört wirken.

kreativität ist nichts anderes, als stetig das herrschende system, das vorhandene zu stören, zu verstören und dadurch neues entstehen zu lassen. vorstellbarer kann man dies an moderner kunst ablesen oder an experimenteller literatur. aber dies sind nur die extremen auswüchse eines und desselben vorgangs: dem bisherigen, neues hinzuzufügen. und „neues“ bedeutet immer, dass altes neu ausgerichtet wird. es werden vergleiche hergestellt, das neue wird eingeordnet und das neue reibt sich am alten oder das alte am neuen.

und doch ist die zurückhaltung groß, das kreative schreiben zu einer wirklichen störung werden zu lassen. oft kommt das kreative schreiben sehr leise daher, verhalten, etwas untergründig und persönlich. die kraft der sprache wird meist unterschätzt. gern entstehen dabei heitere texte, deren wutknospen nur in den nebensätzen zu finden sind. es entstehen texte, die versuchen, keine störung zu sein. sie sollen sich anpassen, reinpassen und aufpassen auf den kanon des schreibens, der literatur, der gesellschaft.

dabei ist kreatives schreiben schon längst eine störung und ein ausdruck des querdenkens. aber man zelebriert das querdenken zu wenig, zu vorsichtig. kreatives schreiben ist eine einladung, sich mit den eigenen texten außerhalb des bisher geschriebenen und gedachten zu platzieren. wie heisst das ätzende modewort? nachhaltig! kreatives schreiben kann nachhaltig verstören. das heisst noch nicht, dass es auch gelesen wird. aber es darf produziert, geschöpft werden. es liegt in der macht der schreibenden, ein störfaktor zu werden. die konsequenzen bedenkend, gehen viele nicht so weit.

das liegt auch daran, dass schon das schreiben an sich in geordneten alltagen eine störende wirkung hat. die umwelt hat meist einen kommentar parat, wenn jemand sagt, dass er jetzt regelmäßig schreiben würde, dass man sich dem kreativen schreiben zuwende. es macht neugierig, eifersüchtig, verunsichert oder lässt zweifeln, wenn menschen sich in die schreibende welt zurückziehen. auch in diesen momenten wird ein bisher herrschendes system verstört. und so bekommt das kreative schreiben eine doppelt aufmüpfige funktion. was will man mehr?

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