Tagesarchiv: 9. April 2012

schreibidee (358)

wir menschen verhalten uns stark beeinflusst von unseren gefühlen. wir versuchen selbstfeindliche situationen zu vermeiden, wir weichen schmerz aus und wir wollen im sozialen miteinander mit anderen menschen teilhabe an der welt verwirklichen. vor vielen unserer wichtigen handlungen reflektieren wir die situation, durchdenken sie und kommen zu einem hoffentlich vernünftigen ergebnis. so der idealfall. doch meist kommen emotionen in die quere, die uns zur unvernunft anstiften. eine schreibanregung zu „geschichten der unvernunft“.

zum einstieg werden zwei kurze texte von maximal zwei seiten länge geschrieben. beiden ist die überschrift vorgegeben. der eine ist übertitelt mit „als ich das letzte mal unvernünftig war“, der andere mit „ich wäre so gern unvernünftig und …“. beide texte werden nicht in der schreibgruppe vorgetragen, da sie eventuell sehr persönlich sind.

im zweiten schritt wird eine tabelle erstellt. erst füllen die tabelle die schreibgruppenteilnehmerInnen allein aus und dann werden die ergebnisse in der gruppe zusammengetragen. in die tabelle werden in die eine spalte unvernünftige handlungen eingetragen (z.b. mit über 200 km/h auf der autobahn fahren) und in die zweite spalte werden mögliche gründe für das verhalten eingetragen. hier darf der fantasie nachgegeben werden. es geht nicht darum „entschuldigungen“ für eigenes verhalten zu finden, sondern die begründungsmuster nachzuvollziehen (die nicht logisch sein müssen).

nun wird eine kurze geschichte von allen verfasst, in der eine person unvernünftig ist. die geschichte besteht einzig aus den gedanken der person, aus ihren abwägungen, einschätzungen und selbstreflexionen. gleich darauf wird eine zweite kurze geschichte verfasst. sie soll die folgen des unvernünftigen handels aufgreifen. dies kann eine kleine katastrophe sein, es können formulierte selbstzweifel oder das genussreiche ausbrechen aus einer rationalen welt sein. beide geschichten werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen. es findet keine feedbackrunde statt.

nach diesen vielen vorarbeiten wird zum abschluss eine längere geschichte der unvernunft verfasst. es gibt nur eine einzige vorgabe: es muss eine unvernünftige handlung im mittelpunkt der geschichte stehe. wie sie umgesetzt, dargestellt, begründet, durchdacht oder entschieden wird, bleibt den schreibgruppenteilnehmerInnen überlassen. anschließend wird die geschichte in der gruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt, in der auch über den genuss am ausbruch aus der vernünftigen welt und deren gefahrenpotential diskutiert werden kann.

und bevor alle teilnehmerInnen nach hause gehen, notieren sie auf einen zettel in einem satz, welche unvernünftige handlung sie in der nächsten woche umsetzen wollen. diesen zettel nehmen sie mit nach hause.

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selbstbefragung (161) – schmerz

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um den „schmerz“.

  • welcher körperliche schmerz war ihr letzter? beschreiben sie.
  • welcher seelischer schmerz war ihr letzter? beschreiben sie.
  • was tun sie gegen schmerzen als erstes?
  • wer hat ihnen zuletzt schmerzen zugefügt?
  • wem haben sie zuletzt schmerzen zugefügt?
  • welches war der größte schmerz ihres lebens? beschreiben sie.
  • wann fühlen sie sich schmerzen gegenüber am ohnmächtigsten?
  • warum fügen sich ihrer meinung nach, menschen gegenseitig schmerzen zu?
  • welche schmerzhafte erfahrung (körperlich oder psychisch) hat ihr leben verändert? warum?
  • können sie weinen, wenn etwas schmerzt? warum?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

web 2.0 und störung

im internet oder netz lassen sich störungen leicht benennen: es konnte keine verbindung hergestellt werden oder es werden daten geklaut. im gegensatz zu den anderen im laufe der woche hier benannten störungen wird die störung im web 2.0 immer existentieller. viele menschen verbringen einen großen teil ihrer arbeitszeit in der einen oder anderen weise im internet. ob nun mit dauerkontakt durch das smartphone oder am computer im firmennetzwerk.

auch freizeit, beziehungen, freundschaften und familienleben verlagern sich immer öfter ins web 2.0. da wird gechattet, gemailt, sich in der cloud bewegt oder es werden flashmob-treffen organisiert. ganz abgesehen von den fernseh- oder radiosendern, die inzwischen den abruf des programms zeitverzögert zulassen. wenn man dann noch das handy als fotoapparat oder den pc als spielkonsole in online-rollenspielen nimmt, dann ist die freizeit eng mit dem web 2.0 verknüpft.

störungen im netz sind somit für die nutzerInnen inzwischen schwer auszuhalten. die geschäftliche wie auch die private kommunikation käme zu einem großen teil zum erliegen. wie aufgebracht die menschen reagieren kann abgelesen werden, wenn zeitweise handynetze ausgefallen sind oder die zugangsmöglichkeiten ins netz nicht funktionieren. und man möge es nicht unterschätzen, inzwischen werden auch viele logistische aktionen und dienstleistungen über das netz abgewickelt.

störungen sollten also möglicht vermieden werden. so betreiben etliche firmen ein internes und ein externes netz. im web 2.0 kann auf alternative server ausgewichen werden und selbst bei stromausfall springen teilweise ersatzaggregate an. denn die abhängigkeit ist so groß, dass inzwischen bücher gefragt sind, die darüber berichten, wie es sich anfühlt, wenn man für längere zeit das internet ruhen lässt, sich zurückzieht. abhängigkeiten sind immer sehr anfällig Weiterlesen