biografisches schreiben und schmerzen

körperliche schmerzen sind das fieseste, was ein mensch erleben kann. sie sind erst einmal ohne medizinische hilfe und ohne die konzentration auf andere dinge unausweichlich. sie lassen den menschen ohnmächtig seinen körper spüren. die folge von schmerzen sind handlungen, entweder, den schmerz zu unterdrücken oder die ursache für den schmerz zu suchen. jeder mensch erlebt im laufe seines lebens körperlichen schmerz (es müsste schon mit einem wunder zugehen, wenn jemand ein absolut schmerzfreies leben führen könnte – nur den muskelkater ordnen wir anders ein als die zahnschmerzen.)

erstellen sie doch einmal eine schmerzkurve ihres lebens. wenn sie das machen, haben sie gleich zwei effekte: sie bekommen einen stärkeren bezug zu ihrem körper und sie bekommen einen überblick über all die kleinen und großen gesundheitlichen schwierigkeiten, die sie im laufe ihres lebens erlebt haben. dann können sie neben die körperschmerz-kurve auch gleich noch eine kurve des psychischen schmerzes einzeichnen. wann ging es ihnen seelisch alles andere als gut. was schmerzte sie emotional am stärksten? wenn sie diese kurve in ihre lebensbetrachtungen mit einbeziehen, lassen sich vielleicht zusammenhänge herstellen.

wir leben mit dem phänomen, dass die psychischen schmerzen manchmal zu körperlichen schmerzen führen können und die körperlichen zu psychischen. wenn man das einmal im überblick sieht, dann kann man sich die frage stellen, wie groß dies eine rolle bei einem selber spielt? diese form der selbstbefragung kann einem hinweise im eigenen umgang mit schmerzen liefern. schreiben sie ihre ganz persönliche schmerzgeschichte. und begeben sie sich auf die gedankliche reise der schmerzbekämpfung.

in deutschland wird die behandlung von körperlichen schmerzen immer noch stiefkindlich betrachtet. es hat sich in den letzten jahren zwar etwas gebessert, aber meist herrscht die auffassung vor, krankheit habe mit schmerzen einher zu gehen. dabei haben wir menschen medikamente entwickelt, die die meisten von uns in schmerzfreiheit leben lassen würden. doch die werden sehr zögerlich gegeben. es wird meist mit formen der abhängigkeit argumentiert. dabei wird die zweigleisige vorgehensweise, den schmerz unterdrücken und gleichzeitig die ursachen behandeln, aus den augen verloren. schreiben sie beim biografischen schreiben darüber, wie sie in ihrem leben den schmerz erlebt haben. und schreiben sie doch einmal, welchen umgang sie sich damit wünschen.

ähnlich verhält es sich mit dem psychischen schmerz. hier kommt noch die scham hinzu, psychisch nicht alles im griff zu haben. dabei kann dies jedem menschen passieren. und überträgt man den krankheitsbegriff vom körper auf die psyche, dann haben erkrankungen nur zu einem bruchteil mit eigenverantwortung zu tun. erst die behandlung der jeweiligen schmerzen hat mit mir zu tun. schreiben sie darüber, wie sie selber mit behandlungen umgehen. sie können auch eine selbstbefragung durchführen, weshalb sie eigentlich schmerz so lang aushalten (psychisch und körperlich). es ist doch eine ganz menschliche reaktion, schmerzen ausweichen zu wollen. wie sehen ihre bisherigen strategien aus? und wenn sie dann ihre notierte schmerzbiografie betrachten, was ergeben sich für ideen für die zukunft? möchten sie etwas anders machen?

manche ärzte empfehlen heute immerhin, auch zu diagnostischen zwecken, das führen eines schmerztagebuchs. das biografische schreiben kann beim umgang mit schmerzen ein sehr hilfreiches instrument sein.

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