mein computer und ich – eine umgangslehre (16)

lernen und lehren

faszinierend, wie wenig nutzerInnen die hochtechnologie, die sie verwenden, kennen. eigentliche tappen die meisten im dunkeln, was ihren computer angeht. das lässt sich weiterführen: die meisten tappen auch im dunkeln, was ihr auto angeht, denn dieses fährt inzwischen einen computer spazieren. das ist alles erst einmal nicht tragisch. die meisten menschen wissen auch nicht, wie man artgerecht ein schwein großzieht. ich muss also nicht alle abläufe kennen, um von ihren produkten profitieren zu können – das nennt sich arbeitsteilung.

doch bleiben wir einmal beim schwein. auch wenn ich die abläufe nicht kenne, wie ein schwein auf den teller kommt, so diskutiert unsere gesellschaft schon länger über antibiotika im fleisch, über fettreiche und fettarme nahrung, über tierhaltung und vieles mehr. wir diskutieren also darüber, welche auswirkungen die nahrung und ihre produktion auf uns hat. sie können jeden menschen fragen, alle haben eine meinung zu schweinefleisch.

anders sieht es beim computer aus. die produktion der computer kennen die wenigstens, diskurse über seine nutzung führen nur die egoshooter-und internetsucht-fraktionen, vielleicht nur datenschützer. es mag ein verdienst der piraten-partei sein, überhaupt einen weitergehenden diskurs über den nutzen und den schaden einer digitalisierung ins leben gerufen zu haben. wenn sie menschen zu ihrer haltung gegenüber dem computer befragen, begegnet ihnen viel skepsis, sie vernehmen eher glaubensbekenntnisse, denn eine position, die aus diskursen entstanden ist.

und so wird auch eher die anwendung des computers gelehrt – wie gehe ich mit word, excel oder linux um? – denn die anwendung reflektiert. ach doch, beim urheberrecht, da hört der spaß auf, da wird fleissig diskutiert – hier geht es auch ums geld. aber wer reflektiert schon die vorteile und nachteile eines computers? wer lernt in der schule, einen für sich sinnvollen und „gesunden“ umgang mit dem digitalen werkzeug zu finden? wir wissen mehr über gesunde ernährung als über virtuelle welten, in denen wir uns bewegen.

nun kann man argumentieren, schweine gäbe es schon viel länger, ernährung auch, digitale geräte und das internet erst seit ein paar jahrzehnten. das stimmt, aber die dimension der verbreitung ist eine andere. wer ist täglich schweinefleisch? manche. wer nutzt täglich irgendeinen computer? beinahe alle menschen. die schnelle weiterentwicklung der geräte bindet so viel energie, dass kaum mehr raum für den diskurs der technologie bleibt. hier sind schulen und hochschulen gefragt. hier wäre es an der zeit, in jeder klassenstufe, in jedem jahrgang, grundsätzliches über die digitalisierung zu vermitteln und zu reflektieren.

und um gleich einmal die moralwacht auszuhebeln – es ist nicht hilfreich den untergang des abendlandes mit der nutzung des computers auszurufen. es geht an der realität vorbei. wir nutzen die dinger schon längst, wir werden sie nicht wieder abschaffen (jedenfalls nicht in absehbarer zeit) – wir müssen uns nur endlich mit ihnen auseinandersetzen. die kolumne hier im blog hat einen zweck: sich die frage zu stellen – was will ich mit dem computer eigentlich?

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