kreatives schreiben und schmerz

der schmerz ist ein seltsames wesen beim schreiben. es gibt den begriff schmerz und kaum synonyme, im thesaurus zum beispiel nur „leid“, „pein“ und „weh“. wer verwendet in seinen texten heute noch „pein“ und „weh“? auf der anderen seite ist der schmerz für uns menschen etwas sehr bestimmendes. es ist eine der wenigen situationen, denen wir durch ein handlung, wenn er mal da ist, nicht so schnell ausweichen können. bei dauerhaftem schmerz empfindet jeder mensch ohnmacht.

also wäre zu erwarten, dass beim kreativen schreiben viel über schmerz geschrieben würde, dass der schmerz einer der häufigsten inhaltsstoffe einer guten geschichte ist. doch wir weichen anscheinend dem schmerz auch in unseren texten aus. er kommt selten alleinstehend als tatsache vor. es ist der liebesschmerz, der herzschmerz, der trennungsschmerz, der zahnschmerz und dergleichen mehr. die literarische darstellung des schmerzes ist kompliziert. entweder man schildert die ohnmacht oder man gerät ins medizinische fahrwasser und beschreibt den schmerzverlauf, umschreibt, teils metaphorisch den „stechenden“ schmerz, der sich den rücken hinaufzieht …

es könnte eine schreibidee für das kreative schreiben sein, starke metaphern für den schmerz zu finden, vielleicht auch neue worte. was macht der schmerz mit uns, wo führt er uns hin, wie lässt er uns verrückt werden, da wir keinen ausweg aus der tortur finden? das kreative schreiben kann helfen, dem schmerz auf die schliche zu kommen. doch dazu müssten wir wahrscheinlich ein etwas anderes verhältnis zu unserem körper bekommen. denn wir leben in einer gesellschaft, die sich immer noch nicht von der vorstellung verabschieden kann, dass unser körper eine maschine sei. auch wenn es schon seit ein paar jahrzehnten den blick auf die psychosomatik gibt, wird sie immer als letztes herangezogen.

womit man beim schreiben wahrscheinlich vor der nächsten hürde steht. wir haben viele worte für den psychischen schmerz, der uns zugefügt wird, aber bei der behandlung machen wir gern einen rückzieher. die psyche wird noch viel stärker negiert. wer psychischen schmerz empfindet, wird ungern als krank bezeichnet. würde man davon ausgehen, würden psychische schmerzen ebenso behandelt wie andere körperliche schmerzen. doch dem ist nicht so – hier kommt oft die selbstverantwortung für das psychische wohlbefinden ins spiel.

beim schreiben kann man diese paradoxe situation aufgreifen, kann sich in verschiedene richtungen der schmerzschilderung bewegen und einfach versuchen, worte für den schmerz zu finden. vielleicht ist der schmerz auch deshalb so schwer zu beschreiben, da er sehr individuell sein kann. aber bei der liebe haben wir dieses problem nicht. beim schmerz ließen sich kreatives schreiben und biografisches schreiben gut verbinden: wie empfindet jemand seinen / ihren schmerz? fragen sie doch einmal die menschen oder befragen sie ihren eigenen körper. und nicht selten landet man bei der tatsache, dass schmerz mit lust einhergehen kann. das ist eine der skurrilsten situationen und wahrscheinlich gesellschaftlich bedingt. der sadomasochismus scheint eine ausformung der tatsache zu sein, dass wir unseren körper erst ab einem bestimmten level wirklich spüren. doch bei diesen gedanken befindet man sich tief in der psychologie-kiste. das muss beim kreativen schreiben nicht sein.

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