Tagesarchiv: 21. April 2012

schreibpädagogik und haltung

schreibgruppen bieten die tolle möglichkeit, dass menschen zu bestimmten themen schriftlich eine haltung einnehmen und darüber in den diskurs einsteigen. natürlich sollte man sich als schreibgruppenleitung teilweise vorher die zustimmung der gruppe einholen, ob man nun einmal die zeit für einen intensiven diskurs nutzt. kommt die zustimmung, kann es sehr spannend werden.

das schreiben lässt diskurse schnell sehr intensiv werden, da es ein großer unterschied ist, ob ich etwas sage, oder es gleich niederschreibe. geschrieben und veröffentlicht liegt es schwarz auf weiß vor, kann verbreitet werden und immer wieder aus der schublade gezogen werden. also überlegen sich viele menschen genauer, welche haltung sie einnehmen und wie sie sie formulieren, wenn sie sie aufschreiben. dies fördert manchmal eine intensivere auseinandersetzung.

auf der anderen seite ist eine einmal schriftlich eingenommene haltung schwerer zu revidieren. persönliches umdenken wird mündlich eher verziehen als schriftlich. es genügt meist nicht, geschriebenes mündlich zu revidieren, es muss auch schriftlich noch einmal dagegen angeschrieben werden. der journalismus ist ein gutes beispiel dafür. bis eine gegendarstellung erschienen ist, hat sich manche position schon verfestigt und ist der ruf ruiniert.

auch dies kann in einer schreibgruppe vermittelt werden: schriftlich eine haltung einzunehmen – vor allen dingen, wenn sie veröffentlicht wird, sollte wohl bedacht sein. an diesem punkt wird vor allen dingen das internet oft unterschätzt. es mag schnelllebig sein, aber das digitale gedächtnis ist teils unerbittlich. dies soll aber nicht bedeuten, dass man am besten schriftlich keine haltung mehr einnimmt, da man ja umdenken könnte. denn der positive aspekt einer schriftlichen haltung besteht in der mächtigeren wirkung. nicht ohne grund werden schriftstellerInnen Weiterlesen

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mein computer und ich – eine umgangslehre (17)

fehler

wir sind sowieso eine gesellschaft, die sich mit fehlern schwer tut. tolerant formulieren wir, dass es zum lernen und leben gehört, fehler zu machen. doch geschehen fehler, wird schnell die kompetenz in frage gestellt. also bemühen wir uns, stets fehlerfrei zu agieren. in der zusammenarbeit mit dem computer ist das aber schier unmöglich. je komplexer die systeme werden, um so leichter ist es, einen fehler zu machen.

sogar wenn die bedienungsoberfläche des betriebssystems oder der software unseren gewohnheiten angepasst ist, ist es natürlich möglich fehler zu machen. dazu gehört auch, dass selten die zeit vorhanden ist, sich wirklich in die rechenprozesse einzuarbeiten und zumindest einen teil der abläufe im computer zu verstehen. die meisten menschen lesen nicht die bedienungsanleitungen von software durch und schauen sich auch nicht die lehrfilmchen im internet an. sie nutzen ihren computer auf die learning-by-doing-weise. einfach ausprobieren und machen, daraus ergeben sich die bedienungsmöglichkeiten.

bei diesem vorgehen sind die fehlerquoten natürlich hoch. doch ungern wird darüber gesprochen. es kostet teilweise viele nerven, in dieser weise ein programm zu nutzen. das schon gestaltete, geschriebene oder bearbeitete verschwindet plötzlich und scheint nicht mehr auffindbar. es nimmt formen an, die nicht rückgängig gemacht werden können. eigentlich müsste mal gemessen werden, wie viele tätigkeiten an computern doppelt und dreifach gemacht werden. würde dies veröffentlicht, verflüchtigte sich die illusion sehr schnell, dass computer alles beschleunigen.

bei dieser vorgehensweise taucht ein zusätzliches problem auf: da man sich dem digitalen nicht unbedingt professionell annähert, werden die meisten funktionellen fehler der programme meist erst einmal als eigene fehler angenommen, als persönliches versagen verbucht. und dies geschieht nicht nur durch die nutzerInnen der programme, sondern oft genug auch durch die expertInnen, die erklären, das könne gar nicht sein, dass das nicht funktioniere. da müsse man einen fehler gemacht haben. bis wirklich überprüft wird, ob ein programm fehlerhaft ist, muss man sich eine dicke haut zulegen und am besten jeden schritt benennen können, den man vorgenommen hat.

digitales degradiert den menschen zu einer fehlerquelle (wie man es zum beispiel aus den argumentationen um die sicherheit von atomkraftwerken kennt). das programm wird erst einmal als fehlerlos angenommen. das ist ein gigantischer trugschluss, der ständig sehr viel geld und manchmal auch menschenleben kostet. in der technikhörigkeit, die meint alle fehler ausschließen zu können, ist nur der mensch ein störfaktor. dass aber zum beispiel Weiterlesen