wie man den spass am schreiben abgewöhnt (04)

vorsichtige verlage

es gibt wahrscheinlich eine menge menschen, die schreiben, die interessantes schreiben und die gern das geschriebene veröffentlichen würden. also drucken sie ihre texte aus, schreiben einen brief dazu und senden das ganze an einen verlag. oder sie wandeln den text in eine pdf-datei, schreiben eine mail und senden das ganze auch an einen verlag. und die meisten werden keine antwort erhalten, geschweige denn eine zusage bekommen.

es mag sein, dass darunter literarische produkte sind, die leserInnen nicht schätzen werden. aber ich schätze, dass es viele werke gibt, die mindestens so interessant sind, wie das angebot im buchhandel. doch sie werden nie den werbeaufwand erleben oder einen großen verlag finden. denn die verlage sind vorsichtig geworden. es gibt nur noch wenige experimente. man greift auf bewährtes zurück und hält dieses angebot, bis es sich erschöpft hat.

man schaue sich die bestsellerlisten an und man weiß, was zur zeit „mode“ auf dem buchmarkt ist. das traurige an dieser vorgehensweise stellt eine parallele zum öffentlich-rechtlichen fernsehen dar: eigentlich befindet sich der buchmarkt in deutschland in einer recht geschützten position: es gibt eine buchpreisbindung, die verdrängung auf dem markt kann also schwer über dumpingpreise geschehen. und ein niedrigerer mehrwertsteuersatz soll das buch fördern. insgesamt also zu anderen wirtschaftszweigen eine sicherere position.

doch man folgt eher den einer unausgesprochenen anspruchslosgikeit. hier hat sich eine seltsame allianz gebildet. schon in der schule werden die klassiker gelesen, selten greifen lehrerInnen zu moderner, außergewöhnlicher literatur. im fernsehen gibt es ein paar büchersendungen, die man an einer hand ablesen kann und deren sendeplatz sich in den randzonen befindet – vergleicht man dies mit dem sport, packt einen das grauen. und dann beherrschen ein paar große verlage den markt. wie soll mensch in diesem moment von neuen büchern erfahren?

die existentielle fähigkeit des lesens wird schlecht behandelt, im gegensatz zur fähigkeit der bewegung und des sehens oder des handels. wie wäre es mit einem buchtipp vor den hauptabendnachrichten anstatt der börsenkurse? tja, und in diesem moment gehen schreibende davon aus, dass sie ihr buch oder ihren text sowieso nie losbekommen werden und stecken das werk in die schublade, manche veröffentlichen vielleicht noch im eigenverlag oder im internet. heute gibt es wenigstens books on demand und e-books, also recht preiswerte möglichkeiten das geschriebene zu verbreiten.

und doch werden sich viele überlegen, ob sie überhaupt ein buch veröffentlichen wollen, sich also an das schreiben eines langen textes wagen wollen, wenn es sowieso niemand anders als vielleicht ein paar gute freunde lesen werden. gut es gibt schreibwettbewerbe, in denen man kleinere texte platzieren kann. aber es gibt eigentlich nur den ingeborg-bachmann-preis in österreich für längere werke. vergleicht man auch dies mit wissenschafts-, sport-, film- oder musikwettbewerben, so ist der betriebene aufwand für neu geschriebenes und unveröffentlichtes auffällig gering. warum keine buch-berlinale?

und wenn sie nicht gestorben sind, dann sitzen sie noch heute in ihrem kämmerlein und schreiben für sich den außergewöhnlichen roman, eine grandiose lyriksammlung oder die ultimative abenteuergeschichte. andere werden davon nie erfahren.

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