Tagesarchiv: 27. April 2012

schreibpädagogik und sonne

da es gerade sommer wird, greife ich gern den begriff „sonne“ auf und wende mich der frage nach helligkeit und wärme in schreibgruppen zu. nein, ich möchte hier nicht noch mehr schreibanregungen zum thema „sonne“ präsentieren, die finden sich schon beim biografischen und kreativen schreiben. es macht sinn, einmal nach dem wohlfühlen in gruppen zu schauen.

winter und sommer sind inzwischen häufig gezeichnet von extremen wetterverhältnissen. dies führt dazu, dass man in räumlichkeiten entweder die heizung voll aufdrehen muss oder für ein wenig kühlung sorgen sollte. es ist bei schreibgruppen und beim schreiben unangenehm, wenn man friert oder kurz vor dem hitzschlag steht. schwierig wird es dadurch, dass wärme- und kälteempfinden von menschen sehr verschieden sind. darum sollte man zwischendurch einmal fragen, ob sich alle so weit wohl fühlen. ist dies nicht der fall und gehen die meinungen auseinander, muss ein kompromiss gefunden werden.

in diesen momenten ist die schreibgruppenleitung gefragt, denn abstimmungen oder diskussionen über die jeweiligen befindlichkeiten können schnell ausufern. darum sollte man sich selber gewisse standards geben. die raumtemperatur sollte bei 20-21 grad celsius liegen (und es sollte angemerkt werden, wenn dies wegen der wetterlage nicht möglich ist). bei viel sonnenschein und großer hitze sollten genug getränke zur verfügung stehen. man kann bei sehr extremer hitze die gruppe entscheiden lassen, ob man sich eventuell auf einen anderen termin vertagen möchte.

dazu kommt das bedürfnis nach frischer luft. bei mehreren menschen in einem raum ist schnell der sauerstoff aufgebraucht. zumindest sollte in pausen gut gelüftet werden. sauerstoffmangel ermüdet und lässt das schreiben immer schwerer fallen. auch hier müssen eventuell kompromisse wegen der temperaturschwankungen und der frischen luft gefunden werden. am rande macht es sowieso sinn, immer wieder pausen in den ablauf einer gruppe einzubauen. gruppenleitungen vergessen diesen aspekt öfter, wenn sie Weiterlesen

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„reisen im skriptorum“ von paul auster – ein buchtipp

es handelt sich bei dem buch um keine neuerscheinung, eigentlich kommt es vom grabbeltisch der mängelexemplare. doch das bedeutet eigentlich nichts, bücher können ja zeitlos sein. die geschichte, die paul auster in seinem buch „reisen im skriptorum“ erzählt, könnte jeden menschen treffen, der schreibt. plötzlich wacht man auf und fragt sich wo man ist. es fehlen einem im ersten moment die worte für die eigene situation, das umfeld ist unklar.

das ganze hat etwas bedrückendes. handelt es sich um alzheimer oder andere altersgebrechen? oder handelt es sich um einen traum, den man gerade nicht verlassen kann? auster entblättert in seiner geschichte stück für stück, dass die situation des erzählers wohl mit dem schreiben von geschichten und romanen zu tun hat. so langsam erkennt der schreibende, dass er die personen, die ihn pflegen und versorgen kennt, ebenso wie seine besuche. doch er weiß nicht genau, woher er sie kennt. so viel sei geschrieben, es sind die geister, die er rief.

während des lesens wird einem bewusst, dass es sich um mehr als eine altenpflegestation handeln muss, dass der erzähler gefangen ist in einem wirrwarr aus ungereimtheiten, deren grundlagen er immer mehr auf die spur kommt. man ahnt, wer die personen um ihn herum sein könnten. man ahnt es darum, da sie ihm so viele vorwürfe machen, da er so viel macht über sie hatte. doch den schluss der geschichte kann man nicht ahnen. er gibt dem ganzen geschehen eine fiese note.

ein buch, das einen hineinzieht in eine welt der bedürftigkeit und hilflosigkeit. ein buch, das einen ebenso lang im unklaren lässt, wie den protagonisten. und ein buch, das am schluss die frage entstehen lässt, woher eigentlich die eigenen geschichten und personen beim schreiben von geschichten und romanen kommen. eine schöne story für zwischendurch. das buch ist 2007 bei rowohlt in reinbek bei hamburg erschienen. ISBN 978-3-498-00074-5