mein computer und ich – eine umgangslehre (18)

soziale gerechtigkeit

je mehr sich unser soziales leben ins internet und zum computer verlagert, desto existentieller wird der besitz eines computers und eines internetzugangs. doch es gibt viele menschen, die keinen zugang besitzen, ganz abgesehen von den analphabeten, die mit der schriftlichen umsetzung der internetkommunikation ihre schwierigkeiten haben.

beim globalen blick fällt auf, dass ganze weltregionen vom internet abgekoppelt sind. manchem mag dies paradiesisch erscheinen und bei uns werden inzwischen bücher darüber geschrieben, wie wohltuend es ist, sich dem internet zu entziehen. doch zu sozialer gerechtigkeit würde es gehören, zumindest die möglichkeit eines zugangs zu besitzen.

mag es vor ein paar jahren noch eine spielerei gewesen sein, so ist heute die teilhabe an der digitalen kommunikation gekoppelt an die teilhabe an der gesellschaftlichen entwicklung (und an den märkten). menschen, denen dieser weg verwehrt wird, werden mehr und mehr von vielem abgekoppelt.

die soziale ungerechtigkeit manifestiert sich auf verschiedenen wegen. es fängt beim lernen des umgangs mit dem computer an. unsere schulen sind weiterhin viel zu schlecht ausgestattet, um allen schülerInnen einen computer- und internetzugang zu gewährleisten. so wird ist die kommunikationstechnologie überhaupt nicht erlernbar. zeitung lesen, telefonieren, gespräche führen, bedürfen keines großen technischen aufwands. aber die nutzung des computers bedarf schon einmal eines computers (und heute auch eines internetanschlusses, da viele neue computer sonst überhaupt nicht gestartet werden können (und die software nicht erneuert werden kann).

gehen wir einmal davon aus, dass jemand das glück hatte, an der schule den umgang mit computer und internet gelernt zu haben, so ist die person im nächsten schritt trotz allem vollständig auf sich allein gestellt. die ständige erneuerung von soft- und hardware macht es schwer, selbst bei gelernter nutzung, sich alles anzueignen. auch hier ist das angebot der persönlichen fortbildung weiterhin eingeschränkt und meist kostenpflichtig. und selbst wenn man kostenlose kurse gefunden hat, bedeutet dies noch nicht, dass man sich die entsprechende software leisten kann.

dazu kommt die geschwindigkeit der neuerungen. um noch einmal das telefon als kommunikationsmittel heranzuziehen: ich kann auch heute noch alte telefone verwenden, wenn ich das möchte. beim computer ist die halbwertszeit eines gerätes viel kürzer. irgendwann wird der alte browser nicht mehr unterstützt, sind die sicherheitseinrichtungen flöten und meldet das netzwerk, dass der browser veraltet ist. wer also nicht stetig am ball bleibt, wird immer öfter ganz automatisch abgekoppelt.

man landet in der digitalen welt immer wieder an dem punkt, dass es eine grundvoraussetzung sein müsste, allen menschen einen zugang zu ermöglichen – dazu gehören hardware, software und schulungen. und nur einmal am rande, möge das geld gerade für alles vorhanden sein, ist man auf teufelkommraus an windows gebunden, denn andere zugänge wie linux (kompliziert in der handhabung – weiterhin) und mac (teuer und teilweise inkompatibel (siehe finanzbehörde)) scheinen unmöglich.

die konsequenz: das internet bietet viele preiswerte alternativen – drängt aber teilweise die menschen regelrecht in das unsichere cloud-computing, wenn sie windows nicht folgen wollen. hier versäumt unsere gesellschaft seit jahren die schaffung sozialer gerechtigkeit. dies wird langfristig dazu führen, dass zwar immer mehr menschen einen internetzugang haben (auch über die smartphones), sich aber immer weniger auf den stand der dinge bringen können und sich somit an den rändern gesellschaftlicher prozesse tummeln werden. das ist eine problematische entwicklung (ganz abgesehen von der globalen sichtweise).

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