schreibberatung und wünsche

beratungen finden statt, da sich ein mensch in einer situation befindet, die für ihn leidendruck verursacht und die er ändern möchte. steht dieser wunsch nicht im hintergrund, also möchte jemand die situation nicht verändern, obwohl er leidet, kann beratung nicht funktionieren. bei schreibberatung verhält es sich genauso.

doch meist werden beratungen von weiteren wünschen begleitet, die beraterInnen nicht erfüllen können. oft ist der wunsch da, das eine einmalige beratung (oder therapie), die situation von heute auf morgen ändert. das ist ein verständlicher wunsch, denn wir menschen möchten per se nicht leiden. aber da es häufig um über einen längeren zeitraum erlernte verhaltensweisen oder erlebte situationen geht, kann der wunsch nicht in erfüllung gehen. bei der schreibberatung ist dies manchmal möglich (womit ich hier aber keine versprechungen machen möchte).

bei der schreibberatung kann ein anstoss durch die vermittlung von schreibtechniken und schreibstrategien genügen, um eine veränderung der situation hervorzurufen, die so nachhaltig wirkt, dass alle weiteren schritte von den klientInnen allein gegangen werden können. aber auch bei der schreibberatung kann der veränderungsprozess aufwendiger sein, wenn es nicht nur um die verwendeten schreibtechniken geht, sondern um die rolle des schreibprozesses im laufe des eigenen lebens, um das gelernte und erlebte.

zudem taucht in beratungen häufig der wunsch auf, dass man als ratsuchender mensch nur die gleichen handlungen vollführen müsse wie die ratgebenden und sich dadurch auf dem richtigen weg befinde, also die situation beherrsche. dieser wunsch folgt der idealisierung, dass beraterInnen keine persönlichen schwierigkeiten hätten und alles im griff haben. doch sie thematisieren es nur nicht, da sich das beratungsgespräch nicht um sie dreht. außerdem verhält sich jeder mensch unterschiedlich in identischen situationen. das lernen durch vorbilder ist selten ein guter ratgeber. denn was bei mir geholfen hat, muss für einen anderen menschen lang noch nicht hilfreich sein. dies wäre erst einmal zu klären. auch bei schreibberatungen sind die erfahrungen der beraterInnen nicht automatisch übertragbar auf andere personen. nur die ratsuchenden können formulieren, was sie als hilfreich empfinden.

so können (schreib)beratungen zu beginn auf die klientInnen erst einmal ernüchternd wirken, da all ihre wünschen nicht in erfüllung zu gehen scheinen. wichtig ist es in diesem moment, dass spielraum geschaffen wird, der es möglich macht, sowohl die wünsche zu äußern als auch darüber zu sprechen. nur so kann eine schleichende unzufriedenheit verhindert werden. oft bieten sich erstgespräche für die klärung der anliegen und wünsche an.

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