kreatives schreiben und wünsche

zum thema wünsche schon öfter erwähnt: die gute fee. sie kann beim kreativen schreiben eine zentrale figur sein. angefangen beim klassischen märchen, in dem irgendwann eine fee auftaucht und einem wünsche erfüllt, bis zu geschichten, in menschen sich die fee vorstellen oder es einen menschen gibt, der sich wie eine gute fee verhält. das spannende in diesem zusammenhang ist gar nicht die fee mit ihren fähigkeiten (die man als gebildeter mensch natürlich sofort in frage stellt 😉 ), also, das spannende ist nicht die fee, sondern es sind die wünschen, die die menschen haben.

was wünscht sich jemand, wenn er drei wünsche frei hat? das gewiefte kind wünscht sich natürlich als erstes so viele wünsche erfüllt zu bekommen, wie es notwendig ist. doch die fee lässt sich nicht überrumpeln und besteht darauf, nur drei wünsche zu benennen. nun, was erscheint einem so notwendig, dass es auf alle fälle in erfüllung gehen sollte? in diesem moment kann man mit dem kreativen schreiben ganz schnell märchen für erwachsene schreiben – über die doppelbödigkeit von wünsche, über wunschloses glücklichsein, über wirklich not-wendendes im leben, über die ungerechtigkeit der welt und vieles mehr.

die person, die die fee erfunden hat, die hat schon früh den pädagogischen wert der rückbesinnung auf das wesentliche und der wirkung von heilsversprechen erkannt. wünsche (zumindest im deutschsprachigen zusammenhang) haben auch immer etwas unverschämtes, etwas leistungsverweigerndes. wünsche sollen erfüllt und nicht erbracht werden. da dies schnell gesellschaftszersetzende tendenzen hervorrufen kann 😯 , kommt die gute fee nicht zu jedem. vorher muss also schon etwas passiert sein, das es rechtfertigt, eine gute fee ins spiel zu bringen. es wird also eine vorleistung oder ein vorleiden erbracht, um die fee nicht zu anarchisch erscheinen zu lassen.

das kreative schreiben kann diese moral überwinden. wie wären geschichten mit guten feen, die ungerechtfertigte wünsche den falschen personen erfüllen? ist das dann eine böse fee? oder verkehrt die böse fee die wünsche in ihr gegenteil, um wiederum mit der haudrauf-pädagogik, ungerechtfertigte wünsche zurückzuweisen? es gibt so viele möglichkeiten im kreativen schreiben, den wünschen und bedürfnissen eine moral anzuheften. und es gibt so viele möglichkeiten im kreativen schreiben, die moral zu kippen und eine neue aufzuzeigen.

wenn ich die fee einmal kurz verlasse, dann fällt auf, dass auch die ganz starken wünsche von menschen, gern einmal in geschichten unerfüllt bleiben, damit wir alle lernen, dass das leben kein wunschkonzert ist. setzen sie dem doch einmal etwas entgegen. aber selbst der unerwartete lottogewinn soll ja angeblich nicht glücklich machen. ich glaube das immer noch nicht 😳 .

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