biografisches schreiben und stärke

das leben ist für den menschen eine anstrengung. dadurch, dass wir wahrnehmen können, dass wir zu selbstreflexionen und zum nachdenken fähig sind, und vor allen dingen, dadurch dass wir nach dem wahnehmen und dem denken zu handlungen übergehen können, tragen wir, in unseren augen, verantwortung für unser leben. auch die menschen um uns herum geben uns beständig zu verstehen, dass wir verantwortung für unsere lebenssituation tragen.

das kann befreiend sein, da nur wir für unser leben verantwortlich sind und somit auch das recht haben, allein die entscheidungen für uns zu treffen. auf der anderen seite sind wir in ein soziales umfeld eingebunden, auf das wir teilweise angewiesen sind und das ebenso forderungen an uns stellen kann. wir tun uns keinen gefallen, wenn wir versuchen, uns dem umfeld vollständig zu entziehen. denn es fehlen uns dann rückmeldungen zu unseren verhaltensweisen und somit eventuell korrigierende momente.

ganz gleich, welche haltung wir zu unserer „selbstverantwortung“ einnehmen, honoriert werden gern so genannte „zeichen der stärke“ in unserem verhalten. doch was ist das? mit „stärke“ wird bei uns oft ein „männliches“ prinzip bezeichnet: sich durchsetzen, seinen weg gehen, den lonesome cowboy geben, möglichst wenige emotionen zeigen, nicht auf andere eingehen … inzwischen sind diese verhaltensweisen nicht mehr mit geschlechterrollen koppelbar, sondern nur lebensprinzipien, nach denen man seinen alltag ausgestalten kann.

beim biografischen schreiben kann man seine eigene definition von „stärke“ formulieren. was bedeutet es für uns, stark zu sein? und in welchen momenten unseres lebens hatten wir das gefühl, stark gewesen zu sein? schnell werden wir dabei feststellen, dass „weich sein“ auch eine stärke sein kann. die eindeutige definition von stärke gibt es schon lang nicht mehr. notieren sie für sich, welche vorgehensweisen im zusammenleben sie angenehm finden (und nicht, welche von ihnen erwartet werden). womit fühlen sie sich wohl? lassen sie das in ihre definition einfließen.

und dann kann man seine lebensgeschichte durchforsten, auf der suche nach den momenten, in denen man sowohl stärke zeigte, als auch sich wohl fühlte. denn stärke muss sich nicht beständig gegen andere richten – sie kann auch für andere sprechen. auf der anderen seite kann, für andere zu sprechen, ebenso missachtend sein, wie das verhalten sich nicht für andere zu interessieren. der „wert“maßstab sind erst einmal allein wir selbst. und dann fließen noch die bewertungen der umwelt ein. es ist dadurch auch ein zeichen vorn stärke, nicht den bewertungen von außen den vorrang zu geben. biografisches schreiben kann ein bild davon zeichnen, in welchem zusammenspiel wir mit unserer umwelt leben. und es kann unsere bisherigen wertmaßstäbe (zum glück oder leider) ins schlingern bringen, da wir manchmal gar nicht mehr so sicher sind, ob wir uns in manchen momenten der stärke wirklich wohl gefühlt haben. doch genau diese momente machen das notieren der eigenen lebensgeschichte so wertvoll und hilfreich.

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