schreibberatung und stärke

ratsuchende haben vor jedem beratungsgespräch schon die stärke aufgebracht, sich hilfe zu suchen, das gespräch zu vereinbaren und den termin wahrzunehmen. viele andere menschen verfügen nicht über dies kraft. doch im gespräch selber beschreiben sich viele als schwach, fehlerhaft oder unfähig eine bestimmte schreibaufgabe zu bewältigen. eine aufgabe von schreibberaterInnen ist es in diesem moment, neben der vermittlung von schreibtechniken, das selbstbewusstsein zu stärken.

dies lässt sich über verschiedene wege meist erreichen. zum einen kann man den menschen durch das absolvieren von schreibanregungen und die vermittlung von schreibtechniken, das gefühl zurückgeben, doch etwas schriftliches zu papier bringen zu können (und häufig dies nicht gleich abzuwerten). zum anderen kann man im gespräch die persönlichen ressourcen der ratsuchenden aufschlüsseln. meist zeigt sich, dass viel kompetenz vorhanden ist, diese aber als unzureichend betrachtet werden.

es geht oft in solchen beratungsgesprächen um die selbstbewertung, die wiederum auf teilweise erlebten fremdbewertungen basieren. man blickt also nicht selten in die vergangenheit, um festzustellen, wann das schreiben unangenehm wurde. kann man einzelne momente der abwertung durch andere ausmachen, dann können auch die gründe und maßstäbe für diese bewertungen hinterfragt werden. und man kann die frage stellen, warum den bewertungen durch andere so viel macht gegeben wird, dass die eigentliche tätigkeit des schreibens nicht mehr durchgeführt werden kann.

es geht nicht darum, bewertungen wegzureden. es wird sie immer geben, auch im berufsleben, teils berechtigt, teils beliebig. in der schreibberatung geht es darum, einen realistischen umgang mit den bewertungen zu finden, und einen angemessenen mit der selbstbewertung (teils selbstverurteilung). ab wann gehe ich mit mir zu ungerecht um? ab wann formuliere ich unerreichbare ansprüche an mich? und werden diese anforderungen wirklich von außen an mich gestellt?

diese analysen und das hinterfragen erlauben es, eine selbst“bewusstere“ position sich gegenüber einzunehmen. dadurch entsteht meist eine form von stärke, die in diesem beispiel den schritt erlaubt, einen text zu verfassen und weiterzugeben, auch wenn er in den eigenen augen immer noch unvollkommen scheint. allein das abschließen eines schreibprozesses kann eine positive erfahrung sein, die weiter stärkt und die nächste schreibaufgabe nicht mehr unüberwindlich erscheinen lässt.

schreibberatung hat darum oft eine wichtige funktion: eine positive einstellung der ratsuchenden gegenüber ihren eigenen texten zu erzeugen und diese haltung zu stärken. und da kann es auch hilfreich sein, die einleitung dieses textes zu formulieren: es zeugte schon von stärke, sich hilfe und unterstützung zu suchen und abzuholen.

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