kreatives schreiben und verlust

verluste sind häufig auslöser starker menschlicher emotionen und somit auch gern genutzte themen in geschichten und stories. wenn das schicksal zuschlägt und man plötzlich einen menschen verliert, dann gerät die bisherige welt ins wanken und bietet stoff für zu schreibendes. aber abseits der kreativen und fantasievollen szenarien von dramen und tragödien, kann das kreative schreiben auch bei realen verlusten eine große rolle spielen.

die grenzen zwischen biografischem und kreativem schreiben verschwimmen in dem moment des schreibens zu realen verlusten. und doch kann man seinen persönlichen schwerpunkt auf das kreative schreiben legen. es geht eben nicht darum, geschehenes wieder aufzuarbeiten und zu berichten, sondern es geht darum, geschehenes in geschichten zu packen und diese stellvertretend für sich sprechen oder trauern zu lassen.

man kann metaphern für das geschehene finden, man kann märchen heranziehen, eine fabel aufschreiben oder den protagonisten das antlitz von verlorenen menschen geben. trauer um verlorene menschen (ob nun durch trennung oder tod) durchläuft verschiedene phasen. angefangen bei ohnmacht über wut bis zu einem abfinden mit dem geschehenen kann sich all dies in geschichten widerspiegeln. warum nicht die wut auf die ganze welt, das geschehene und die verlorene person kanalisieren und in eine geschichte, die thematisch nichts mit dem verlust zu tun hat, packen? warum nicht das geschehen in ein drama mit anderem hintergrund übertragen?

das zweifeln an der welt nach einem verlust findet beim schreiben eine sprache. dies wiederum kann entlastend sein. vielleicht ist man es satt, immer wieder über das geschehene nachzudenken, die ereignisse hin und her zu wälzen. da bietet das kreative schreiben einen ausweg, eine alternative. und man kann noch einen schritt weitergehen, man kann erinnerungen an den mitmenschen herbeizaubern, etwas verewigen, um ganz persönlich ein andenken zu schaffen. das muss für leserInnen überhaupt nicht erkennbar sein, entfernt sich also vom biografischen schreiben. so oder so steckt in jedem kreativen text auch immer ein anteil von uns, ist also auch biografisch.

in zeiten des verlusts erhält das kreative schreiben eventuell eine therapeutische funktion, wenn es einem erst einmal die sprache verschlagen hat, meine worte für das geschehene findet, dann bieten schreibanregungen und kreativitätstechniken einen ausweg an. natürlich kann dies auch über andere kreative prozesse unterstützt werden, wie malen, musizieren oder tanzen. das mag jetzt profan klingen, doch der versuch ist es wert, bevor man all seine trauer immer wieder für sich behält, weil man die anderen menschen damit nicht belasten möchte. oder anders formuliert: irgendwann kommt das gefühl auf, genug über das geschehene geredet zu haben, aber nicht vollständig verstummen zu wollen. dann kann schreiben hilfreich sein.

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