kreatives schreiben und zufall

kreatives schreiben ist eigentlich purer zufall, andere würden pure intuition dazu sagen. man überlässt seine gedanken und das damit verbundene schreiben dem, was einem gerade durch den kopf geistert. klar kann man im vorfeld eine struktur festlegen, ein hauptthema, dem ganzen eine richtung geben. doch in der letztendlichen konsequenz könnte niemand vorhersagen, was er oder sie jetzt tatsächlich auf das papier bringen oder in computer tippen.

man kann beim kreativen schreiben bezüge herstellen. man kann seine ideen auf die tagesform zurückführen, auf erlebtes oder auf menschen, denen man begegnet ist. man kann sich vornehmen, botschaften in den text zu integrieren, bestimmte worte zu verwenden, einen dialog zu schreiben und vieles mehr. aber wie der einzelne satz entsteht, wie das einzelne wort gefunden wird, lässt sich im nachhinein nicht mehr klären.

wenn man es schafft, den inneren zensor im zaum zu halten, wenn man sich „gehen lässt“ und dem zufall raum gibt, dann trägt einen die eigene geschichte, der eigen text an orte, die man vorher noch nicht betreten hatte. das macht die texte so lebhaft und oft so intensiv. das kreative schreiben geht in solchen momenten viel weiter als oft spekuliert wird. natürlich fließt persönliches ein, natürlich haben viele ihren stil und natürlich hält man sich auch an manche konvention.

aber zufälliges kreatives schreiben geht meist über die von vielen vermutete naive freizeitbeschäftigung hinaus. in vielen fällen entsteht literatur, doch sie findet kaum den weg an die öffentlichkeit. regelmäßiges kreatives schreiben ist auch eine form von arbeit, wie es immer wieder für das literarische schreiben betont wird. hier verschränken sich die vorgehensweisen von schriftstellerInnen und zum beispiel schreibgruppenbesucherInnen.

auch schriftstellerInnen sind dem zufall und der tagesform ausgeliefert. darum ist schreiben eine der wunderbaren möglichkeiten, den ständigen versuch, das leben und die ereignisse zu kontrollieren, aufzugeben. zu beginn mag dies schwer fallen, da der alltag ohne diverse eigene kontrollinstanzen schwer zu bewältigen wäre. sich diesen vorstellungen zu entziehen und zumindest gedanklich und schriftlich einen anderen weg zu gehen, bedarf anfangs einiger anstrengungen.

doch wurde einmal das zulassen des zufalls praktiziert fällt es danach nicht mehr so leicht, dahinter zurückzuschreiten. der genuss freiraum zu erleben ist wie ein virus, der sich langsam in vielen zusammenhängen ausbreitet. die überwindung von inneren zensoren gibt ein gespür dafür, wie viel kreatives potential in jedem menschen steckt. kreatives schreiben und zufall fördert den genuss der eigenen ideen (und im austausch mit anderen das schätzen der ideen der kollegInnen). diese vorgänge sind nicht damit zu verwechseln, sich die welt schön-zu-schreiben. sie fördern nur einen authentischeren ausdruck, der auch schmerzhaft oder frustriert ausfallen darf. nur vorhersagbar ist er nicht.

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