Tagesarchiv: 4. Juni 2012

schreibpädagogik und zufall

wer schon öfter schreibgruppen geleitet hat, weiß, wie unterschiedlich die gruppen sein können. alle teilnehmerInnen ergeben ein neues ganzes, das mit keiner anderen gruppe vergleichbar ist. darum unterliegen auch die ergebnisse von schreibgruppen von anfang an dem zufall. denn die konstellation einer gruppe hat immer auswirkungen auf das geschriebene. noch auffälliger wird dies bei schriftlichen arbeiten zu mehreren. man kann wenige verallgemeinerungen darüber anstellen, wie schreibgruppen im allgemeinen verlaufen.

man sollte als schreibgruppenleitung immer für die zufälle offen sein. denn wenn die gruppen so unterschiedlich sind, dann sind auch die vorschläge und ideen aus der gruppe heraus, was man mal machen könnte, sehr unterschiedlich. Klammert man sich als leitung in diesen momenten an sein konzept entgehen einem selber eine menge ideen und anregungen, die man wieder in anderen zusammenhängen aufgreifen kann. schafft man es aber, die zufälligen entwicklungen und ideen in die schreibgruppe zu integrieren, wird man jedesmal eine lebhafte gruppe erleben, die garantiert ebenso vielfältige und lebhafte texte verfasst.

eigentliche ist eine schreibgruppenleitung nichts anderes als eine große klammer um ein bündel zufälle. man kann sich noch so gut auf die schreibgruppentreffen vorbereiten, versuchen Weiterlesen

wie man den spass am schreiben abgewöhnt (08)

kleinliche korrektur

schreiben kann auch menschen, die sich in der rechtschreibung und grammatik nicht so gut auskennen, viel spaß machen. leider verschwindet die freude am schreiben sehr schnell, wenn das augenmerk mehr auf die fehlerkorrektur gelenkt wird, denn auf den inhalt der texte. natürlich kann ein text anstrengend sein, wenn die schreibfehler den inhalt enorm verändern und der lesefluss vollständig unterbrochen wird. doch dies ist selten der fall. wir menschen sind erstaunlicherweise fähig, nur andeutungen von worten und aussagen trotzdem zu entschlüsseln und aufgrund unserer leseerfahrungen zu ergänzen.

also könnte man sich getrost dem inhalt zuwenden und die geschichten, aussagen oder ereignisse genießen. doch da sind wieder einmal das „lernziel“ oder die „vergleichsvorgaben“ vor. teilweise wird beim schreiben von aufsätzen, von stories oder von abschlussarbeiten vor allen dingen der rotstift der fehlerkorrektur gezückt. auch das wäre noch nicht so tragisch, wenn in der endbewertung eines textes vor allen dingen der inhalt beurteilt werden würde. aber es kommt immer noch zu oft vor, dass die fehlerkorrektur in den vordergrund gedrängt wird.

dies führt zum beispiel bei menschen mit schreibschwächen (legasthenie etc.) oder bei menschen, die deutsch als fremdsprache erleben, schnell zu frustrationen. da hat sich jemand eine tolle, fantasievolle geschichte ausgedacht und niedergeschrieben und dann wird der inhalt kaum beachtet. und selbst wenn jemand rechtschreibung und grammatik ganz gut beherrscht, so kann es doch jedem passieren, dass man dinge übersieht. selbst nach dreimaligem korrekturlesen können noch fehler auftauchen.

ich möchte hier nicht generell gegen die fehlerkorrektur argumentieren. die kann und soll stattfinden, auch um beim schreiben stetig etwas dazu zu lernen. aber sie muss nicht im vordergrund stehen. spaß man schreiben macht sicherlich nicht Weiterlesen