biografisches schreiben und alter

als jugendlicher schreibt man nicht unbedingt eine autobiografie (obwohl es auch beinahe jugendliche (er)lebensberichte gibt). die meisten menschen kommen erst nach dem ausscheiden aus dem beruflichen leben auf die Idee, ihr eigenes leben aufzuschreiben. oder bekannte und verwandte bitten sie darum, doch einmal die spannende lebensgeschichte zu notieren. immer wieder entbrennt danach bei biografien der streit, ob das beschriebene denn wirklich so gewesen sei oder ob nicht manche darstellungen geschönt und auslassungen gemacht wurden.

doch die form des umgangs mit der eigenen lebensgeschichte ist auch in jungen jahren kein anderer. ganz gleich welches alter man hat, biografisches schreiben geschieht immer beeinflusst von der aktuellen lebenssituation. in jüngeren jahren blendet man eventuell andere dinge aus, als in älteren jahren. dafür blickt man im alter mit mehr erkenntnissen und erfahrungen auf das eigene leben zurück und kann es vielleicht in einen größeren zusammenhang stellen. eine objektive (auto)biografie gibt es nicht. selbst bei der aneinanderreihung von puren daten ist schon die auswahl der daten eine subjektive.

also kann man nur empfehlen, sich erst gar nicht außergewöhnlich zu bemühen, bei den beschreibungen immer objektiv zu sein. vielmehr sollte man zeit und energie auf ein paar (schreib)techniken verwenden, die einem das erinnern erleichtern und die „verschüttetes“ wieder zu tage befördern. denn meist erinnert man sich im laufe der zeit an mehr, als man vorher annahm. einmal angefangen mit der erinnerungsarbeit fallen einem stück für stück weitere details ein. und sollte dies nicht der fall sein, tut es einer biografie keinen abbruch, wenn man schreibt, dass man sich an manche details nicht mehr erinnern könne.

spannender scheint mir beim biografischen schreiben der blick darauf, was das alter mit einem macht. hat man das gefühl, dass sich in bezug auf die eigenen einstellungen und vorstellungen etwas verändert hat? hat man im laufe der jahre eine neues lebenskonzept für sich entwickelt? wie geht man mit dem prozess des alterns um? was sind die vorteile des alters, wo liegen die nachteile für einen? welche rolle nimmt man als alter mensch ein? und – wahrscheinlich eine der drängenden fragen für viele ältere menschen- welche haltung nimmt man zum sterben und zum tod ein?

für viele menschen bedeutet das verlassen des berufslebens auch eine befreiung. es ist die befreiung, noch mehr das sagen und denken zu dürfen, das einem wichtig ist. vorher existieren oft scheren im kopf, da man seine berufliche rolle nicht untergraben möchte, da man über manches nicht schreiben darf und kann. der rückblick kann das gefühl der befreiung noch verstärken. man legt gedanken im wahrsten sinne des wortes ab, die man lang mit sich herumgetragen hat. biografisches schreiben ist im alter auch eine form der verarbeitung von problemen. und da es die einbindung in strengere soziale regeln wie das arbeitsleben nicht mehr gibt, entsteht bei vielen älteren menschen eine größere gelassenheit (obwohl andere wieder berichten, dass sie immer ungeduldiger werden, da ihnen die zeitliche begrenzung ihres lebens bewusster wird).

biografisches schreiben im alter ist eine gute möglichkeit, dinge und ereignisse festzuhalten, die man in ein paar jahren vielleicht nicht mehr erinnert. einmal aufgeschrieben, gehen sie nicht mehr verloren und können für einen selber sogar eine stütze sein. warum nicht alles noch einmal bewusst revue passieren lassen?

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