biografisches schreiben und wohnen

wenn man sich den zeitschriftenmarkt und die ladenzeilen anschaut, dann sieht man schon, welche bedeutung wohnen bei uns hat. wenn man sich dann noch den werbespruch eines schwedischen möbelhauses ins gedächtnis ruft (wohnst du noch oder lebst du schon?), dann zeigt sich die enorme bedeutung des wohnens bei uns. und wenn man es dann mit anderen regionen auf dieser welt vergleicht, dann leben wir im luxus.

es ist nicht neu für unsere gesellschaft, dass wohnen eine große rolle spielt. selbst vor hundert jahren gab es moden für möbel und schnickschnack in wohnungen. doch damals waren die gedanken über die wohnungseinrichtung den wohlhabenden menschen vorbehalten. heute ist wohnung-einrichten ein zweig der privatsender. und je stärker das „nesting“ voranschreitet, also der zwischenzeitliche rückzug ins private, ins eigene nest, desto größer die bedeutung der eigenen vier wände.

beim biografischen schreiben kann man seine eigenen wohnkonzepte aufgreifen. es geht nicht nur darum, welche möbel einem gefallen haben, welches der erste größere wohnraum war, den man selbst einrichtete, sondern es geht auch darum, in welchem wohnumfeld man lebte oder leben wollte. ist man, nachdem man das zuhause verlassen hat, in eine wg, eine eigene wohnung oder schon ins selbstgebaute haus gezogen? wohnte man am rand einer stadt, mitten in der stadt oder doch lieber auf dem land? warum das alles? was waren die eigenen beweggründe für die gewählte wohnsituation?

natürlich kann man sich auch gedanken darüber machen, wie viel zeit man darauf verwendet, das eigene wohnen nach den eigenen vorstellungen zu gestalten. wie hoch sind die ansprüche? und vor allen dingen, welche bedeutung hat das wohnen für einen selber? was ist meine wohnung für mich? rückzugsort, treffpunkt, schlafplatz, familienlebensraum, arbeitsplatz, statussymbol oder vielleicht nur aufbewahrungsort von besitz? außerdem gehört es natürlich zum biografischen schreiben, auf der zeitlinie des eigenen lebens zu betrachten, wie sich die bedürfnisse in bezug auf das wohnen gewandelt haben. so ziehen zum beispiel viele, wenn sie eine familie gegründet haben, von der stadtmitte an den stadtrand.

und da wohnen auch immer ein ansammeln von gegenständen und erinnerungen ist (jedenfalls bei vielen von uns), gibt es natürlich auch schon längst eine gegenbewegung: die reduzierung auf das wesentliche. auch dies ein luxusgedanke, wenn man andere menschen auf der welt betrachtet. wer nur das wesentliche zum leben hat, da er sich nichts anderes leisten kann, der kann teilweise schwer verstehen, wie man sich feng-shui-gedanken machen kann.

zeichnen sie doch einmal ihre wohnung oder ihr haus auf. suchen sie sich die für sie wichtigen gegenstände aus, malen sie sie auf und schreiben sie einen kurzen text dazu. woher kommt für sie die bedeutung des blauen sofas oder des buffets von oma? und wie möchten sie in zukunft wohnen? was wäre ihnen noch wichtig? leben sie noch oder wohnen sie schon?

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