biografisches schreiben und engel

die überschrift mag ein wenig befremdlich für menschen klingen, die nicht an engel glauben. es handelt sich dabei auch eher um ein gedankenspiel, denn um eine glaubenseinstellung. mit engeln verbindet man gewisse eigenschaften: dass einem gutes durch sie widerfährt, dass sie hilfreich sind, dass sie einen beschützen, betreuen, hegen und pflegen, dass sie selbstlos sind und keine gegenleistung erwarten und vieles mehr.

beim biografischen schreiben kann man einmal schauen, ob es mitmenschen im laufe des eigenen lebens gibt, die diese eigenschaften widerspiegeln. oder hat man selber die rolle eines engels für andere menschen übernommen? werfen sie einen blick auf ihre sozialen interaktionen. nutzen sie das konstrukt des engels, um unterschiede zwischen den verhaltensweisen ihrer mitmenschen festzustellen und fragen sie sich, wie sie damit umgehen. gibt es zum beispiel menschen, denen sie noch einmal dafür danken möchten? gibt es menschen, von denen sie sich distanzieren möchten, da sie weder engel noch angenehmer mitmensch sind oder waren?

die vorstellung von engeln ist eine brücke, sich der beziehung zu anderen menschen ein wenig bewusster zu werden. man kann natürlich noch einen schritt weiter gehen und sich fragen, wann man in seinem leben einen schutzengel hatte. es gibt eigentlich im leben jedes menschen situationen, die auf die eine oder andere weise brenzlig waren und man das glück hatte, dass einem nichts geschah, dass alles gut ausging. wie ist man im nachhinein mit solchen situationen umgegangen? hatten sie einen effekt auf das eigene verhalten oder vertraute man darauf, dass man immer einen schutzengel haben wird?

und dann kann man für sich schauen, ob es menschen im eigenen leben gab oder gibt, für die man in zukunft eine engelsgleiche funktion einnehmen möchte. und um es auf die ganz profane finanzseite herunterzubrechen: möchte man vielleicht eine stiftung gründen, um anderen die hilfe zukommen zu lassen, die man einmal selber erfahren hat? oder möchte man sich irgendwo ehrenamtlich engagieren, ohne gegenleistungen zu erwarten? oder ist man genervt von dem leistungs-gegenleistungs-denken und möchte deshalb strukturen in seinem verhalten und leben ändern? dies alles kann man mit hilfe der engelsvorstellung beim biografischen schreiben ein wenig durchleuchten.

so kann man zum beispiel einen himmel malen und dort die menschen platzieren, die für einen die rolle eines engels einnahmen. wenn man sich dies veranschaulicht hat, lässt sich das bild in einen text umwandeln. meist wird man mehr menschen in der flügelfigurfunktion vorfinden, als man vorher gedacht hätte. man kann ihnen einen platz in der eigenen biografie einräumen. und man kann für sich schauen, welche unterstützung man selber als sehr hilfreich erlebt hat. manchmal sind dies andere dinge, als man sich immer vorgestellt hat. engel sind beim biografischen schreiben ein guter selbstreflexionsanlass.

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