schreibberatung und coolness

wie hier schon öfter beschrieben, spielen bei (schreib)beratungen unsicherheiten der klientInnen am anfang oft eine rolle. dabei handelt es sich um einen mix aus scham (hilfe zu benötigen), angst (was kommt da auf mich zu?) und misstrauen (hilft mir das hier überhaupt?). ein ausdruck dieser unsicherheit kann coolness sein.

ich kenne aus meinen langjährigen beratungstätigkeiten ein auftreten von klientInnen, das im ersten moment den eindruck hinterlässt, es gebe überhaupt kein problem. als berater fragt man sich, weshalb denn jemand in beratung kommt, wenn es scheinbar keine schwierigkeiten gibt. die menschen sind cool. sie überdecken in einer sehr professionellen art alle unsicherheiten und leider auch alle probleme. darum kann man als berater erst einmal nicht weiterhelfen.

sinnvoll war es dann immer, die frage weiterzugeben: „ich habe den eindruck, es gibt überhaupt keine schwierigkeiten, es klingt doch alles gut und in ordnung. vielleicht benötigen sie gar keine beratung.“
erst in diesem moment realisierten viele klientInnen, dass ihre aussenerscheinung nicht mit ihren gedanken und emotionen übereinstimmen. doch manchmal wird es auch in diesem moment nicht realisiert. die ratsuchenden bestätigen sogar, dass alles in butter zu sein scheint. da ist es hilfreich, die beratung zu beenden, da es augenscheinlich keinen beratungsbedarf gibt.

nicht sinnvoll scheint es mir, spekulationen darüber anzustellen, warum jemand, wenn er eine (schreib)beratung aufgesucht hat, nicht benennt, um was es eigentlich geht. ich als berater kann dies nicht wissen und helfe weder mir noch dem klienten durch mein rätseln darüber. wenn eine beratung beendet wird, kann jederzeit ein neuer termin vereinbart werden. und manchmal benötigt es diese zwischenstufe, um beim weiteren termin die eigentlichen schwierigkeiten zur sprache bringen zu können.

in der professionellen schreibberatung werden diese formen der coolness seltener vorkommen, da die beratung geld kostet. so profan es klingen mag – umsonst ausgegebenes geld wirkt auch auf das verhalten von klientInnen (nicht bewusst), und bestärkt den wunsch nach veränderung. es fällt schwerer, eine beratung ergebnislos zu verlassen.

generell sollten schreibberaterInnen die coolness nicht als hürde im beratungssetting betrachten, sondern als chance, die differenz zwischen innerem empfinden und der aussenwirkung zu thematisieren. schreibblockaden und -krisen können eng mit dieser differenz zusammenhängen. und nur klientInnen können benennen womit diese form des auftretens zusammenhängt. erst dann können gemeinsam handlungs- und lösungsmöglichkeiten gesucht werden, zum beispiel um nicht immer nach außen den eindruck zu vermitteln, dass einem das schreiben ganz locker von der hand gehe, obwohl es eine große quälerei ist.

abgesehen von den befindlichkeiten der klientInnen reproduzieren sie durch ihre coolness auch anderen menschen gegenüber die auffassung, dass schreiben ja nun wirklich keine probleme machen dürfte. diese wiederholungsschleife kann auch sie selber wieder unter druck setzen. coolness ist also kein problematisches verhalten innerhalb einer schreibberatung, sondern nur ein ausdruck der zwickmühle.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s