Tagesarchiv: 6. Juli 2012

biografisches schreiben und coolness

cool sein kann zur lebensaufgabe werden. meist wird die haltung der coolness mit männern verbunden. man nehme zum beispiel einen echten kerl, versiert in kampftechniken und kriegsführung, mit spiegelverglaster sonnenbrille, der in der kommunikation nur zu einzelnen, kurzen und knappen antwortsätzen fähig ist. in seinem öffentlichen auftreten möchte der coole mann keine näheren kontakte aufbauen und schon gar nicht emotionen äußern.

so das klassische bild der coolness. seitdem ich den begriff „coolness“ hier im blog bespreche, landete prompt die suche „ist weinen cool?“ hier auf der seite. anscheinend hat sich in der vorstellung, was coolness sein könnte und was nicht, einiges verändert. coolness ist auch schon länger nicht mehr auf das männliche geschlecht beschränkt. beim biografischen schreiben kann man für sich vielleicht erst einmal festhalten, was man selber unter „cool sein“ versteht. denn nur wenn man seine eigene erklärung gefunden hat, kann man auch schauen, ob man nun im laufe seines lebens öfter cool war oder nicht.

und dann kann man den blick auf die eigene lebensgeschichte noch zusätzlich verändern: war man in situationen cool, in denen es im nachhinein betrachtet viel sinnvoller gewesen wäre, wenn man emotionen gezeigt hätte, sich gehen lassen hätte oder geflohen wäre? wie oft stand man sich mit coolness selbst im weg und wie oft erreichte man durch coolness positives im laufe seines lebens? wie oft war coolness bei einem selber eher ein ausdruck von unsicherheit, angst oder scham? wo hat man überhaupt gelernt, cool zu sein? oder war man vielleicht nie in seinem leben cool und findet dies auch weiterhin nicht erstrebenswert?

der blick kann noch stärker geweitet werden: kennt man coole menschen? und welche coole menschen Weiterlesen

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wortklauberei (110)

„gottesteilchen“

nun, blasphemie ist das hier nicht. eher eine seltsame begebenheit, wie namen entstehen können. also da fanden wissenschaftlerInnen wahrscheinlich das higgs-teilchen (http://de.wikipedia.org/wiki/Higgs-Boson) im cern-forschungszentrum. wissenschaftlich eine sensation, wenn dem wirklich so sein sollte. aber dann macht eben auch der begriff „gottesteilchen“ die runde, eine doch etwas seltsam anmutende bezeichnung.

doch der name führt in die irre, wie man vorgestern abend im zdf erfahren konnte: ursprünglich wurde es einmal auf englisch als das „gottverdammt-nicht-zu-findende-teilchen“ bezeichnet. und eine fehlerhafte wiedergabe dieser bezeichnung (die neben dem fluch auch nicht unbedingt eine klare beschreibung liefert) führte zum „gottesteilchen“. erstaunlich, dass solche sprachlichen ausrutscher eher übernommen als verworfen werden.

für menschen, die nur an den einen gott glauben, ist unvorstellbar, dass es teilchen von ihm gibt oder dass gott teilchen hergibt. er hat in den augen der gläubigen die welt an sieben tagen erschaffen (also eigentlich an sechs) und später nichts mehr hinzugefügt oder weggenommen. geschöpft ist geschöpft. also würde gott nie andere teilchen schöpfen, die wiederum ihm selber entstammen.

man könnte aber noch anders an die sache rangehen, und die meinung verbreiten, dass es so ein wichtiges teilchen ist, dass es nur eine der ersten schöpfungen gottes sein kann. darum nennt man es „gottesteilchen“. dann hätte aber die gottesanbeterin zu unrecht ihren namen. zudem könnte man in zukunft, um den fluch und den glauben beiseite zu lassen, nur noch vom „higgs-teilchen“ reden. damit würde man den theoretiker, der das teilchen vermutete, ehren und benennen. nur leider bekommt das teilchen im deutschen ausgesprochen einen stark alkoholischen beigeschmack und verführt immer wieder dazu, die ernsthaftigkeit der erkenntnis in die humorvolle ecke zu drängen.

wie wäre es da mit dem namen „universum-schaffendes-masse-teilchen“ (usmt)? leider geht auch das nicht. bedeutet dies bei microsoft doch „user state migration tool“. schwer ist es, einfach schwer mit der wissenschaftssprache. alternativvorschläge werden gern entgegengenommen. 😉