biografisches schreiben und coolness

cool sein kann zur lebensaufgabe werden. meist wird die haltung der coolness mit männern verbunden. man nehme zum beispiel einen echten kerl, versiert in kampftechniken und kriegsführung, mit spiegelverglaster sonnenbrille, der in der kommunikation nur zu einzelnen, kurzen und knappen antwortsätzen fähig ist. in seinem öffentlichen auftreten möchte der coole mann keine näheren kontakte aufbauen und schon gar nicht emotionen äußern.

so das klassische bild der coolness. seitdem ich den begriff „coolness“ hier im blog bespreche, landete prompt die suche „ist weinen cool?“ hier auf der seite. anscheinend hat sich in der vorstellung, was coolness sein könnte und was nicht, einiges verändert. coolness ist auch schon länger nicht mehr auf das männliche geschlecht beschränkt. beim biografischen schreiben kann man für sich vielleicht erst einmal festhalten, was man selber unter „cool sein“ versteht. denn nur wenn man seine eigene erklärung gefunden hat, kann man auch schauen, ob man nun im laufe seines lebens öfter cool war oder nicht.

und dann kann man den blick auf die eigene lebensgeschichte noch zusätzlich verändern: war man in situationen cool, in denen es im nachhinein betrachtet viel sinnvoller gewesen wäre, wenn man emotionen gezeigt hätte, sich gehen lassen hätte oder geflohen wäre? wie oft stand man sich mit coolness selbst im weg und wie oft erreichte man durch coolness positives im laufe seines lebens? wie oft war coolness bei einem selber eher ein ausdruck von unsicherheit, angst oder scham? wo hat man überhaupt gelernt, cool zu sein? oder war man vielleicht nie in seinem leben cool und findet dies auch weiterhin nicht erstrebenswert?

der blick kann noch stärker geweitet werden: kennt man coole menschen? und welche coole menschen findet man beachtens- oder bewundernswert? letztendlich geht es beim biografischen schreiben zum thema coolness immer wieder um den eigenen umgang oder den umgand der anderen mit emotionen. wie offen darf man zum beispiel in kriegssituationen als soldat seine gefühle zeigen? ist es hilfreich als bekannter künstler seine seele in interviews oder reportagen offen zu legen? wo im eigenen leben musste man sich gut abgrenzen und erreichte dies durch eine emotionale mauer, die man aufbaute?

zum abschluss könnte man dann noch einen blick in die zukunft werfen: in welchen zusammenhängen möchte man in der zukunft cooler werden? in welchen zusammenhängen möchte man seine coolness ablegen können? und wie gehen andere menschen auf das eigene verhalten ein, möchte man daran etwas ändern?

natürlich kann man beim biografischen schreiben auch kleine exkurse einflechten, um sich selbst zu vergewissern: gerade beim betrachten eigener emotionen und beim beschreiben des umgangs damit, lohnt ein blick auf die funktion von emotionen. wie wichtig sind sie in unserem zusammenleben und wie wichtig sind sie einem selber. coolness ist ein einstieg von vielen in das thema „gefühle“ beim biografischen schreiben.

p.s.: man kann natürlich auch eine coole biografie schreiben 😎

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