wie man den spass am schreiben abgewöhnt (12)

alles aufräumen

dieser beitrag ist nun der übergang zu den selbstverursachten abgewöhnungsstrategien. sie hängen natürlich mit den bisher gemachten erfahrungen in bezug auf das schreiben und den schreibprozess zusammen. sie stehen nicht für sich allein im raum und entspringen einer persönlichen laune. „alles aufräumen“ ist eine vorgehensweise, um den einstieg ins schreiben zu umgehen, zu verhindern und teilweise selbst zu boykottieren. daher wird das vorgehen selten positiv erlebt, sondern eher als belastung, die man nicht abstellen kann.

doch erst einmal eine typisierung: es gibt zwei arbeitstypen unter den menschen: die einen, die früh mit einer aufgabe anfangen, sie für sich strukturieren und planen und das ziel konsequent verfolgen. und dann gibt es den arbeitstypen, der die besten und effektivsten ergebnisse erreicht, wenn er auf den letzten drücker handelt und arbeitet. zwischen den beiden polen von arbeitstypen gibt es viele unterschiedliche varianten an arbeitsstrategien. doch die meisten menschen tendieren in eine der beiden richtungen.

beide arbeitstypen kommen am ziel an, beide liefern die geforderte arbeit ab und beide haben die gleiche zeit zur verfügung. es gibt also qualitativ im ergebnis keinen unterschied. und ganz wichtig, es gibt auch keinen bewertung, welche arbeitsweise besser oder schlechter ist. allein die emotionale befindlichkeit kann für den einzelnen menschen ein kriterium sein. wann wird der arbeitsprozess (schreibprozess) oder der einstieg in den arbeitsprozess (einstieg in den schreibprozess) quälend und unangenehm? dann sollte man einen blick darauf werfen, welche form des arbeitens man bevorzugt. denn: weiß man, wie man am liebsten arbeitet, bekommt man auch kein schlechtes gewissen oder zweifel, ob das alles so richtig ist, wie man das gerade handhabt.

womit ich beim „aufräumen“ bin: wenn ich weiß, dass ich am effektivsten arbeite, wenn ich auf den letzten drücker arbeite, dann muss ich mir in der zeit vorher keine ausreden überlegen, warum ich nicht schon am schreibtisch sitze und schreibe. also kann ich es sein lassen mit den ausweichhandlungen, wie das aufräumen der wohnung. weiß ich aber, dass ich eine klare struktur brauche, dann kann ich mir einen zeitplan erstellen, der für mich bindend wird. in diesen plan kann ich schon meine ausweichhandlungen einbauen, wenn ich weiß, dass ich eine unangenehme aufgabe vor mir habe. ich gebe mir pro tag zum beispiel zwei stunden zeit, die wohnung aufzuräumen. ist dies erledigt, setze ich mich entspannter ans schreiben und verurteile mich nicht für meine ausweichhandlungen.

man gewöhnt sich das schreiben eher dadurch ab, dass man der meinung ist, ausweichhandlungen seien sehr verwerflich. dabei kennt beinahe jeder mensch die situation, plötzlich fenster zu putzen, obwohl eine hausarbeit geschrieben werden sollte. geben sie den ausweichhandlungen und ihren arbeitsweisen genug raum und zeit, und vieles wird entspannter. gestehen sie sich zu, dass sie nicht wie ein räderwerk funktionieren und auf befehl schreiben können (auch wenn dies bei regelmäßiger übung umsetzbar sein mag). schreiben sie über ihr aufräumen, ihre ausweichhandlungen. notieren sie, was sie gemacht haben. dann haben sie sich selbst überlistet und den einstieg ins schreiben schon gefunden.

verurteilen sie sich auch nicht dafür, dass sie vielleicht auf den letzten drücker schreiben. können sie mit den ergebnissen im nachhinein zufrieden sein, dann gibt es keinen grund, andere wege einzuschlagen. zusammenfassend: selten sind es die eigenen arbeitsweisen, die einem das schreiben abgewöhnen. häufig sind es die gelernten bewertungen der eigenen arbeitsweisen, die einem das schreiben stück für stück erschweren. und befindet man sich einmal in der schleife des schlechten gewissens und des steten aufräumens, dann wird es vielleicht irgendwann unmöglich, zum stift zu greifen.

es gibt nur einen einzigen aspekt, der wirklich schwer zu klären ist: wenn zwei verschiedene arbeitstypen gemeinsam an einem text arbeiten müssen. hier besteht nur die möglichkeit, die jeweiligen arbeitsweisen voreinander offenzulegen und zu klären, ob man einen modus findet, einen kompromiss eingehen kann, um sich an einem punkt zu treffen, der beiden ein relativ unbeschwertes arbeiten (schreiben) ermöglicht. denkbar wäre es zum beispiel, dass den zögerern bis zum schluss, diverse abschlusstermine gesetzt werden. und den strukturierten, geplanten arbeitern wird von vornherein die freiheit gegeben, sich die zeit selbst zu strukturieren, bis auf die wenigen zwischentermine, die auch von den zögerern einzuhalten sind. das aufräumen und fensterputzen dürfen beide so integrieren, wie sie lustig sind. klar ist, zum zwischenergebnis muss etwas vorliegen.

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