schreibberatung und verwandlung

ein teil der menschen, die schreibberatungen aufsuchen, erhoffen sich, dass die gute fee vor ihnen sitzen möge, die in zauberhafter geschwindigkeit alle schreibschwierigkeiten beseitigt. diese form der verwandlung kann die schreibberatung leider nicht bieten. (ähnliche hoffnungen gibt es auch bei psychologischen beratungen, da das bei „kalwass“ immer so schnell geht).

um es auf den punkt zu bringen: schreibberatungen können zu einer veränderung und verwandlung des schreibverhaltens und schreibprozesses führen. zeitangaben, wie schnell eine veränderung eintritt, kann niemand guten gewissens machen. schreibberaterInnen verfügen über keinen zauberstab, sondern können nur zusammen mit den klientInnen gemeinsam nach lösungsmöglichkeiten für schreibhemmungen oder -blockaden suchen. beraterInnen können für die jeweilige problematik schreibtechniken aufzeigen, die, wenn sie ausprobiert werden, einen effekt haben.

neben dem erleben diverser effekte beim durchführen von schreibübungen spielt noch die emotionale und mentale reaktion auf den effekt eine große rolle. wenn ich realisiere, dass ich wieder ins schreiben komme, dann sollte dies auch positiv verbucht und nicht abgewertet werden. doch darauf haben schreibberaterInnen erst einmal keinen einfluss. dies hat viel mit dem subjektiven erleben der einzelnen zu tun. und so sind auch die reaktionen auf veränderungen im schreibverhalten individuell und klientIn zu klientIn verschieden.

so geht eine verwandlung des schreibverhaltens auch mit einer verwandlung der einstellung zum schreibverhalten einher. doch das ist oft leichter gesagt als getan. denn jahre- oder jahrzehntelang gelernte selbstabwertung des geschriebenen oder des schreibens, muss erst wieder verlernt werden.
ein beispiel: jemand kommt in eine schreibberatung, bespricht mit dem berater die aktuellen schreibschwierigkeiten, bekommt ein paar ihm bis dahin unbekannte schreibtechniken an die hand und probiert sie anschließend zuhause aus. plötzlich klappt es, ganz gleich zu welcher tageszeit und in welchem moment, zu schreiben. nun könnte man meinen, der klient freue sich über diese veränderung, erlebe sie als positiven effekt und bleibe dran, arbeite weiter an einer veränderung. doch nein, zur nächsten beratung teilt der klient dem berater mit, dass die vorgeschlagenen schreibtechniken nichts für ihn seien, da nur oberflächliche und qualitativ minderwertige texte dabei entstünden. mit diesen texten könne er nichts anfangen. in dieser beispielhaften beratung geht es nicht nur um die motivation zu schreiben, sondern es geht auch um einen hohen anspruch an das eigene schreiben, der gleichzeitig alle schreibergebnisse sofort wieder relativiert. eine verwandlung des eigenen bewertungsmaßstabs, das lernen von toleranz sich selbst gegenüber und die gewissheit, einen text stetig verbessern zu können, wenn notwendig, dies alles zu „erlernen“ benötigt zeit. denn es wird den alten verhaltensweisen entgegengelernt – und wie schon geschrieben, über lange zeit gelerntes lässt sich nicht so leicht ablegen.

aber, wenn sich effekte summieren, dann kann man früher oder später mit einer verwandlung des eigenen schreibverhaltens rechnen. und der schöne nebeneffekt dabei: sind die alten verhaltensmuster einmal verlernt und durch neue ersetzt worden, dann kann man auch die neuen muster nicht mehr so leicht verlernen, sie bleiben einem bis zur nächsten verwandlung, sollte es eine geben, erhalten. das kann schreibberatung im laufe der zeit erreichen.

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