schreibpädagogik und verwandlung

schreibgruppen wandeln sich, wie andere gruppen auch, beständig. die klassischen phasen der gruppendynamischen entwicklung lassen sich bei ihnen ebenso nachvollziehen. doch mir geht hier um die besonderheiten der verwandlung einer schreibgruppe. wie zu erwarten hat dies mit der entwicklung der teilnehmerInnen zu tun.

nach der phase des kennenlernens gibt es in schreibgruppen meist noch eine recht große zurückhaltung, den anderen teilnehmerInnen eigene texte zur verfügung zu stellen. es ist für alle mitglieder einer schreibgruppe ein großer vertrauensvorschuss gegenüber den anderen, eigene geschichten zur diskussion zu stellen. denn in jeden schreibprozess fließen auch persönliche anteile ein und man möchte, dass mit der eigenen veröffentlichung angemessen umgegangen wird. als schreibgruppenleitung kann man diesen prozess steuern, indem man vom ersten moment an feedbackregeln mit den teilnehmerInnen festlegt. auf diese regeln können sich alle verlassen.

im laufe der zeit hilft dieser abgesicherte modus beim schritt in die öffentlichkeit. es ist meist zu beobachten, dass nach anfänglicher zurückhaltung, die eigenen texte vorzutragen, alle das bedürfnis verspüren, rückmeldungen zu ihren texten zu erhalten. hat einmal bei einer feedbackrunde jemand den anfang gemacht, reihen sich meist die teilnehmerInnen willkürlich aneinander. und, was mir an dieser verwandlung am wichtigsten ist, es verursacht weder probleme noch diskussionen, wenn einzelne teilnehmerInnen einzelne texte nicht vorstellen wollen. ohne feedbackregeln kommt es eher zu situationen, in denen einzelne teilnehmerInnen gedrängt werden, ihre texte zu verfügung zu stellen. hier sollte man als gruppenleitung auf die verwandlung der gruppe vertrauen.

für die veränderung des gruppenverhaltens förderlich ist auch die kleingruppenarbeit. diese ermöglicht eine diskussion, überarbeitung und verbesserung der texte in kleiner runde und eine intensive gegenseitige auseinandersetzung. da eben alle die unsicherheit kennen, eigene texte zur verfügung zu stellen, ist auch mit gegenseitiger achtung zu rechnen. sollten einmal grenzen im feedback überschritten werden (deutung der person, abwertung der kompetenzen, feedback obwohl es nicht eingefordert wurde), ist es an der schreibgruppenleitung einzuschreiten und noch einmal auf die feedbackregeln zu verweisen.

zusätzlich kann man die verwandlung des gruppenverhaltens durch schreibanregungen, die zu zweit oder zu mehreren durchgeführt werden müssen, fördern. hier sind die teilnehmerInnen gefordert, sich auf die anderen teilnehmerInnen einzulassen. geschieht dies nicht, lassen sich die gemeinsamen schreibübungen schwer umsetzen. doch die meist positive (und häufig amüsante) erfahrung, einen kreativen prozess gemeinsam zu gestalten, führt zu einer vertrautheit in der gruppe, die das vorlesen der texte erleichtert.

die verwandlung der schreibgruppen in eine gruppe, die gemeinsame kreative prozesse schätzt und sich über ihre ergebnisse austauschen möchte, bietet allen die möglichkeit, den eigenen schreibprozess stetig weiterzuentwickeln. das hat zur folge, dass zeitlich begrenzte schreibgruppen oft das angebot nicht beenden wollen und sich darum lieber in eine offene oder eine andauernde schreibgruppe mit oder ohne anleitung verwandeln. das hängt sicherlich auch mit der erfahrung zusammen, dass man endlich ein umfeld gefunden hat, in dem man das eigene interesse mit anderen teilen kann. denn abseits der großen städte ist es in bezug auf das schreiben und das lesen oft nicht so einfach, mitstreiterInnen zu finden.

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