schreibpädagogik und arbeit

schreibpädagogik ist nichts anderes, als der versuch, menschen über die verschiedensten wege zum schreibprozess anzuleiten. am umfassendsten kann man dies in einer schreibgruppen-arbeit verwirklichen. dabei wird man als schreibpädagoge zur anleitenden person der gruppe. und dies bedeutet, sich gedanken über die anleitung einer schreibgruppe machen zu müssen. denn auch in diesem arbeitsfeld gibt es sehr verschiedene vorstellungen von der praktischen umsetzung.

generell, wie bei allen anderen (lern)gruppen, kann man eine grobe vorplanung vornehmen, aber nie abschätzen, wie die einzelne gruppe sich zu den vorschlägen verhält. nun gibt es zwei möglichkeiten: stringent die eigenen vorgaben zu verfolgen und durchzusetzen (zum beispiel, wenn es sich um die umsetzung von lehrplänen handelt) oder dem eigentlichen gruppenprozess mehr gewicht zu geben und auf jede gruppe zugeschnitten das angebot zu verändern (mit der folge, dass die lernergebnisse einer gruppe sehr verschieden ausfallen).

um es einmal platt zu formulieren: die stringenz kostet weniger planungsaufwand dafür aber mehr durchsetzungsaufwand. die ausrichtung auf die gruppe kostet dafür mehr planungsaufwand, dafür ermöglicht sie aber individuelles lernen, das für die anleitung weniger energie benötigt. insgesamt benötigen aber beide vorgehensweisen die aktive auseinandersetzung mit den teilnehmenden durch die schreibpädagogInnen. dies ist arbeit. die wertigkeit sozialer und pädagogischer berufe ist in unserer gesellschaft nicht sehr hoch angesiedelt. es wird davon ausgegangen, dass kommunikation zwischen menschen keinen sehr hohen aufwand bedeutet.

die wissenschaft spricht da eine andere sprache. nimmt man einmal den dienstleistungssektor, dann hat man inzwischen festgestellt, dass ständige freundlichkeit und das eingehen auf die bedürfnisse der anderen, ungemein stresst. grund dafür ist, dass die eigenen emotionen in schach gehalten werden müssen, da sonst die gefahr, einen kunden zu verlieren, groß ist. auch die pädagogischen tätigkeiten verlangen hohe konzentration, da überhaupt eine atmosphäre zu entwickeln, in der lernende sich mit ihren anliegen an lehrende wenden können, stete aufmerksamkeit fordert.

letztendlich muss die fähigkeit zur entwicklung von empathie bei schreibgruppenleitungen hoch sein. man muss bei gruppendynamiken reagieren können, sollte alle teilnehmerInnen gleichzeitig wahrnehmen und letztendlich die persönlich hilfreiche förderung zur verfügung stellen können. und, dies scheint mir ganz wichtig, man trägt die verantwortung für andere menschen. das ist nicht zu unterschätzen. es ist eine unterschwellige hab-acht-stellung, die nicht bemessen werden kann, sich aber in der anspannung oder im energieverbrauch niederschlägt. auch erwachsene teilnehmerInnen geben einem bei einer schreibgruppe einen vertrauensvorschuss, den man zumindest zum teil, einlösen sollte.

schreibpädagogik ist also arbeit auf vielen ebenen. was ich hier überhaupt noch nicht betrachtet habe, was aber in den anderen posts erwähnt wurde, das ist die arbeit, kreatives, biografisches oder wissenschaftliches schreiben anzubieten und ideen zu entwickeln.

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