Tagesarchiv: 9. August 2012

schreibidee (388)

unsere zeit wird immer knapper (siehe posts vom 02.08.12), die erschöpfungszustände der menschen nehmen zu, die psychosomatischen erkrankungen und störungen steigen an und viele menschen fühlen sich ständig gehetzt. kaum haben sie urlaub, fällt es vielen schwer, sich überhaupt wieder runterzubringen und zu regenerieren. dabei gibt es so vielfältige möglichkeiten wie sauna, meditation, genussvoll essen, faulenzen, … darum eine schreibanregung zu „regenerationstexten“.

was benötigen wir zur regeneration? diese einstiegsfrage wird den schreibgruppenteilnehmerInnen gestellt. alle notieren sich ein paar stichpunkte und wählen anschließend drei punkte aus. zu diesen punkten entwerfen sie einen werbeslogan oder ein werbegedicht. zum beispiel: „neben flora und fauna, hilft zum entspannen auch die sauna!“. die slogans werden in der schreibgruppe vorgestellt.

im nächsten schritt wählen die teilnehmerInnen für sich aus, welche form der regeneration ihnen am besten gefällt. dabei können die werbesprüche, vielleicht auch anderer teilnehmerInnen, als überschrift aufgegriffen werden, um nun einen längeren text über diese regeneration zu schreiben. dabei sollen, wie in einem werbetext die vorzüge und benefits blumig geschildert werden. diese texte dürfen auch gern satirische züge annehmen. anschließend stellen alle teilnehmerInnen ihre lieblingsform in der schreibgruppe vor. es findet eine kurze feedbackrunde statt, in der auch eine rückmeldung gegeben wird, wie sehr man sich vom werbetext angesprochen fühlt.

nun sollen aber eigentliche regenerationstexte verfasst werden. hierzu kann im vorfeld in der schreibgruppe eine kurze diskussion geführt werden, ab welchem moment texte vielleicht zur regeneration beitragen. so kann es sich zum beispiel um meditationstexte oder „wohlfühl“texte handeln. es kann sich um kraftspendendes handeln oder um beruhigendes, positiv gedachtes und vieles mehr. es gibt keine weiteren vorgaben für den zu schreibenden text, die geschichte. anschließend werden die texte, eventuell auch in einem besonderen tonfall, ja nach idee, in der schreibgruppe vorgetragen. es findet eine ausführliche feedbackrunde statt, in der alle teilnehmerInnen benennen können, wie diese form der regeneration auf sie wirkt.

zum abschluss gibt es noch eine kleine persönliche schreibübung. alle schreibgruppenteilnehmerInnen formulieren für sich eine kurze list, in die sie ihre ganz persönlichen regenerationswünsche für die nächste zeit eintragen. dabei können auch gern daten genannt werden, wann diese form der regeneration umgesetzt werden soll. die liste wird nicht in der gruppe vorgetragen, sondern mit nach hause genommen und vielleicht umgesetzt.

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schreibberatung und klischee

beratung bietet sich für die verwendung von klischees an. wer schon länger in beratungszusammenhängen arbeitet, bekommt teilweise ein gespür dafür, welche problemlage bei bestimmten berichten oder äußerungen vorliegen könnte. viele ausbildungen zu beraterInnen arbeiten mit den vorstellungen von verallgemeinerbaren sachlagen und den dazugehörigen lösungsmöglichkeiten. das startet schon bei behörden, die beratungen anbieten und endet in der psychologischen beratung. dies wird, wie wir es wahrscheinlich alle aus beratungssituationen kennen, den subjektiven anliegen oft nicht gerecht.

das grundproblem liegt in einem reduzierten menschenbild, das teilweise auf ein reiz-reaktions-schema zurückzuführen ist. alle beraterInnen machen im laufe der zeit die erfahrung, dass kein beratungsfall mit einem anderen vergleichbar ist. nur leider fehlt oft eine angemessene theorie im hintergrund. aus der kritischen psychologie kommend, erscheint es mir wichtig, dass ein subjektorientierter blickwinkel eingenommen wird. als beraterIn bin ich gefordert, die anliegen der klientInnen in ihrer persönlichen dimension ernst zu nehmen. das bedeutet, das ein stressor für die eine person gut zu verarbeiten ist und für die andere person sofort sehr bedrohliche ausmaße annehmen kann. ich kann dies nicht von außen feststellen oder festlegen, sondern nur durch nachfragen ein bild von der situation bekommen.

wenn ich diese vorgehensweise ernst nehme und ebenso die klientInnen in ihren aussagen ernst nehme, dann kann ich überhaupt nicht mehr mit verallgemeinerungen arbeiten. ich kann zwar formulieren: „vielen menschen an dieser problemsituation geholfen, dass sie …“, aber ich muss im gleichen atemzug die frage nachschieben: „scheint ihnen diese vorgehensweise oder handlungsmöglichkeit umsetzbar? und wenn die klientInnen zu erkennen geben, dass dem nicht der fall ist, dann sollte ich gemeinsam nach weiteren, anderen handlungsmöglichkeiten suchen.

das einzige verallgemeinerbare in solch einem beratungskontext, ist mein pool an schon vorhandenen lösungsvorschlägen, den ich mir im laufe der zeit angeeignet habe. doch die emotionalen dimensionen für die einzelne person, die mir gegenübersitzt, kann ich nicht abschätzen. so lösen sich sehr schnell alle klischees in luft auf. ich kann in der schreibberatung nicht im vorfeld formulieren, dass zum beispiel doktorandInnen diese und jene schreibkrisen haben, schülerInnen wiederum andere benennbare und studierende noch einmal unterschiedliche, aber „übliche“. die heikelste situation, die in einer (schreib)beratung entstehen kann, ist, dass die klientInnen sich in ihren anliegen nicht ernst genommen fühlen. dies geschieht leicht, wenn ich sie ständig in vergleich setze zu „diagnostischen“ kriterien, die mir einmal vermittelt wurden.

diagnostik kann für mich in schreibberatungen nur eine orientierungslinie sein, die ich jederzeit verwerfen kann. mir sollte bewusst sein, dass ich meine bisherigen erfahrungen zwar einbringen, aber sie auch jederzeit Weiterlesen