Archiv der Kategorie: schreibaufgaben

schreibaufgabe (24)

dieses mal widmet sich die aufgabe den aktuellen witterungsbedingungen,. es sollen in den nächsten jahren die winter ja immer wärmer und feuchter werden. dies bedeutet, dass es in regionen, in denen es bisher nicht der fall war, viel schnee geben wird, viel zu viel schnee. so kann man sich manches katastrophenszenario der zukünftigen winter ausmahlen. wie wäre es zum beispiel, wenn vom kleinen berliner kreuzberg plötzlich lawinen abgingen? es soll also eine „winterliche katastrophen- oder abenteuergeschichte“ verfasst werden. diese darf bis zu 1000 worten lang sein.

vorstellbar ist vieles, angefangen bei schweren schneeverwehungen vor der haustür, steckengebliebenen zügen und zugeschneiten flughäfen über große lawinen und lieferengpässen bei waren. viel spaß beim verfassen der „flocken-flut“.

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bericht von dem jahrestreffen des segeberger kreises

 

einmal im jahr gibt es eine zusammenkunft von menschen, die sowohl interesse am kreativen schreiben haben als auch viel mit schreibpädagogik und der anleitung von schreibgruppen anfangen können. wie hier im blog schon einmal beschrieben gibt es einen verein, den segeberger kreis, der interessentInnen bündelt. gerade fand ein weiteres jahrestreffen dieses vereins statt.

für jedes jahrestreffen wird in einer vorbereitungszusammenkunft ein thema ausgewählt. dieses jahr handelte es sich dabei um „szenisches schreiben“. um alle teilnehmerInnen auf das thema einzustimmen, wird etliche zeit vorher ein „segeberger brief“ versendet, der vorschläge für arbeitsgruppen zum z.b. szenischen schreiben enthält.

das angenehme an diesen treffen ist aber, dass es nur vorschläge sind und am ersten gemeinsamen abend weitere hinzukommen können. nun wird allen teilnehmerInnen die möglichkeit gegeben, sich einer arbeitsgruppe zu zu ordnen. eine viertelstunde später sind die gruppen gebildet. dieses mal zum beispiel zu „lernen von den meistern“, „dialogcollagen“, „improvisation“ oder auch „tragödie oder komödie“. faszinierend ist es, wie unverkrampft diese zuordnung geschieht und wie oft doch die eigenen interessen bedient werden. es besteht auch jederzeit die möglichkeit, gruppen zu teilen, sollte das interesse am thema sehr groß sein.

dies ist deshalb so einfach, da es keine leitung von gruppen gibt. Weiterlesen

schreibaufgabe (23)

diese aufgabe kommt ganz schlicht daher. es gibt einen textanfang, der der auslöser für eine geschichte sein soll. was dann kommt bleibt den schreibenden überlassen. doch die geschichte sollte 900 worte nicht überschreiten. der textanfang lautet:

Sie lauschte der Musik, die sich für sie immer wie ein See um sie herum ausbreitete, in dem sie als Delfin schwimmt. In diesem Moment fiel der Strom aus.

mal sehen, was so ein abruptes stoppen der musik bei menschen auslösen kann 😉

10 fragen zur selbstbefragung von sabine

Fragen:

1. Welches ist für dich die schönste Art aufzuwachen?

2. Welchen ungeliebten Spruch deiner Eltern hast du anderen  gegenüber mit ernster Überzeugung wiederholt?

3. Welche Aufgabe löst bei dir die Aufschieberitis aus?

4. Was würdest du dem Papst sagen, wenn du eine Audienz hättest?

5. Wenn du ein Tier wärst, welches wärst du und weshalb?

6. Wie stellst du dir das Sterben vor?

7. Welches sind deine fünf größten Sehnsüchte?

8. Welche deiner Peinlichkeiten lassen dich heute noch erröten oder lachen?

9. Was sind deine Einzigartigkeiten, was unterscheidet dich von anderen?

10. Gehe von der Reinkarnation aus. Welche Fähigkeit(en) hättest du gerne im nächsten Leben?

10 fragen zur selbstbefragung (02) – ein ergebnis zur schreibaufgabe (22)

wie lang wollen sie noch leben und warum?

was ist für sie schlimmer?  a.) ein/e freund/in, der/die sie belügt.  b.) freundInnen belügen.

welche dinge in ihrem leben würden sie gern umgehen, aber es lässt sich nicht bewerkstelligen?

hassen sie etwas an sich? und wenn ja, warum eigentlich?

was finden sie unerträglicher, ein kind, das vernachlässigt wird, oder ein alter mensch, der vernachlässigt wird?

was würden sie darunter verstehen, tief zu sinken?

haben sie in ihrem leben schon einmal vor freude gekreischt? wenn ja, warum?

liegen sie beim sex lieber unten oder oben? nennen sie drei gründe in stichworten dafür.

wo fühlen sie sich wohler, in einem kloster oder in einem gefängnis, warum?

finden sie die welt gerecht oder ungerecht?

schreibaufgabe (22)

da ich ein gewisses gefallen an den möglichkeiten der selbstbefragung finde. und es mir sinnvoller erscheint, für sich grundsätzliche fragen zu beantworten, anstatt der öffentlichkeit die eigene haltung zu unterbreiten, ergibt sich dieses mal eine außergewöhnliche schreibaufgabe. wie hier schon im blog geschehen, sollen „fragen zur selbstbefragung“ gesammelt werden, um vielleicht eine kleines archiv mit selbsterdachten fragen zu erstellen. deshalb sind für die schreibaufgabe, 10 fragen zu formulieren, deren beantwortung nicht nur ein „ja“ oder ein „nein“ ermöglichen. es darf direkt und hemmungslos gefragt werden.

die antworten sollten sich nicht hier wiederfinden. sie werden zuhause bei sich selber belassen und vielleicht in ein paar jahren noch einmal hervorgeholt, um zu sehen, ob sich an der eigenen haltung im laufe der zeit etwas geändert hat.

schreibaufgabe (21) – ein ergebnis

tullern: (verb), ein synonym für „weinen“, zusammengesetzt aus „tränen“ und „kullern“. wird vor allen dingen umgangssprachlich verwendet. so bedeutet „tuller dich nur aus“ eher „kotz dich nur aus“, als „wein dich aus“. das adjektiv „tullerig“ bezeichnet vor allen dingen männer, die der männerrolle widersprechen. früher wurde der begriff „heulsuse“ dafür häufig verwendet, der, da er einen weiblichen namen verwendet, inzwischen verworfen wurde. unter einer „tullergruppe“ versteht die umgangssprache selbsthilfegruppen.

 

leise

tullert er

vor sich hin

da sie ihn verließ

neunzehnhundertfünfundachtzig

 

uschelig: (adj.), uschelig bezeichnet das gegenteil von „wuschelig“. lange gab es nur bezeichnungen wie „glattes haar“, „ordentlich gekämmt“ oder „gescheitelt“. da wildes, krauses, ungekämmtes haar heute wieder als zeichen für jemanden steht, der sein leben nicht im griff hat und sich den gesellschaftlichen anforderungen verweigert, stellt uschelig eine sehr positive bezeichnung für konformes verhalten dar. wogegen „wuschelig“ gleichzusetzen ist mit dem alten adjektiv „schlampig“. deshalb sind „uscheler“ die vertreterInnen des jungen managements im rahmen der gesellschaftlichen ökonomie.

 

da!

eine locke

die unbezähmbar scheint

die schere kappt widerständiges

uschelig

 

(christof, januar 2009)

schreibaufgabe (21)

sprache lebt davon, dass sich immer wieder neue worte bilden. dies geschieht natürlich meist in zusammenhängen der gesellschaftlichen veränderungen. und so werden jahr für jahr „worte des jahres“ und „unworte des jahres“ bestimmt. aber reine fantasieworte finden selten verwendung in der alltagssprache. diese schreibaufgabe möchte einmal den versuch unternehmen, fantasieworte einzuführen.

vorgeschlagen werden von mir „tullern“ oder „uschelig„. zu einem der wörter oder einem fantasiewort eigener wahl ist ein lexikonbeitrag zu verfassen, der dieses wort erklärt. und nach der lexikalischen definition ist ein text (egal ob gedicht, geschichte oder haiku) zu verfassen, in dem das neue wort in seiner definierten variante verwendet wird und eine rolle spielt.

ich bin gespannt auf die „plaschigen“ texte.

schreibaufgabe (20) – ein weiteres ergebnis

Die Oper

 

Ach nöööh, können wir nicht einmal über das eigentliche reden? Es gäbe so viel zu sagen, aber wir, wir sitzen hier und unterhalten uns über Musikrichtungen. Dabei rutschen wir auf unseren Stühlen hin und her, wie wenn jemand unter uns Herdplatten angeschaltet hätte.

Junge, schau mich an! Wieso schaut er immer weg? Hält er meinen Blick nicht aus oder macht er das generell so? Hör doch auf mit deinen Selbstzweifeln. Du beziehst mal wieder viel zu viel auf Dich. Das hat alles nichts zu bedeuten. Musik ist sein Steckenpferd, also führt ihr nur eine nette Unterhaltung. Der Rest ist Spekulation.

Mal versuchen, das Thema zu wechseln. „Was liest Du denn gern?“

Ach so, nichts. Ach doch, Musikerbiografien. Na, was für eine Überraschung. Klassik ist ja ganz schön, aber ich würde jetzt nicht von Opernaufführung zu Opernaufführung fahren, nur weil Frau XY die Arie in der Oper Z singt. So wird das nichts mit uns. Bin ich wieder zu kritisch? Wahrscheinlich sind meine Ansprüche an einen Kerl viel zu hoch. Ist aber auch nichts neues. Da sollte dann gleich alles stimmen. Huch, er schaut. Es ist ruhig geworden. Hat wohl gemerkt, dass ich in Gedanken versunken bin. Oh, die Frage mag ich nicht. Schnell, schnell, eine Ausrede. Ich kann doch jetzt nicht alles auf den Tisch legen. „Ich denke gerade darüber nach, wann ich die letzte Oper live gesehen habe.“

Jetzt lädt der mich auch noch ein, am Mittwoch mitzukommen. Das halt ich nicht aus. Zwei Stunden neben ihm sitzen und ihn nicht berühren zu dürfen. Aber stell Dir mal vor, ihr kommt zusammen. Am nächsten Morgen zum Frühstück als erstes eine Arie. Das am frühen Morgen, das geht gar nicht. Wieso habe ich es eigentlich schon wieder nicht geschafft, was ich eigentlich denke? Das ist aber auch immer ein Blödsinn. Wird mir schon wieder viel zu anstrengend. Muss das immer so kompliziert sein. Mensch Junge, komm doch mal aus der Hüfte. Ach so, ist er ja schon. Der will mich mit in die Oper nehmen. Und ich, was mach ich wieder daraus? Ein Problem. Also gut, ich geh mit.

Das macht mir Angst, wie der sich freut. Was will er denn? Vielleicht doch das gleiche wie ich. Hilfe, ich bin ein Idiot, holt mich hier raus!!! Was mach ich da nur? Ich gehe in die Oper! Das kann ich keinem erzählen, die erklären mich für verrückt. Ich und in die Oper. Über was sollen wir uns da bloß unterhalten, wenn das jetzt schon so schwierig ist. Doch lieber wieder absagen. Und dann nach der Oper, wie soll es weitergehen, wenn er nicht endlich mal etwas sagt. Hoppla, er sagt noch einmal, dass er sich freut, wenn ich mitkomme. Hab ich da was verpasst? Oh mein Gott, der Blick! Da hör ich doch jede Musik. Ja, gut, ich freu mich auch. Jetzt könnt ich etwas sagen. Aber wieso ich. Immer soll ich den Anfang machen. Moment, wir haben ja schon längst angefangen. Schau mich nicht so an!

 

 

Hilfe, starrt der in meine Richtung. Ich erzähl doch nur was von der Oper. Da kenn ich mich aus. Dann merkt der nicht so, dass ich eigentlich nichts kann, außer über Opern reden. Also erzähl noch ein bisschen. Die Musik ist aber auch schön. Ich merk, ich komm langsam in Fahrt. Anscheinend interessiert er sich wirklich dafür. Toll. Achtung, Du freust Dich zu sehr. Jetzt bemerkt er bestimmt, dass Du gerade rot im Gesicht wirst. Schnell wegschauen. Da hinten, immer das Plakat an der Wand anschauen. Kannst ja trotzdem weiterreden.

Achtung, Fangfrage! Ja, ich bin ein durch und durch langweiliger Mensch. Nein, ich lese fast nichts. Ach, doch vor ein paar Wochen hab ich die neue Biografie über Mozart gelesen. Erzähl es schnell, sonst hält er Dich für total unterbelichtet. So richtig begeistert schaut er nicht. Vorher war der Blick interessierter. Irgendwie komm ich mir hier vor, wie bei Frau Plischke, meiner Deutschlehrerin von damals. Die hatte auch immer so einen durchdringenden Blick. Was gäbe ich darum, zu wissen, was er denkt. Der hält mich jetzt bestimmt für total bekloppt. Jetzt frag ich ihn einfach. Ach so, ich dachte schon, er denkt über mich nach. Aber die Oper interessiert ihn wohl doch. Zumindest war er schon einmal in einer Aufführung. Das kommt ja in unserem Alter nicht so häufig vor. Toll. Ach Mensch, am Mittwoch läuft doch die tolle Aufführung. Vielleicht hat er ja Lust mitzukommen? Ich frag mal. Wow, tatsächlich, er geht mit. Wie lange hab ich nach jemandem gesucht, der sich für das Gleiche, wie ich interessiert. Mensch toll. Ich hab mich nicht getäuscht, als ich ihn das erste Mal sah. Ich hab gleich gespürt, dass da was ist, was mir gefällt.

Hab ich ihn jetzt mit meiner Freude erschreckt? Aber ich freu mich wirklich. Werd gleich morgen versuchen die besten Plätze zu bekommen. Hätte nie gedacht, dass der heutige Abend noch so schön wird. Jetzt guckt er aber ganz schön ängstlich. Ich muss mich ein wenig zurückhalten. Die erschrecken immer so, wenn ich mich wirklich freue. Anscheinend darf man das nicht. Vielleicht interessiert ihn die Oper ja gar nicht? Woher soll ich wissen, ob er es nicht nur mir zuliebe macht. Das will ich aber nicht. Also, sag ich ihm noch einmal, dass ich mich freue. Mal sehen, wie er dann reagiert. Ach doch, irgendwie freut er sich auch. Er wird rot im Gesicht. Süß. Das geht wohl nicht nur mir so. Skurril, dass wir uns die ganze Zeit über Opern unterhalten und dabei über was ganz anderes reden. Davon hab ich immer geträumt. Ein Mann, der bei mir übernachtet und dem ich kurz nach dem Aufwachen volle Pulle meine Lieblingsouvertüre vorspielen kann. Kneif mich doch mal einer. Träum ich oder funkt es da gerade gewaltig zwischen uns. Ein bisschen mehr könnte er schon von sich erzählen, aber das kommt sicher noch. Eigentlich hab ich den ganzen Abend über das geredet, was mich interessiert. Ich weiß gar nicht, was ihn interessiert. Ich würd so gern wissen, was er jetzt denkt.

(Christof, Januar 2009)

schreibaufgabe (20)

eine der spannendsten übungen für das kreative schreiben ist der perspektivwechsel. dabei kann man oft feststellen oder aus eigener erfahrung einbringen, dass zwei menschen, eine gemeinsame situation sehr verschieden erleben können. deshalb sollen dieses mal „paarblicke“ verfasst werden.

zwei menschen, möglichst ein paar, erleben etwas gemeinsam. entweder eine alltägliche situation, z.b. einkaufen im supermarkt oder einen streit, eine liebeserklärung, eine hochzeit, einen unfall, eine überraschung…

nun sind zwei innere monologe zu verfassen, die gedanken der beiden zu notieren, und nebeneinander zu stellen. wie erleben die beiden jeweils die situation, was geht ihnen durch den kopf? unterscheiden sich beide wirklich so sehr, wie es oft den anschein hat, oder sind ihre überlegungen doch ähnlicher als man vermutet. die freiheit der perspektiven kann voll ausgeschöpft werden und der fantasie sind keine grenzen gesetzt.

jeder text darf maximal 500 wörter enthalten. und dann mal sehen, wie einfühlsam die paare miteinander umgehen 😉

schreibaufgabe (20) – ergebnis von susie heiß – feedback erwünscht

Adeles Sicht:

Hoffentlich hatte ich die Karten auch in meine Tasche gesteckt. Ich schaue lieber nochmals nach. Geldbörse, Taschentücher, Haustürschlüssel, Handy – hatte ich das eigentlich bereits auf stumm gestaltet? Dann mach ich das besser mal gleich, ah, gut erledigt – Taschenspiegel, Handcreme. Wenn Alfons nur noch so rasant fahren würde. Dabei haben wir es ja noch nicht mal so eilig. Die Oper beginnt erst in einer Stunde, uns bleibt sogar noch Zeit für ein Glas Sekt vorweg. Lippenstift, Haarbürste, Regenschirm – wobei es ja eigentlich nicht regnen sollte heute Nacht, bei dem klaren Himmel – Monatsprogramm des Stadttheaters, mein Kalender. Keine Karten. Ich hatte sie doch eingesteckt, wo waren sie nur? Alfons verstand mein Unbehagen natürlich mal wieder gar nicht. 

„Die hast du schon irgendwo, Liebes“, sagte er und fetzte mit 70 Sachen in die nächste Kurve. 

„Gott gütiger, Alfons, wir sind schließlich in der Stadt. Meines Wissens nach ist hier immer noch 50 erlaubt.“ 

Alfons grummelte. Wie immer, wenn er wusste, dass ich recht hatte. Dennoch drosselte er die Geschwindigkeit, als ich mich bei der nächsten Kurve ganz demonstrativ an den Handgriff oberhalb der Tür hing und ein „aaahhhh“ von mir gab. Gut, vielleicht hatte ich mich auch etwas zu sehr mit in die Kurven gelegt. Trotzdem. Nicht umsonst gab es eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Nachdem Alfons endlich in gemäßigterem Tempo fuhr, wühlte ich nochmals in meiner Tasche. Das darf doch nicht wahr sein. 

„Ich glaube, ich habe sie tatsächlich zuhause auf dem Küchentisch liegen lassen.“ 

„Hast du nicht, Liebes“, erwiderte Alfons beharrend. „Du hast sie in dein Portemonnaie getan, direkt hinter dein Monatsticket.“ 

Seufzend schaute ich dort nach und murmelte ungläubig vor mich hin: „Das kann ich mir zwar nicht vorstellen, da würde ich sie doch nie…“ 

Die letzten Worte kamen mir nicht mehr über die Lippen, denn in meinen Händen hielt ich tatsächlich die zwei Karten für Verdis Aida. Ich seufzte. 

„Ach, da bin ich aber froh. Sonst hätten wir noch zurück fahren müssen, und dann wäre doch alles etwas knapp geworden.“ 

Zufrieden und beruhigt schloss ich den Reißverschluss meiner kleinen Handtasche – allerdings nicht ohne vorher nochmals mein Gesicht in dem kleinen Taschenspiegel zu betrachten. Die Lidschatten waren zum Glück nicht verschmiert, wobei ich ja nicht so der Held war im Schminken. Noch dazu in meinem Alter. Rosalie, meine gute Freundin schon aus Schulzeiten, zetert ja immer mit mir und meint, mit über 70 müsse man sich nicht mehr schminken. 

„Wenn man jetzt keinem mehr gefällt, dann ist es eh zu spät.“ 

Recht hatte sie eigentlich. Trotzdem. Verwahrlost in die Oper zu gehen, das geht nun tatsächlich nicht. Den Lippenstift zog ich nach und war froh, dass Alfons ruhig auf den Parkplatz fuhr. Eine Lippenstiftspur über die Wangen hätte ich nicht gebrauchen können. Galant wie immer hielt Alfons mir die Tür auf. Gut sah er aus in seinem Smoking. 

„Danke“, hauchte ich. 

Auch wenn sein Kuss etwas von meinem Lippenstift wegnahm, so war mir dies jeder Kuss von Alfons wert.

 

Alfons Sicht:

Zum Glück hatte ich rechtzeitig zum Abmarsch plädiert. Ich kannte Adele ja zwischenzeitlich. Auch wenn sie sicherlich nicht so lange brauchte wie andere Frauen: etwas Zeitpuffer hatte noch nie geschadet. Kaum saßen wir im Wagen und waren aus der Einfahrt raus, ging es auch schon los. 

„Habe ich die Karten auch wirklich eingesteckt? Ach halte doch nochmals kurz an.“

Und ich hielt nicht an, denn ich wusste ganz genau, dass dies zum ewigen Spiel gehörte, ebenso wie die Frage: „Habe ich jetzt auch die Haustür abgeschlossen oder sie nur ins Schloss fallen lassen?“, wenn wir ins Wochenende fuhren oder der Klassiker vor dem Urlaub: „Ich hoffe, ich habe jetzt auch den Herd ausgeschaltet. Hast du nochmals nachgeschaut, Alfons?“

Habe ich. Immer. Nur, dass ich noch wusste, dass ich nachgeschaut hatte, während meine liebe Frau es anscheinend bereits zehn Minuten nachdem sie es getan hatte, selbst nicht mehr wusste. Ich schüttelte mich mal wieder über die Frauen wundernd den Kopf.

Eine Haarbürste fiel in den Fußraum. Sie suchte. Suchte noch immer diese Karten, dabei hatte sie sie doch in ihre Geldbörse getan – wie immer eben. Ich lies sie erstmal suchen. Auf diese Weise konnte ich immerhin den neuen Mercedes in der Stadt ausfahren. Schnittig war er, da hatte Klaus wieder recht gehabt. Und so wendig, selbst bei kleineren Kurven. Da merkte man halt doch noch, dass das Auto gute deutsche Wertarbeit war und nicht so ein Produkt aus dem Ausland. Denen war ja nicht immer zu trauen. Und Sicherheit wog natürlich ebenso hoch wie das Fahrgefühl. Das sagte ich auch Adele immer, wenn sie über den bezahlten Kaufpreis stöhnte. Trotzdem – auch sie saß gerne drin. Das wollte sie nur nicht zugeben. 

Wieder kam Gemurre vom Nachbarsitz. Fahr nicht so schnell – ja, ja. Die gleiche Leier, auch das war ich eigentlich schon gewohnt. Macht nichts. Manches muss man bei Frauen einfach ignorieren, hatte mein Vater immer gesagt. Und nach diesen Spielregeln lebte ich und war nicht schlecht gefahren. 

Irgendwann wurde mir Adeles Suche aber doch zu dumm. Nachher hätte sie noch umdrehen wollen, und ich hätte mein Vor-Opern-Bier verpasst. Also half ich ihr auf die Sprünge – und: hatte wie immer Recht. Unsere Karten fand sie in ihrer Geldbörse. Immerhin gab sie dann ein Weilchen Ruhe und konzentrierte sich auf das, was sie am besten konnte: auf sich. 

Ich hingegen freute mich an der Leistung des Wagens: 160 PS, schwarz-metallic, Fahrleistung bis zu 230 Kilometer die Stunde – nicht, dass ich jemals in den Genuss käme, diese mit Adele an meiner Seite auszufahren, aber immerhin: Die Freude darüber war groß. Dabei hatte ich Adele bei einem Straßenrennen in Wanne-Eickel kennen gelernt. Und sie wollte keinen geringern heiraten, als den damaligen Schnelligkeitsmeister der Straße. 

Ach, das war lange her. Heute fahren wir in die Oper statt Rennen auf Straßen. So ist das Alter. Ich parkte und hielt Adele die Beifahrertür auf. Gekonnt glitt sie aus dem Wagen. Wie immer sah sie umwerfend aus. Und ich war froh, dass wir es mal wieder zeitig für das Vor-Opern-Bier geschafft hatten.

schreibaufgabe (19) – ein ergebnis

romanze

schon der morgen verhieß einen glücklichen tag. sonnenstrahlen kitzelten saskia wach als sie hell und frisch durch das dachfenster auf ihr himmelbett fielen. beim augenaufschlagen bemerkte sie, dass es ein wunderschöner morgen mit blauem himmel und vogelgezwitscher war. der anfang eines tages war für saskia immer ein zeichen für die folgenden wachen stunden. was soll heute noch schief gehen, dachte sie, als sie sich unter der federleichten decke räkelte. ihr kater mohrli schnurrte neben ihr im bett liegend und spielte zwischendurch mit den staubflusen im sonnenstrahl.

saskia ließ sich, nachdem sie das bett mit einem fröhlichen seufzer verlassen hatte, ein bad mit ihren lieblingsessenzen aus vanille und orange ein. als sie in der wanne lag, wanderte ihre blick über die hügelige landschaft, die sich vor dem badezimmerfenster ausbreitete wie dahingeworfener grüner stoff. ein paar nebelschwaden schwebten über den kleinen tälern, die den grünen faltenwurf durchkreuzten. und saskias gedanken schwebten ebenso schwerelos zu sabine, der raumpflegerin, die um zehn uhr klingeln wird, wie jeden donnerstag. heute ist der tag, der alles verändern wird, dachte saskia, heute muss es sein.

seit fünf jahren arbeitete sabine für saskia. sie putzte einmal die woche für fünf stunden. dabei lernten sich die beiden frauen immer näher kennen und fühlten sich wohl in der nähe der anderen. durch das aufräumen und reinigen kam sabine dem leben ihrer auftragsgeberin auf die spur. und was sie sah, gefiel ihr. saskia war eine selbstbewusste, hübsche frau, die für jeden ein freundliches wort übrig hatte. und als sie sie vor drei wochen fragte, ob sie sich heute treffen sollten, schlug sabines einen takt schneller als sonst. sie hätte nie gedacht, dass saskia sie jemals fragen würde, ob sie sich außerhalb der üblichen zeiten treffen sollten. ja, es war ein donnerstag, wie jede woche, aber es war ein besonderer donnerstag.

saskia hatte inzwischen ihren grauen hosenanzug von gaultier angezogen, der ihr besonders gut stand und immer nur an außergewöhnlichen tagen von ihr getragen wurde. sie inspizierte noch einmal die küche und das esszimmer, ob alles an seinem platz war, damit es ein tag werden konnte, wie sie ihn schon lang nicht mehr erlebt hatte. in angenehmer gesellschaft es sich gut gehen lassen, das gab es nicht oft in saskias leben, war sie doch als professorin ständig am arbeiten und auf reisen. noch ein blick in den kühlschrank, ob der champagner auch die richtige kühle angenommen hatte. perfekt, sabine konnte kommen.

kaum hatte sie den gedanken zu ende gedacht, klingelte es auch schon. saskia wurde plötzlich ganz nervös. ob es richtig war, mit ihrer reinigungskraft den heutigen tag zu verbringen? was spricht dagegen, dachte sie, du hast keine berührungsängste. sie schritt zur tür und öffnete. als sie die fröhlichen augen von sabine erblickte, verschwanden alle zweifel, die sie vorher geplagt hatten. sie nahm sabine in den arm und sagte: „frohe weihnachten zu dem fest der liebe!“

(christof)

schreibaufgabe (19)

egal ob telenovela, groschenromane oder holly- und bollywood filme der feinsten machart, es ist eine kunst, perfekten kitsch zu verfassen. schreibaufgabe ist es, einen text zu verfassen unter dem motto „kitsch as kitsch can„. es darf in den schmalztopf gegriffen werden, es dürfen herzzerreissend tränen fließen, es kann gefühlig und romantisch werden, bis man die klebrige süße nicht mehr von den fingern bekommt. es kann geschwärmt, gebebt und geliebt werden auf teufel komm raus. und es gibt keine vorgabe der länge oder textsorte. es dürfen also auch anbetungsgedichte und idyllische landschaftbeschreibungen der geschönten natürlichkeit verfasst werden und selbst bambi darf fröhlich über die blütenübersäte wiese vergnügt tollen.

ich freue mich auf qualitativ hochwertigen kitsch, der jedes plastikblumengesteck in den schatten stellt.

schreibaufgabe (18)

um ein wenig in stimmung zu kommen, wenn´s denn sein muss, soll die nächste schreibaufgabe von winterlichen gedanken geprägt sein. es ist eine „geschichte vom schnee“ zu schreiben (mindestens zehn zentimeter neuschnee). und da es sich bei zehn zentimeter neuschnee um ungefähr 700 flocken handelt, sollten maximal 700 wörter verwendet werden. es muss ja nicht ewig rieseln.

und bei der glätte nicht ausrutschen 😆 .

schreibaufgabe (17) – ergebnis

anstalt

 

soll´s geordnet sein, geregelt

widrigkeiten ausgepegelt,

lassen wir´s verwalten

mit hilfe von anstalten.

 

so wundert es den bürger nicht,

dass dieser tage,

der börsenkurs wurd´ grad zur plage,

´ne neue anstalt kommt ans licht.

 

das geld und die finanz,

sie gaben einen totentanz

und schien´ von tag zu tag labiler

gefolgt vom ruf: macht es stabiler!

 

die banken riefen: uns geht´s gut,

auch wenn der kurs nach unten stürzte,

die gewinnmargen erheblich kürzte,

nur den immobilien fehlt der mut.

 

jedoch, es fehlte das vertrauen,

in die worte dieser grauen

herren mit den großen boni

und schreibtischen aus mahagoni.

 

inzwischen war´n miliarden verzockt,

manches haus stand vor der pleite,

kunden suchten schon das weite,

aber es wurde jeder weitere kredit geblockt.

 

denn es ging um psychologie.

auch wenn sie alle riefen: nie!!

futsch war das vertrauen,

alle über´s ohr gehauen.

 

wer nun glaubte, es wird besser,

denn die vollständige deutsche staatgewalt

schuf die finanzmarktstabilisierungsanstalt,

glaubt auch an menschenfresser.

 

´ne halbe billion geschenkt,

kfz-steuern gesenkt,

die renten vergeigt,

keiner wurde angezeigt.

 

das system, das rattert weiter,

konsum, meint ein siemens-boss, sei „normal“,

co zwei und klimawandel erscheinen egal,

wo bleibt hier nur der anstaltsleiter?

 

(christof)

schreibaufgabe (17)

nun, auf zur nächsten aufgabe. dieses mal ist moderne lyrik zu aktuellen ereignissen gewünscht. basis des von euch zu verfassenden gedichts soll abermals die „finanzmarktstabilisierungsanstalt“ sein. ist sie doch zur zeit teil eines noch nicht beendeten kapitels. und das wortungetüm bietet sich für das reimen und dichten geradezu an. ob ihr reimt oder nicht, ist natürlich euch überlassen.

schreibaufgabe (17) kommt nicht, sondern eine abstimmung

nach ungefähr sieben monaten schreibaufgaben muss ich realistisch sein, es reagiert kaum jemand darauf. das steht zwar im widerspruch zu den steigenden leserInnenzahlen, aber es gibt anscheinend kein interesse oder keine zeit, schreibaufgaben mitzumachen. doch ich will nicht vorschnell handeln, sondern das angebot der schreibaufgaben zur abstimmung stellen. und hiermit die regelmäßigen leserInnen dieses blogs einladen ihre stimme abzugeben. vielleicht zeigt sich dann das ausmaß des bedarfs. ich werde mich jedenfalls gern an dem ergebnis orientieren.

christof

schreibaufgabe (16)

es wird herbst, es wird kalt. ein schöner anlass, einen „coolen“ text zu verfassen. in kombination mit halloween eine der jahreszeit angemessene aufgabe. denn es ist gar nicht so leicht, eine coole sprache zu finden. der rap versucht es botschaften mit cooler sprache und einem eingängigen rhythmus zu kombinieren. doch das ist schwerer als es im ersten moment scheint.

so besteht die aufgabe dieses mal darin, eine geschichte, einen dialog oder ein gedicht in cooler sprach zu verfassen. die länge ist beliebig, wichtig ist stimmung. denn das, was heute coolness ist, war früher wahrscheinlich teilweise gelassenheit. dazu kommt natürlich noch eine gewisse mackerhaftigkeit, die an größenwahnsinn grenzt. nach dem motto „mir kann keiner was“. und so sollte auch der text daherkommen. inhaltlich aufgreifen kann er alles, denn alles kann cool sein.

schreibaufgabe (15)

hier schon einmal erwähnt wurde der moment, der ein ereignis verändern kann. das geschieht eigentlich jeden augenblick. würde ich nicht gerade tippen, würde ich wahrscheinlich etwas ganz anderes machen und sich daran andere ereignisse reihen. in der langfristigen schau, kann dies bedeuten, dass eventuell mein ganzes leben anders verlaufen würde, wenn ich jetzt nicht schreiben würde. dargestellt wurde dieser gedanke im film mit dem rauchen einer zigarette und dem nichtrauchen einer zigarette. doch bei der schreibaufgabe geht es um das motto „eine entscheidung, zwei texte„. dieses mal sind zwei kurze (oder auch längere) texte zu verfassen. eine situation muss darin vorkommen. das eine mal nimmt der protagonist, die protagonistin den bus, das andere mal geht er, sie zu fuß. wie verlaufen die geschichten nach der entscheidung über die fortbewegung. 

und nun kommt noch die zweite variante dieser ankündigung, wenn ich nicht gerade tippen würde: ………………….

ergebnisse zur schreibaufgabe 14

Ein Billiger Text mit 94 Worten

 

Es war einmal ein Bauer.

Um sein Korn verkaufen zu können, musste er mehrere Tage mit seinem Esel übers Land reiten.

Einmal zog sich seine Reise zum Markt besonders in die Länge und sein Proviant ging zur Neige.

Als der Bauer dem Esel sein letztes Stück Brot gab, wurde er von einem Hirtenjungen, der dies beobachtet hatte, gefragt: „Weshalb gibst du diesem Esel deinen letzten Bissen?“ 

Der Bauer antwortete. „Na, wenn ich alles alleine esse, ärgert mich jeder Krümel, der auf den Boden fällt. So aber fühle ich mich reich.“

Sprach´s und wanderte weiter.

 

Sabine Samonig

 

Ein Billiger Text mit 150 Worten

 

regen

gerade kam ich nach hause. auf dem weg fing es an zu regnen. erst kam ein starker wind auf, der auch jetzt noch ganz schön bläst. dann nieselte es ein wenig. und zum schluss hat es dickere tropfen geregnet. erst war der boden nur ein wenig mit feuchtigkeit benetzt, doch jetzt ist alles ganz nass. wenn dann so eine windböe durch durch die bäume fegt, dann fallen dicke wassertropfen runter. deshalb bin ich schneller gelaufen. dabei musste ich aber aufpassen, dass ich nicht auf dem feuchten laub ausrutschte. denn durch den starken wind liegt fiel laub auf den wegen. das laub ist schön bunt. vor allen dingen die farben gelb, rot und orange sind am häufigsten vertreten. die blätter glänzen durch den regen. leider strahlen sie nicht so richtig, da der himmel grau verhangen ist. es hat auf dem weg nach hause geregnet. ich bin froh daheim zu sein.

christof zirkel